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Antonie Pannekoek Archives

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Thema: Die ökonomische Lösung für die Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Kommunismus


Die gesellschaftlich-durchschnittliche Arbeitszeit als Grundlage der kommunistische Produktion und Verteilung


Quelle:  Die gesellschaftlich-durchschnittliche Arbeitszeit als Grundlage der kommunistische Produktion und Verteilung. – In : Rätekorrespondenz, Nr. 10-11 (Juni-Juli 1935); wahrscheinlich von Jan Appel und Herman de Beer geschrieben.


[I.]

Den planwirtschaftlichen Problemen ist, offensichtlich durch die Länge und Tiefe der internationalen Krise, in den letzten Jahren selbst durch die bürgerliche Ökonomie, und ganz besonders in Amerika, viel Aufmerksamkeit geschenkt worden. Die von den Vertretern des laissez-faire Prinzips erhobenen Einwände gegen die kapitalistische Planwirtschaft, verlieren langsam an Überzeugungskraft, da die, durch die wachsende Monopolisierung der Wirtschaft sich selbst herausbildenden „staatskapitalistischen“ Tendenzen, die teilweise experimentelle Anwendung der planwirtschaftlichen Theorien ermöglichen. Mit dem enormen Produktionsrückgang, dem Verfall der Märkte usw., fällt es immer schwerer von der „Triebkraft des Profitmotive, der regulierenden Funktion des freien Marktes und der Aktivierung durch die Konkurrenz“ zu sprechen. Dies schon deshalb, weil diese Merkmale des „klassischen“ Kapitalismus im heutigen stagnierenden Monopolkapitalismus nicht ihren Gegensatz, sondern ihr Resultat zu sehen haben.

Vom Standpunkt der kommunistischen Theorie is jedoch eine planmäßige, geregelte kapitalistische Wirtschaft eine Unmöglichkeit. Die kapitalistischen Krisen entspringen dem Widerspruch zwischen gesellschaftlichen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, ein Konflikt, der die Kapitalverwertung immer mehr erschwert und zum kapitalistischen Zusammenbruch führen muss. Das Privateigentum an den Produktionsmitteln schlisst jede Planung aus. Ist die Produktion wirklich gesellschaftlich geregelt, dann hört sie auch auf, eine kapitalistische zu sein. Deshalb verwirft der Kommunismus auch alle pseudo-sozialistischen Wirtschaftstheorien, die nur auf eine Neuregelung der Verteilung, bei der Beibehaltung des kapitalistischen Produktionssystems bestehen, und z.B. durch Kredit- oder Bankenkontrolle die evolutionäre Überleitung des kapitalistischen – in ein sozialistisches für möglich halten. Andere Momente der „planwirtschaftlichen“ Diskussionen wie die Ausschaltung der Konkurrenz die Überwindung der Disproportionalität in den einzelnen Produktionszweigen, das Eingreifen der Staates in die Wirtschaft usw., ändern für die marxsche Theorie nicht an der kapitalistischen „Anarchie“, sondern in der Akkumulationsgesetzlichkeit des Kapitals hat. Die Kapitalproduktion schließt für den Marxismus jede Sozialisierung aus. Für ihn liegen Möglichkeiten wie Schwierigkeiten, Aufstieg wie Ende des Kapitalismus bereits im Wertgesetz begründet. Der Widerspruch Tausche- und Gebrauchswert (1) ist der kapitalistische Widerspruch, ohne dessen Aufhebung von einer kommunistischen Gesellschaft keine Rede sein kann.

Im Kommunismus „tauschen“ die Produzenten ihre Produkte nicht aus. Die Arbeit hat keinen „Wert“ und keinen „Preis“. Die Aufhebung des Wertaustausches ist zugleich die Aufhebung des Lohnsystems, da das Lohnverhältnis ja nichts anderes ist als das Tauschverhältnis zwischen Käufern und Verkäufern der Arbeitskraft. Besteht dieses Verhältnis, wobei es gleichgültig ist ob individuelle Unternehmer oder der Staat als Käufer der Arbeitskraft auftreten, dann liegt darin auch schon die Tatsache der auf die Ausbeutung der Arbeitskraft beruhenden Wert- und Mehrwertproduktion. Die kapitalistische Produktion lässt nur eine kapitalistische Verteilung zu; „die Art, wie die Produktivkräfte ausgetauscht werden“, sagt Marx, „ist für die Art des Austauschen der Produkte massgebend.“ (1).

Im Kommunismus ist der Produktionsprozess nicht mehr ein Kapitalverwertungsprozess, sondern nur noch Gebrauchsgüter produziert. Als ökonomischer Maßstab, dessen Notwendigkeit nicht zu leugnen ist da die Produktion wie der Produktionsapparat dem gesellschaftlichen Bedarf angepasst werden muss – kann nur noch die zur Erzeugung der Güter notwendige Arbeitszeit gelten. Nicht mehr der „Wert“, sondern die Rechnung in Gebrauchsgütern und der zu ihrer Herstellung erforderlichen, unmittelbaren Arbeitszeit, ist die notwendige Ausdrucksform einer geregelten kommunistischen Wirtschaft.

So lassen sich denn auch, vom Standpunkt des Marxismus, die russischen planwirtschaftlichen Versuche nicht als sozialistische ansprechen. Die russische Praxis richtet sich nicht nach kommunistischen Prinzipien, sondern folgt den Gesetzen der kapitalistischen Akkumulation. Es handelt sich hier, wenn auch in modifizierten Form, um eine Mehrwertproduktion, die sich ideologisch hin dem Begriff „sozialistischer Aufbau“ versteckt (3). Das Lohnverhältnis ist identisch mit der Kapitalproduktion und bildet so auch in Russland die Existenz[?] einer wachsender Bürokratie mit steigender Privilegien, die durchaus neben den noch vorhandenen privatkapitalistischen Elementen als neue, sich Mehrarbeit und Mehrwert aneignende Klasse zu werten ist. Aus den russischen Erfahrungen lassen sich keine, die kommunistische Produktion und Verteilung betreffenden positiven Schlussfolgerungen ziehen. Sie bieten immer nur Beispiele dafür, wie der Kommunismus nicht entwickelt werden kan (4).

Die entscheidenden Probleme einer kommunistischer Wirtschaft treten erst nach völliger Beseitigung des Marktes, der Lohnarbeit, das Geldes etc.[?] auf. Allein die Tatsache des Bestehens des Lohnverhältnisses bedeutet schon dass die Produktionsmittel nicht von den Produzenten kontrolliert werden, sondern ihnen als Kapital gegenüber stehen und dies erzwingt auch einen Reproduktionsprozess in der Form der Kapitalakkumulation. Letztere ist in der Marxschen Theorie, neben und wegen ihrer Gültigkeit als Krisen und Zusammenbruchsgesetz, zugleich die Akkumulation den Elends, und so vollzieht sich die Verelendung der russischen Arbeiter tatsächlich nur im selben Tempo wie das Kapital akkumuliert. Schneller als der Lohn der russischen Arbeiter wächst ihre Produktivität: von wachsenden gesellschaftlichen Produkt erhalten sie einen relativ immer geringeren Anteil. Für Marx ist diese relative Verelendung der Arbeiterschaft im Verlauf der Akkumulation nur eine Phase der absoluten Verelendung; sie ist nur ein anderer Ausdruck für die wachsende Ausbeutung der Arbeiterschaft und dies als „Wachsen des Sozialismus“ zu bezeichnen ist doch wohl nicht möglich.

Der Kern der bolschewistischen „Sozialisierungstheorie“ kann wie folgt umrissen werden: mit der revolutionären Umwälzung, d.h. der Expropriation des Kapitals geht die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel und damit die Kontrolle über die Produktion und die Verteilung der Produkte in die Hände des Staatsapparates über. Letzterer organisiert dann die verschiedenen Produktionszweige nach einem Plan und stellt sie als Staatsmonopol in den Dienst der Gesellschaft. Mittels der Statistik errechnet und bestimmt die zentralisierte Leitung die Höhe und Art der Produktion wie auch die Zuleitung der Produkte and die Produzenten (5).

Wohl sind hier die Produktionsmittel aus den Händen der Privatunternehmer in die des Staates übergegangen, für die Produzenten hat sich jedoch nichts geändert. So wenig wie im Kapitalismus verfügen sie selbst über die Produkte ihrer Arbeit, da sie auch jetzt nicht die Kontrolle über die Produktionsmittel haben. Nach wie vor können sie nur durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft leben. Nur steht ihnen nicht mehr der individuelle Kapitalist sonder der Gesammtkapitalist, der Staat als Käufer der Arbeitskraft gegenüber. In der Auffassung der sozialdemokratischen – wie der bolschewistischen – Theoretiker hat der Monopolkapitalismus bereits die Produktion „sozialisierungsreif“ gemacht, es gilt nur noch auch die Verteilung „sozialistisch“ zu regeln. Entscheidend ist für diese Auffassung die vom Monopolkapitalismus entwickelte, oder ihm nachzubildende organisatorisch-technische Seite des Produktionsprozesses und nicht das wirklich grundlegende Moment der kommunistischen Wirtschaft: das ökonomische Verhältnis zwischen Produkt und Produzent. Die Kapitalkonzentration und die Monopolisierung der Wirtschaft ist mit dem Akkumulationsprozess untrennbar verbunden. Vom „Wertstandpunkt“ ist die Konzentration der „Zweck“ der kapitalistischen Produktion, da sie mit der Kapitalsakkumulation identisch ist. Die Akkumulation des Kapitals, das Profitinteresse bestimmen die organisatorisch-technische Seite der Monopolisierung, da im Kapitalismus „die Dinge die Menschen beherrschen“, anstatt das, wie im Kommunismus „die Menschen die Dinge kontrollieren“. Mit dem Fortfall der Wertproduktion ist der von der Kapitalskonzentration geschaffene organisatorisch-technische Produktionsapparat nur noch ein Mittel zum Zweck. Entscheidend ist hier das ökonomische Verhältnis zwischen Produzent und Produkt. Dies, der Zweck der revolutionären Umwälzung, wird in obriger Auffassung völlig übersehen, dem Mittel zu diesem Zweck werden Kräfte zugeschrieben, die es nicht hat.

Die Auffassung, dass die Zentralisierung der Produktionsmittel in den Händen des Staates bereits als Vergesellschaftung zu betrachten ist, schloss die praktische Inanspruchnahme einer des kommunistischen Wirtschaftweise entsprechenden Recheneinheit aus. Die zentralisierte Verfügungsgewalt über die gesellschaftliche Produktion und Verteilung liess keine die Geldwirtschaft ersetzende, Rechnungslegung zu, die einen kontinuierlichen Wirtschaftsprozess ermöglicht. Die russischen, naturalwirtschaftlichen Versuche der „kriegskommunistischen“ Periode schlugen völlig fehl. Die Geldrechnung musste neu gefestigt werden (6).

Die Gegensätze: Privatwirtschaft - sozialistische Planwirtschaft, Föderalismus - Zentralismus, lösen sich in der kommunistischen Wirtschaft in einer höheren Einheit auf. Der Kommunismus ist weder föderalistisch noch zentralistisch und ist doch beides zugleich. Es ist ein Produktionsmechanismus der die selbständige Verwaltung der Betriebe sichert und zugleich die gesellschaftliche Planung der Produktion ermöglicht. Die Arbeitszeitrechnung ist, wie Kautsky denn auch betont, in einer allein von einer zentralen Stelle regulierten und kontrollierten Wirtschaft eine Unmöglichkeit, da „selbst mit dem ungeheuerlichsten und vollkommensten statistische Apparat die Schätzung der Waren (Produkte) nach der in ihnen enthaltenen Arbeit nicht möglich ist“ (7). Was man jedoch im zentralisierten „Staatskommunismus“ nicht kann, nämlich feststellen, wieviel Arbeitszeit jedes einzelne Produkt in Produktionsprozess aufgenommen hat, das können die Produzenten selbst seht gut. Da sich jedoch in der russischen Praxis nichts am Verhältnis zwischen Produzent und Produkt änderte, können die Produzenten auch nicht selbständige, unmittelbar am Produktions- und Verteilungsprozess teilnehmende Glieder der Gesellschaft sein. Die Trennung von den Produktionsmitteln, die hier weiter besteht, das Tauschverhältnis, der Markt, erzwingen auch das Weiterbestehen der Geldrechnung. Aber dies hat mit der Assoziation freier und gleicher Produzenten, wie Marx den Kommunismus begrifflich fasste, nichts zu tun (8).

II.

Die Manufaktur war die notwendige Voraussetzung der industriellen Entwicklung. Sie verwandelte die qualifizierte Arbeit des Handwerks in allgemein menschliche Arbeit, in die sich stets vergrössernde Arbeitsteilung, welche die schnelle Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräften ermöglichte. Die Manufaktur verwirklichte überdies ein immanentes Prinzip aller kapitalistischen Wirtschaft: die Rechenhaftigkeit. Nur reine Quanten sind völlig kommensurabel, die Vergleichbarkeit von Arbeitsquanten ist daher an Reduktion aller Arbeitsqualitäten auf allgemein-menschliche, rein quantitativ bestimmte Arbeit geknüpft. „Die fortschrittlichsten Produktionsweisen sind die, welche der Forderung der vollen Quantifizierung der Arbeit am besten genügen; denn sie lassen sich am besten rationalisieren.“ (9). Die kapitalistische Wirtschaft hat denn auch, die von der Manufaktur entwickelte Rechenhaftigkeit immer mehr vervollkommnet. Speziell in den letzten Jahrzehnten sind die Rechenmethoden zur Erfassung der kapitalistische Selbstkostenpreise bis aufs Äusserste präzisiert worden.

„Die kapitalistische Verrechnung kann jederzeits den Wert eines Halbfabrikats, eines in der Erzeugung begriffenen Arbeitsstückes, die Kosten jeder einzelnen Arbeitsoperation, genau ermitteln. Sie kann feststellen, in welcher von mehreren Werkstätten, in welcher von mehreren Maschinen, mit welcher von mehreren Arbeitskräften sich eine Arbeitsoperation billiger stellt; sie kan also jederzeit die Rationalität des Erzeugungsprozesses aus höchste steigern. Es gehört ebenfalls zu den grossen Leistungen der kapitalistischen Verrechnungsmethode, diese Feinheiten in der Wirtschaftsrechnung ermöglicht zu haben“ (10).

Beziehen sich die kapitalistischen Rechenmethoden auf den allgemeinen Nenner Geld, zo fällt mit den Fortfall des Geldes und des Marktes in der kommunistischen Gesellschaft doch nicht die Notwendigkeit der Rechnungslegung weg. Zur gesellschaftlichen Regelung der Produktion und Verteilung ist ein allgemeiner Maßstab, eine Recheneinheit unerlässlich. Für Marx und Engels, wie bekannt, bildete die in den Produkten enthaltene gesellschaftlich-durchschnittliche Arbeitszeit die Grundlage und Recheneinheit der kommunistischen Wirtschaft (11).

Im Kapitalismus treten die Produktionsmittel (pm) und die Arbeitskraft (a) als constantes (c) und variables (c) Kapital auf. Die Werte c+v können nur solange kapitalisch angewandt werden als sie Mehrwert (m) erzeugen. Die kapitalische Produktionsformeln ist: c + v + m. Nur weil pm + a als c + v auftreten ist est möglich m zu erzielen. Fällt c + v fort, dann fällt auch m und umgekehrt. Was bleibt, ist die konkrete, materielle Form von c + v, d.h. pm + a, Produktionsmittel und Arbeitskraft. Die kommunistische Produktionsformel ist: pm + a.

Die Entwicklung von pm + a vollzieht sich in jeder Gesellschaft, die ist nichts anderes als der „Stoffwechselprozess zwischen Mensch und Natur“. c + v + m ist jedoch an die kapitalistische Gesellschaft gebunden. Bestimmte im Kapitalismus allein das Interesse an m die Entwicklung von c + v, da hier das Verwertungsbedürfnis des Kapitals über die gesellschaftlichen Bedürfnisse dominiert, so bestimmen im Kommunismus allein die gesellschäftlichen Bedürfnisse die Enwicklung von pm + a. c + v + m setzt voraus, dass a (die Arbeitskraft der Produzenten) in v (variables Kapital in den Händen des Besitzers von c (constant Kapital) verwandelt wird; das geschieht, wenn der Kapitalist die Arbeitskraft des Lohnarbeiters kauft. Fällt c + v, so fällt auch dieser Austausch zwischen Besitzern von c und von a. Erst wenn pm niet mehr den Arbeitern als Kapital gegenüber steht, wenn er nur noch ein Werkzeug der Gesellschaft und sonst nichts ist, kann man von einer kommunistischen Wirtschaft sprechen. Die Arbeitszeit als Recheneinheit würde in der kommunistische Wirtschaft eine doppelte Rolle spielen.

Ihre (der Arbeitszeit) planmäßige Verteilung regelt die richtige Proportion der verschiedenen Arbeitsfunktionen zu den verschiedenen Bedürfnissen. Andererseits dient die Arbeitszeit als das Mass des individuellen Anteils des Produzenten an der Gemeinarbeit und daher auch an dem individuellen, verzehrbaren Teil des Gesamtprodukts. Die gesellschaftlichen Beziehung der Menschen zu ihren Arbeiter und Arbeitsprodukten bleiben hier durchsichtig einfach, in der Produktion sowohl als in der Verteilung (12).

In allen gesellschaftlichen Formen muss der Produktionsprozess zugleich ein Reproduktionsprozess sein. Wird die Reproduktion im Kapitalismus durch den Marktmechanismus reguliert, so ist eine im Kommunismus ein geplanter, bewusst von den Produzenten selbst bestimmter Prozess. Ist die kapitalistische Produktion die Wertproduktion, so ist es auch die erweiterte Reproduktion, die sich folglich als Akkumulation des Kapitals volsieht. Die kapitalistischen Verhältnisse werden immer wieder reproduziert. Ist die Arbeitszeit der Maßstab der kommunistischen Produktion, so ist sie es auch für die erweiterte Reproduktion. Auch ohne Markt und ohne Geld muss der Strom der Produktion weiter fliessen, müssen die gesellschaftlichen Produktivkräfte weiter entfaltet werden. Marx differenziert die kapitalistische von der kommunistischen Wirtschaft wie folgt:

„Innerhalb der genossenschaftlichen, auf Gemeingut an Produktionsmitteln gegründeten Gesellschaft, tauschen die Produzenten ihre Produkte nicht aus; ebensowenig erscheint hier die auf Produkte verwandte Arbeit als Wert dieser Produkte, als eine von ihnen besessene sachliche Eigenschaft, da jetzt, im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft die individuellen Arbeiten nicht mehr auf einem Umweg, sondern unmittelbar als Bestandteil der Gesamtarbeit existieren. […] Es herrscht hier offenbar dasselbe Prinzip, das den Warenaustausch regelt, soweit der Austausch ein gleichwertiger ist. Inhalt und Form sind geändert, weil unter den veränderten Umständen niemand etwas geben kann, ausser seiner Arbeit, und weil andererseits nichts in das Eigentum der Einzelnen übergehen kann, ausser individuellen Konsumtionmitteln. Was aber die verteilung der Letzteren unter die Produzenten betrifft, herrscht dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Warenäquivalenten; es wird gleichviel Arbeit in einer Form gegen gleichviel Arbeit in einer anderen Form umgetauscht.“ (13).

Die Produzenten, die Betriebe, die Industrien, die Landwirtschaft (14) überlassen ihre Produkte der Gesellschaft, welche umgekehrt den Produzenten die Produktions- und Lebensmittel zur Verfügung stellt.

Wenn Marx und Engels sich nur an wenigen Stellen, und hier in knappen programmatischen Sätzen über die ökonomische Gesetzmässigkeit der neunen Gesellschaft geäussert haben, so diente diese Zurückhaltung wohl doch nur der Vermeidung eines zürückfallens in die Utopie, da die kapitalistische Entwicklung noch nicht weit genug fortgeschritten war um detaillierte, theoretische Betrachtungen über den Kommunismus zu gestatten. Erst nach der Pariser Kommune werden die Äusserungen Marxens nicht nur über den Karakter der Diktatur des Proletariats, sondern auch über die Fragen kommunistischer Produktion und Verteilung bestimmter, wenn auch jetzt noch von der Ausarbeitung der prinzipiellen Darlegungen abgesehen wird. Sind die Marxschen Beiträge gering, so verzichten seine Epigonen gänzlich darauf, sich mit den Problemen der kommunistischen Gesellschaft näher zu befassen, ja, ein solches Problem existierte nicht für sie, da die revisionistischen wie die „orthodoxen“ Entartungen des Marxismus die Entwicklung zu Markt- und Geldlosen Wirtschaft als einen automatischen Prozess ansahen, den der kapitalismus durch seine Tendenzierung zum „Generalkartell“ selbst vollzog (15). Die Hinweise Marxens auf die Arbeitszeitrechnung, der gesellschaftlich-durchschnittlichen Arbeitsstunde als Grundlage der kommunistischen Wirtschaft fanden in der sozialistischen Litteratur wenig beachtung. Hatten auch Weitling und verschiedene Vertreter der Owenistisch-Chartistischen Period (16) auf die egalitären Konzequenzen der Arbeitswertlehre hingewiesen und monetäre Neuerungen (Arbeitszeitnoten) als Ansätze zur sozialistischen Wirtschaftsweise empfohlen, so blieb doch eine wirklich realistische, theoretisch tiefengreifende Üntersuchung der kommunistischen Wirtschaftsregelung durch den „offiziellen“ Marxismus für lange Zeit vollständig aus. Erst die bürgerliche Kritik (hauptsachlich M. Weber und L. Mises), die sich an der russischen Revolution erregte und sich gegen die allgemein als „marxistisch“ geltende Auffassung wandte, dass die „Nationalisierung, die die Zentralisierung der Verwaltung und die Naturalrechnung mit Hilfe der Statistik“ für die neue Gesellschaftsregelung genüge (17), brachte den „offiziellen“ Marxismus nicht nur in Verlegenheit, sondern zwang seine Theoretiker auch den Fragen der sozialistischen Wirtschaft mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die bürgerliche Kritik bewies, dass eine Wirtschaft ohne Verrechnungsmethode, ohne allgemeinen, den Wert der Produkte messenden Nenner, unmöglich ist, da so jede Planwirtschaft ausgeschlossen soll, argumentierte die bürgerliche Kritik, kann von einer sozialistischen Wirtschaft nicht die Rede sein.

Die Frage nach dem Ersatz des Marktes kann der Marxismus nur negativ beantworten, da er einem solchen „Ersatz“ nicht benötigt. Hatte man jedoch wie der „officielle“ Marxismus, die Notwendigkeit einer Recheneinheit nicht eingesehen, dann musste man sich der bürgerlichen Kritik gegenüber als geschlagen betrachten, denn tatsächlich ist eine Wirtschaft ohne Verrechnungsmethode eine Unmöglichkeit. Und so zogen sich denn auch die „sozialistischen“ Theoretiker zurück und entschlossen sich zur Verewigung des Wertbegriffes, dien sie bis dahin nur als historische Kategorie hatten gelten lassen. So gab man denn zu, dass das heutige Geld als „Wertmaßstab“ für die Buchhaltung und Berechnung der Austauschbeziehungen und als Zirkulationsmittel in der sozialistischen Gesellschaft weiterbestehen müsse. Dieser theoretische Zusammenbruch vor der bürgerliche Kritik hatte denoch eine positive Seite: die Notwendigkeit einer Verrechnung war damit zugegeben.

Abgesehen von theoretisch nicht wertbaren Artikeln, Brochüren und utopistischen Zukunftdarstellungen der syndikalistisch-anarchistischen Strömungen der Arbeiterbewegung, die oft, wenn auch sehr unbestimmt auf die Arbeitszeitrechnung hinwiesen, wurde erst durch die Arbeit Otto Leichters (19) diese Frage wieder ernsthaft aufgenommen. Auf die Studie Leichters baute sich eine andere Arbeit auf, die 1930 in Berlin erschien und welche zum erstenmal auf marxistischer Basis, die Arbeitszeit uneingeschränkt zur Grundlage der kommunistischen Produktion und Verteilung macht und der theoretischen Nachweis zu führen versucht, dass der Anwendung der Arbeitszeitrechnung in der Praxis keine Schwierigkeiten erstehen, ja, dass sie die einzige für den Kommunismus geltende Recheneinheit ist. Der Zusammenbruch der zweiten Internationale, und die sich kapitalistisch vollziehende Industrialisierung Russlands haben beiden Hauptströmungen der heutigen Arbeiterbewegung alle Möglichkeiten genommen, sich mit der Fragen des kommunistischen Aufbauen un der kommunistischen Wirtschaft zu befassen. Es ist nur zu selbstverständlich, dass die ersten ernsthaften theoretischen Auseinandersetzung mit diesem dennoch aktuellen Problem von anderer Seite zu kommen hatten, d.h. von einer neuen revolutionären Bewegung, die sich zu allen Formen den „Staatskapitalismus“ oder „Staatskommunismus“ ablehnend verhält. In Folgenden werden wir versuchen, die Grundlinien der kommunistischen Produktion und Verteilung so wiederzugeben, wie sie von der heutigen Theorie zu Debatte gestellt sind.

III.

Nehmen wir die gesellschaftlich-durchschnittliche Arbeitsstunde zur Recheneinheit der kommunistischen Gesellschaft, so muss sie alle Kategorien der Produktion und Distribution umfassen können. Die Arbeitsstundeneinheit muss den mengenmässigen Verbrauch, die mengenmässige Reproduktion und die mengenmässige Ergänzung der Produktivkräfte erfassen. Jeder Betrieb muss seinen Verbrauch an Arbeitsstunden feststellen, damit sie in gleicher Höhe ersetzt werden können. Die Arbeitsstundenberechnung ist nicht schwierig, da die kapitalistische Selbstkostenrechnung bereits alle Voraussetzungen dafür geschaffen hat. Speziel der kapitalistische Rationalisierungsprozess, wie wir schon sagten, hat rechnerische Methoden entwickelt, die in der Zusammenfassung, wie bis ins kleinste Detail hinein, den Selbstkostenpreis zu erfassen vermögen. Beziehen sich diese Rechenmethoden heute noch auf den Allgemeinen Nenner Geld, so bieten sie doch der Umstellung auf die Arbeitsstunde keinerlei Schwierigkeiten. Von rein technischen Standpunkt ist die Arbeitszeitrechnung eine viel einfachere als die Geldrechnung, da viele, die kapitalistische Kostenrechnung erschwerende Momente, wie z.B. die Einbeziehung der Kreditverzinsung usw. wegfallen. De fachmännische Litteratur selbst zieht die Arbeitszeitrechnung einer Rechnung in Geld vor und es ist unbestreitbar möglich die gesammte verausgabte Arbeitszeit eines Betrieben, eines industriellen Produktionszweiges und auch die des einzelnen Produkts oder Teilprodukts, der in ihr verwandten Arbeitszeit nach, zu erfassen. Auch jene Betriebe (Verwaltung, Unterricht, usw.), die kein fassbaren Produkt erzeugen, können nichtsdestoweniger feststellen, wieviel Arbeitszeit in Form von Produkten sie verbrauchen.

Die Produktionsformel eines jeden Betriebes, wie die der Gesellschaft ist sehr einfach. Wir nannten sie schon: pm + a = Produkt. Mit den Produktionsmitteln erzeugt die menschliche Arbeit eine Menge von Gütern. Wir unterscheiden feste und zurkulierende Produktionsmittel. So erweitern wir unsere Formel dieser Unterscheidung entsprechende:

( pm+r )+a
( Maschinen usw.+Rohmaterial usw. )+Arbeitskraft
( 10 000 Arbeitsstunden+70 000 Arbeitsstunden )+70 000 Arbeitsstunden

Lassen wir diese fiktiven Zahlen für eine Schuhfabrik gelten:

( pm + r ) + a = Produkt
( 10 000 + 70 000 ) + 70 000 = ( 50 000 Paar Schuhe ) in 150 000 Arbeitsstunden

Im durchschnitt erfordert ein paar Schuhe in drei Arbeitsstunden.

In dieser Produktionsformel haben wir zugleich die Reproduktionsformel für die einfache Reproduktion. Wir wissen wieviel Arbeitsstunden zur Produktion von 50 000 paar Schuhen diesem Betrieb entzogen wurden. Dieselbe Menge Arbeitsstunden müssen ihm also wieder zugeführt werden. Was für den einzelnen Betrieb gilt, gilt für die ganze Gesellschaft, die ja nur die Gesamtsumme aller Betriebe ist. Das gesellschaftliche Gesamtprodukt ist das Produkt von ( pm + r + a ) aller Betriebe. Zur Unterscheiding der Produktionsformel der individuellen Betriebe und der der Gesamtgesellschaft wählen wir für letztere grosse Buschstaben. Die Formel für das gesellschaftliche Produkt (g.p.) lautet dann: ( PM + R ) + A = GP. Ist die Summe aller verbrauchten pm in allen Betrieben = 100 Millionen Arbeitsstunden, der von r gleich 600 Millionen, und die verbrauchte Arbeitskraft 600 Millionen, dann lautet das Schema für das Gesamtprodukt: ( PM +R ) + A = GP. Ist die Summe aller verbrauchten pm in allen Betrieben = 100 Millionen Arbeitsstunden, der von r gleich 600 Millionen, und die verbrauchte Arbeitskraft 600 Millionen, dan lautet das Schema für das Gesammtprodukt: ( PM + R ) + A = GP. Aus der Totalproduktion von 1 300 Millionen Arbeitsstunden, bei einfacher Reproduktion, d.h. wenn keine Produktionserweiterung stattfindet, stehen dem Konsum 600 Millionen Arbeitsstunden in Form von Konsumptionsmitteln zur Verfüging.

Die Kenntnis des Konsumtionsfonds besagt noch nicht weiter über dessen Verteilung. Es ist auch hier möglich, die verschiedene Arbei durch verschiedene Anteilnahme an der Konsumgütern auszugleichen. Man kann z.B. einen einfachen Arbeiter für jede geleistete Arbeitsstunde nur die Hälfte einer Arbeitsstunde in Konsumgütern realisieren lassen, wie man andererseits einem Ingenieur für jede geleistete Arbeitsstunde drei in Produkten ausgedrückte Arbeitsstunden anrechnen kann (21). Jedoch, abgesehen von der Tatsache, dass die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräften sich technisch auch in der Vereinfachung des Arbeitsprozesses äussert, und die Gegensätze: manuelle Arbeit – Intellektuelle Arbeit  – sich in einer schon sichtbaren, höheren Einheit auflössen: auch vom gesellschaftlich-ökonomisch Standpunkt fällt die Notwendigkeit antagonistischer Verteilung im Kommunismus fort. Wie der kapitalistische Reproduktionsprozess im Kapitalismus ein individueller ist, so ist auch die Reproduktion der Arbeitskrafte den klassenmässig bestimmten Individuen überlassen. Der Arbeiter erzeugt allgemein immer nur wieder Arbeiter. Die Mittelklasse stelle immer wieder die höheren Berufe. Im Kommunismus ist jedoch die Reproduktion der Arbeitskraft genau wie die des sachlichen Produktionsapparates eine gesellschaftliche Funktion. Nicht mehr die Klassenlage des Individuums bestimmt, sonder die Gesellschaft regelt die Reproduktion der Arbeitskraft bewusst, womit auch die in den ersten Phasen der neuen Gesellschaft eventuell notwendige antogonistische Verteilung fortfällt. Der entwickelte Kommunismus kennt sie nicht mehr.

Die Anwendung der gesellschaftlich-durchschnittlichen Arbeitsstunde als Recheneinheit setzt die Existenz von Betriebsorganisationen (Sowjets) voraus. Jeder Betrieb tritt als selbständige Einheit auf und ist zugleich wie wir später noch zeichen werden, mit allen anderen Betrieben verbunden. Durch die gesellschaftliche Arbeitsteilung hat jeder Betrieb bestimmte Endprodukte. Mit der Produktionsformel: pm + r + a kann jeder Betrieb die in seinen Endprodukten enthaltene Arbeitszeit berechnen. In unserem Beispiel der Schuhfabrik enthielt das Endprodukt – ein paar Schuhe – durchschnittlich drei Arbeitsstunden. Dieser Durchschnitt kan für jedes Produkt in jedem Betrieb gefunden werden. Das Endprodukt eines Betriebes, soweit es nicht für den individuellen Konsum bestimmt ist, geht in einen anderen Betrieb als pm oder als r ein, der wiederum sein Endprodukt in Arbeitsstunden berechnet. Dies gilt für alle Produktionsstätten ohne Rücksicht auf die Grösse oder Art ihrer Produkte.

Haben die einzelnen Betriebe die in ihren Produkten enthaltene durchschnittliche Arbeitszeit festgestellt, so muss noch der gesellschaftliche Durchschnitt gefunden werden. Alle gleichartigen, d.h. dieselben Produkte herstellenden Betriebe, müssen miteinander in Verbindung treten. Aus den einzelnen Betrieben einer bestimmten Industrie in einem gegebenen Territorium wird der Gesamtdurchschnitt gezogen. Kommen, im rohen Beispiel, 100 Schuhfabriken auf einen Durchschnitt von drei Stunden, 100 andere auf einen von zwei Stunden, dann ist der Gesammtdurchschnitt für ein paar Schuhe 2½ Stunden. Die verschiedenen Durchschnitte ergeben sich aus der verschiedenen Produktivität der einzelnen Betriebe. Obwohl dies ein kapitalistisches Erbe ist, und die Produktivitätsdifferenzen langsam verschwinden werden, zo muss inzwischen doch das Manko des einen durch das Plus des anderen Betriebes ausgeglichen werden. Vom Standpunkt der Gesellschaft jedoch gibt es nur die gesellschaftlich-durchschnittliche Produktivität. Die Feststellung der einzelnen Betriebe und Industrien notwendig. Der Gegensatz: Betriebsdurchschnitt ≠ gesellschaftlich-durchschnittliche Arbeitsstunde findet im Produktionskartell seine Aufhebung.

Mit der Entwicklung der Produktivität der Arbeit sinkt die gesellschaftlich-durchschnittliche Arbeitszeit. Ist das so „verbilligte“ Produkt eines der individuellen Konsumtion, dann geht es als solches auch mit reduziertem Durchschnitt in den Konsum ein. Ist es ein Endprodukt, das anderen Betrieben als Produktionsmittel dient, dann sinkt für die beziehenden Betriebe deren Verbrach von pm + r, die Betriebs„kosten“ sinken und damit fällt die durchschnittliche Arbeitszeit für die Endprodukte dieser Betriebe. Der Ausgleichen der hierdurch verursachten Schwankungen ist ein rein technisches Problem, das keine besonderen Schwierigkeiten bietet.

Dient die Arbeitszeit als Massstab für die Produktion, so muss sie sich ebenfalls auf die Verteilung beziehen. Marx zeichnet diese Einheit in sehr einfachen sätzen:

„[…] was der Produzent der Gesellschaft gegeben hat, ist sein individuellen Arbeitsquantum, z.B. der gesellschaftliche Arbeitstagt besteht aus der Summe der individuellen Arbeitsstunden; die individuelle Arbeitszeit des einzelnen Produzenten ist der von ihm gelieferte Teil des gesellschaftlichen Arbeitstages, sein Teil daran. Er erhällt von der Gesellschaft einen Schein, dass er soundsoviel Arbeit geliefert (nach Abzug der Arbeit für die gemeinschaftlichen Fonds) und zieht mit diesem Schein aus dem gesellschaftlichen Vorrat von Konsumptionsmitteln so viel heraus, als gleich viel Arbeit kostet. Dasselbe Quantum Arbeit, das er der Gesellschaft in einer Form gegeben hat, erhält er in der anderen zurück.“ (22)

Die Spezialisierung der Arbeit erzwingt die Verwendung von irgend welchen Anweisungen zure Entnahme der gesellschaftlichen Konsumgüter. Die Produzenten erhalten von diesen Anweisungen so viel, als mit ihren verausgabten Arbeitsstunden übereinstimmt. Wir können diese Anweisungen Arbeitsgeld nennen, obwohl sie kein Geld in kapitalistischen Sinne sind.

„Die Produzenten“, schreibt Marx, „mögen meinetwegen papierne Anweisungen erhalten, wofür sie den gesellschaftlichen Konsumtionsvorräten ein ihrer Arbeitszeit entsprechendes Quantum entziehen. Diese Answeisungen sind kein Geld. Sie zirkulieren nicht.“

Die Arbeiter können jedoch nicht den vollen Ertrag ihrer Arbeit erhalten. Die Arbeitszeit ist nicht das direkte Mass fùr den individuellen zu konsumierenden Teil des gesellschaftlichen Produkts. Dies führt Marx weiter aus:

„Nehmen wir zunächst das Wort „Arbeitsertrag“ im Sinne des Produkts der Arbeit, so ist der genossenschaftliche Arbeitsertrag das gesellschaftliche Gesamtprodukt. Davon ist nun abzuziehen, erstens: Deckung zum Ersatz der verbrauchten Produktionsmittel. Zweitens: Zusätzlicher Teil für Ausdehnung der Produktion. Drittens: Reserve- oder Assekuranzfonds gegen Mißfälle, Störungen durch Naturereignisse etc. Diese Abzüge vom „unverkürzten Arbeitsertrag“ sind eine ökonomische Notwendigkeit, und ihre Größe ist zu bestimmen nach vorhandenen Mitteln und Kräften, zum Teil durch Wahrscheinlichkeitsrechnung, aber sie sind in keiner Weise aus der Gerechtigkeit kalkulierbar. Bleibt der andere Teil des Gesamtprodukts, bestimmt, als Konsumtionsmittel zu dienen. Bevor es zur individuellen Teilung kommt, geht hiervon wieder ab: Erstens: die allgemeine, nicht direkt zur Produktion gehörigen Verwaltungskosten. Dieser Teil wird von vornherein aufs bedeutenste beschränkt im Vergleich zur jetzigen Gesellschaft und vermindert sich im selben Maß, als die neue Gesellschaft sich entwickelt. Zweitens: was zur gemeinschaftlichen Befriedigung von Bedürfnissen bestimmt ist, wie Schulen, Gesundheitsvorrichtungen etc. Dieser Teil wächst von vornherein bedeutend im Vergleich zur jetzigen Gesellschaft und nimmt im selben Maß zu, wie die neue Gesellschaft sich entwickelt. Drittens: Fonds für Arbeitsunfähige etc., kurz, für, was heute zur sog. offiziellen Armenpflege gehört. Erst jetzt kommen wir zu der „Verteilung“, die das Programm, unter Lassalleschem Einfluß, bornierterweise allein ins Auge faßt, nämlich an den Teil der Konsumtionsmittel, der unter die individuellen Produzenten der Genossenschaft verteilt wird. Der „unverkürzte Arbeitsertrag“ hat sich unterderhand bereits in den „verkürzten“ verwandelt, obgleich, was dem Produzenten in seiner Eigenschaft als Privatindividuum entgeht, ihm direkt oder indirekt in seiner Eigenschaft als Gesellschaftsglied zugut kommt.“ (Randglossen).

Die keine fassbaren Güter erzeugenden (kulturelle und soziale Einrichtungen) und doch an der gesellschaftlichen Konsumtion teilnehmenden Institutionen sind als Betriebe zu werten. Ihre Dienste gehen sofort in die Gesellschaft über, Produktion und Verteilung sind hier ein Akt. Bei diesen Betrieben ist das kommunistische Endziel, das „Nehmen nach Bedarf“ bereits verwirklicht, ihre Verteilung richtet sich nach keinem ökonomischen Mass. Wir nennen diese Betriebe: öffentliche, oder Betriebe für allgemeine gesellschaftliche Arbeit (a.g.a.). Wie die verschiedene Produktivität der einzelnen Betriebe, so kompliziert auch die Existenz der a.g.a.-Betriebe die kommunistische Rechnungslegung. Alles, was die öffentliche Betriebe verbrauchen, muss der Gütermasse der produktiven Betrieben entzogen werden.

„Die Gesellschaft schafft durch ihre Produktion Produkte in tausendfacher Form, wobei an diesen Produkten ausgedrückt ist, wieviel gesellschaftlich-durchschnittliche Arbeitsstunden sie bei der Herstellung aufgenommen haben. Aus dieser Produktenmasse erneuern zuerst die produktiven Betriebe ihre Produktionsmittel und Rohmaterialien. Dann nehmen die a.g.a.-Betriebe dasselbe, während der Rest der Produkte von allen Arbeitern konsumiert wird. Damit ist dann das ganze gesellschaftliche Produkt in die Gesellschaft aufgenommen.“ (24).

Greifen wir auf unser Produktionsschema für die Gesammtgesellschaft zurück:

( PM + R ) = Produktenmasse, oder
( 100 + 600 ) + 600 = 1 300 Millionen Arbeitsstunden.

PM und R müssen reproduziert werden, es bleiben von der gesamten Produktenmasse 600 Millionen Arbeitsstunden. Die a.g.a.-Betriebe entnehmen diesen 600 Millionen ihre Produktionsmittel und Rohstoffe. Es ist also notwendig den Totalverbrauch der öffentliche Betriebe zu kennen. Nennen wir die Produktionsmittel für die a.g.a.-Betriebe PMo, die Rohstoffe Ro und die Arbeitskraft Ao, dann fassen wir das Totalbudget für a.g.a.-Betriebe wie folgt zusammen:

( PMo + Ro ) + Ao = Dienste der a.g.a., oder
( 8 Million + 50 Billion ) + 50 Million = 108 Millionen Arbeitsstunden.

Es müssen von den zu konsumierenden 600 Millionen Arbeitsstunden, 58 Millionen für PMo der a.g.a.-Betriebe abgezogen werden. Es bleiben 543 Millionen Arbeitsstunden für die individuelle Konsumprion zur Verfügung. Wir nennen diesen Teil der „Faktor des individuellen Konsums“ (f.i.k.). Die Formel für f.i.k. ist:

A – ( PMo + Ro )
A + Ao

In de Zahlen unseres Beispiels:

F.I.K. = 600 Mln – 58 Mln = 542 Mln = 0.83
600 Mln + 50 Mln 650 Mln

Hat ein Arbeiter 40 Stunden gearbeitet, so erhält er eine Arbeitsgeldanweisung in Höhe von 0,83 / 40 = 33,2, die ihm Güter vermittelt nach seiner Verbrauch an p, r, und a Buch führen. Die allgemeine gesellschaftliche Buchhaltung, die alle Produkte registriert, verfügt über alle Daten, die für die Feststellung des Ausbezahlungsfaktors notwendig sind; d.h. A, PMo, Ro, und Ao, die sich aus der einfachen Summierung im Girokonte ergeben.

In den a.g.a.-Betrieben war das Nehmen nach Bedürfnissen bereits verwirklicht. Mit dem Wachstum des Kommunismus wird dieser Betriebstyp immer mehr ausgedehnt (Lebensmittelfürsorge, Personentransport, Wöhnungsfürsorge, usw.). Je mehr die Gesellschaft in dieser Richtung wächst, je mehr Betriebe sich in a.g.a.-Betriebe verwandeln, desto weniger wird die individuelle Arbeit das Mass für die individuelle Konsumption sein. In dieser Tendenz sind die Entwicklungstendenzen der kommunistischen Gesellschaft zu sehen. „Erste“, sagt Marx,

„[…] in einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit ist, nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnisse geworden ist, nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch die Produktionskräfte gewachsen sind und alle Springquellen des genossenschaftliche Reichtums voller fliessen, – erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahnen schreiben: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“.“ (25).

Mit der Entwicklung des Kommunismus verändert sich die Rechnungslegung für f.i.k. Verschiedene Betriebe, z.B. ein Elektrizitätswerk, Arbeit zum Teil für den individuellen Konsum, zum andern Teil für rein produktive Zwecke. Ist, an unserem Beispiel gesehen, die unentgelliche Belieferung der Konsumenten mit Elektrizität verwicklicht, dann gehört das Elektrizitatswerk einem neuen Betriebstyp an. Für die Rechnungslegung müssen diese gemischte Betriebe entweder den Produktiven, oder den a.g.a.-Betrieben angegliedert werden. Unserem Elektrizitätswerk müssen die in den individuellen Konsum eingehenden, in Arbeitsstunden ausgedrückten Stromlieferungen aus dem f.i.k. zurückerstattet werden. Die Summierung dieser Teile aller gemischten Betriebe ergiebt das von f.i.k. auszugleichende Manko. Nennen wir diesen Teil das allgemeine Manko (m), dan haben wir eine neue Verteilungsformel:

FIK = A – ( PMo + Ro ) – M
A + Ao

Verschiedene Variationen sind hier möglich, je nachdem man die gemischten Betriebe zu den öffentlichen oder den produktiven zählt, oder sie zwischen beiden aufteilt. Aber keine Variation erschwert die Übersicht.

Ist das Verhältnis zwischen Produzent und Produkt festgelegt, so wird aus der Frage der horizontalen und vertikalen Zusammenfassung der Betriebe eine technisch lösbare Frage, die ökonomisch keine Schwierigkeiten bietet.

Wie die Produktion, so ist auch die Verteilung einen gesellschaftliche Frage. Die „Unkosten“ der Verteilung werden in das allgemeine Budget für a.g.a. aufgenommen, d.h. die Verteilungsorganisationen sind Betriebsorganisationen des a.g.a.-Typs, die ebenfalls ihre Berechnungen nach der Formel pm + r + a vornehmen.

Die ewige Frage der bürgerliche Ökonomie, was der Kommunismus anstelle des Marktes setzt, da dieser neben anderen Funktionen auch als Gradmesser der gesellschaftlichen Bedürfnisse auftritt, beantwortet der Kommunismus mit der Errichtung von Verteilungsorganisationen, und deren Entwicklung zu Organen, die imstande sind den individuellen Wünschen kollektiven Ausdruck zu geben. Die Zusammenfassung der Konsumenten in Genossenschaften mit dem direkten Anschluss an den Produktionsorganismus gestattet die völlige Beweglichkeit der Bedürfnisbefriedigung und ihrer Veränderungen.

IV.

Die einfache Reproduktion, die wir bisher in Betracht zogen, ist jedoch nur eine vereinfachende methodische Annahme, die der realen Wirklichkeit nicht entspricht. Der menschliche Fortschritt erfordert die Ausdehnung der Produktivkräfte, der Reproduktionsprozess muss sich auf erweiterter Stufenleiter vollziehen. Im Kapitalismus ist dieser Prozess, als Akkumulationsprozess des Kapitals, die individuelle Funktion der einzelnen kapitalistischen Unternehmen. Im Kommunismus ist er eine gesellschaftliche Funktion. Von gesellschaftliche Produkt wird ein Teil für den weiteren Ausbau des Produktionsapparates verwendet. Soll die erweiterte Reproduktion jedoch eine bewusste Handlung sein, ist es notwendig, die zur einfachen Reproduktion benötigte, gesellschaftliche Arbeitszeit zu kennen. Das Schema für die einfache Reproduktion ist: PM + R + A. Soll der sachliche Produktionsapparat um 10% erweitert werden, so muss eine Produktenmasse von 10% ( PM + R ) dem individuellen entzogen werden. Nach vollzogener „Akkumulation“ verläuft die Produktion nach der Formel: 1,1 ( PM + R ) + A.

Wir haben bereits gezeigt, dass das gesellschaftliche Produkt von der Gesellschaft völlig aufgenommen wird, wenn der individuelle Konsum nach der Formel:

F.I.K. = A – ( PMo + Ro )
A +Ao

verläuft.

Jetzt muss der individuelle Konsum noch um 0,1 ( PM + R ) verringert werden. Bei 10 prozentiger Produktionserweiterung erhalten wir dann die Formel:

F.I.K. = A – 0,1 ( PM + R ) – ( PMo + Ro )
A +Ao

Diese allgemeine Formel ersetzt nicht die konkrete Lösung der Problems in der Wirklichkeit, wir müssen uns im Rahmen dieser Arbeit jedoch damit begnügen und verweisen nur noch auf Marx:

„Denken wir uns die Gesellschaft nicht kapitalistisch, sondern kommunistisch, so fällt zunächst das Geldkapital ganz fort, also auch die Verkleidungen der Transaktionen, die durch dieses hineinkommen. Die Sache reduziert sich einfach darauf, daß die Gesellschaft im voraus berechnen muß, wieviel Arbeit, Produktions- und Lebensmittel sie ohne welchen Abbruch auf Geschäftszweige verwenden kann, die, wie der Bau von Eisenbahnen z.B., für längre Zeit, ein Jahr oder mehr, weder Produktions- noch Lebensmittel der jährlichenGesamtproduktion liefern, aber wohl Arbeit, Produktions- und Lebensmittel der jährlichen Gesamtproduktion entzichen.“ (26).

Halten wir uns an diesen Beispiel. Erweist der Neubau einer Eisenbahn sich als notwendig, so gehört ihre Herstellung dem a.g.a.-Teil der gesellschaftlichen Produktion an. Verbraucht sie z.B. drei Jahre Arbeit in einer bestimmten Höhe von Arbeitsstunden, so zieht man diese Summe jährlich durch die Zurechnung zun konto von Faktor der individuellen Konsumption (f.i.k.) ab.

Für den Verkehr zwischen den Betrieben ist das Arbeitsgeld überflüssig. Wenn ein Betrieb sein Endprodukt abliefert hat er pm + r + a Arbeitsstünden der grossen Kette gesellschaftlicher Teilarbeiten angegliedert. Diese müssen in gleicher Höhe in Form anderer Endprodukte der Betrieben wieder zugeführt werden. Das Arbeitsgeld hat nur für die individuelle Konsumptions Geltung. Mit der fortschreitenden Eingliederung immer neuen Betriebe in die a.g.a.-Produktion, wird die Verteilung mittels des Arbeitsgeldes immer kleiner und drängt zur eigenen Aufhebung. Das Feststellen des Faktors der individuellen Konsumption ist die Aufgabe der gesellschaftlichen Buchhaltung. Im Kredit der gesellschaftlichen Buchhaltung steht A, im Debet PMo, Ro und Ao.

„Die Buchführung als Kontrolle und ideelle Zusammenfassung des Wirtschaftsprozesses“, sagt Marx, „wird umso notwendiger, je mehr der Prozeß auf gesellschaftlicher Stufenleiter vor sich geht und den rein individuellen Charakter verliert; also notwendiger in der kapitalistischen Produktion als in dem zersplitterten Handwerks- und Bauernbetrieben, notwendiger bei gemeinschaftlicher Produktion als bei kapitalistischer.“ (27).

Diese Buchhaltung im Kommunismus ist nur Buchhaltung und sonst nichts. Sie ist der zentrale Punkt des Wirtschaftsprozesses, ohne Macht über die Produzenten, oder die einzelnen Betriebe zu haben. Die gesellschaftliche Buchhaltung ist selbst nur ein Betrieb des a.g.a.-Typs. Ihre Funktionen sind: die Registration des Produktenstroms. Die Feststellung des f.i.k., die Ausgabe des Arbeitszeitgeldes, die Kontrolle über Produktion und Verteilung. Die Kontrolle des Arbeitsprozesses ist eine rein technische, die von jedem Betrieb selbst gehandhabt wird. Die von der gesellschaftlichen Buchführer ausgeübte Kontrolle erstreckt sich nur auf die Verrechnung alle Ein- und Ausgänge der einzelnen Betriebe und der Überwachung ihrer Produktivität.

„Die Kontrolle der Produktion in der Gesellschaft freier und gleicher Produzenten geschieht nicht durch Personen und Instanzen, sondern sie wird geführt durch die öffentliche Registration des Produktionsprozesses, d.h. die Produktion wird durch die Reproduktion kontrolliert.“ (28).

Wir zeigten schon, wie die Produktion nach der gesellschaftlich-durchschnittlichen Arbeitszeit die Kartellierung der gleichartigen Betriebe erfortert. Nennen wir die zu einem Produktionskartell gehörenden Betriebe: 1, 2, 3, …n, und alle zusammen t = total, dann ergibt sich als Gesammtproduktivität:

Betrieb 1=( pm1 + r1 )+a1=X1 kilogram Produkt
Betrieb 2=( pm2 + r2 )+a2=X2 kilogram Produkt
Betrieb 3=( pm3 + r3 )+a3=X3 kilogram Produkt
Betrieb 4=( pm4 + r4 )+a4=X4 kilogram Produkt
Gesamtproduktivität = ( PMt + Rt ) + At = Xt kilogram Produkt

Die gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Produktivitätszeit per kilogram Produkt ist dan:

( PMt + Rt ) + At
Xt kilogram Produkt

Die gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Produktionszeit gilt als Produktivitätseinheit, und aus den Abweichungen der einzelnen Betriebe von der gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Produktionszeit ergeben sich die Feststellungen ihrer Produktivität und die Möglichkeit der Kontrollierung derselben. Man stellt zugleich die Rationalität der einzelnen Produktionsverfahren fest. Die gesellschaftlich durchschnittliche (g.d.) Produktionszeit ist der Kontrolleur der Produktionsgenossenschaft.

Die einzelnen Betriebsorganisationen reichen dem Betrieb für die gesellschaftliche Buchhaltung ihre Produktionsbudgets ein. Aus allen Produktionsbudgets ergibt sich das gesamte Inventar. Den Betrieben fliessen Produkte in einer Form zu, neue in anderer Form werden von ihnen ausgegeben. Jede Güterübertragung findet in der allgemeinen gesellschaftlichen Buchhaltung durch Giro inhre Registrierung, wodurch man zu jeder Zeit einen Überblick über Debet und Kredit der Betriebe hat. Alles was als Produktionsmittel, Rohstoff oder Arbeitsgeld von einem Betrieb konsumiert wird, erscheint im Debet des Betriebes; was er der Gesellschaft an Produkten übertrug, erscheint als Kredit. Als ein durchlaufender Strom müssen diese zwei einander decken, was anzeigt ob und wieweit die Produktion glatt verläuft. Manko und überschuss der Betriebe wirden sichtbar, und können revidiert werden. Der Reproduktionsprozess wird zum Kontrolleur der Produktion.

Kann ein Betrieb seine Produktivität nicht beibehalten, sinkt sie, dann können die Betriebe, selbst wenn sie über die gesellschaftlich durchschittliche (g.d.) Produktionszeit hinaus produzieren, doch nicht das Manko des ersten Betriebes decken. Der unproduktive Betrieb kann sich nicht reproduzieren, die Stòrung wird sichtbar und kann von der Gesellschaft behoben werden. Die Kontrolle der a.g.a./Betriebe läuft zum Teil mit der der produktiven Betriebe parallel. Sie ergibt sich aus der sachlichen Produktion, durch die Registrierung der Güterübertragung und die Aufnahme des Arbeitsgeldes. Das Produkt der a.g.a.-Betriebe geht jedoch „unentgeldlich“ in die Gesellschaft ein, so fehlt in den a.g.a.-Betrieben der Kre- [?]faktor un ihrer Buchhaltung. Die Kontrolle ihrer Produktivität wird wahrscheinlich nur durch vergleichende Untersuchungen möglich sein.

Ist die Kategorie gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Arbeitszeit im Kapitalismus vom „Wert“ bestimmt, so im Kommunismus nur im Sinne der Güter-schaffenden Arbeit. Muss weiterhin im Kapitalismus die gesellschaftliche Produktivität vom Markt reguliert, womit sich eine riesige Verschwendung der gesellschaftlichen Produktivkräfte verbindert, so ist die Herabsetzung der gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Produktionszeit im Kommunismus eine bewusste, gesellschaftlich geregelte Handlung. Sie führt zu einem allgemeinen Sinken der Reproduktionszeiten. Hat z.B. ein Betrieb seine Produktionsmittel auf 100 000 Arbeitsstunden berechnet und wird angenommen, dass diese eine 10 jährliche Lebensdauer haben, dann sind jährlich 10 000 Arbeitsstunden den Produkten dieses Betriebes zuzurechnen. Sinkt die gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Reproduktionszeit der in diesem Betrieb verwandten Produktionsmittel, dann kann er sich bei seiner Reproduktion bessere, oder mehr Maschinen anschaffen, wodurch sich seine Produktivität erhöht, was praktisch die Erweiterung des Produktionsapparates ohne Aufwand von Extraarbeit bedeutet. Die Produktionszeit wird für diesen Betrieb verändert. Da die gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Reproduktionszeit eingehalten wird, wechselt nur der Produktivitätsfaktor dieses Betriebes. Die gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Produktionszeit des Kartells dem der Betrieb angeschlossen ist, bleibt immer die der gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Reproduktionszeit, da auch die Produktionsmittel im ununterbrochenen Strom durch die Betriebe gehen. Die niedrigsten gesellschaftlichen Reproduktionszeiten verschmelzen immer wieder in Produktionsprozess zur gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Reproduktionszeit. Zusammenfassend kan man sagen:

„Grundlage der g.d.R. [gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.) Reproduktionszeit] ist die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitsstunde. Diese Kategorie hat auch im Kapitalismus schon Gültigkeit. Die individuellen Verschiedenheiten finden auch jetzt keinen Ausdruck in der Ware, denn auf dem Markt wird das Produkt umgetauscht in Geld, d.h. verwandelt in die allgemeine Ware, welche alle individuellen Verschiedenheiten aufhebt. Im Kommunismus ist es die g.d.R. [gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.], welche alle individuellen Verschiedenheiten von langsamen und routinierten Arbeitern, von Fähigen und weniger Fähigen, von Hand- und Kopfarbeit in sich schließt. Die g.d.R. [(gesellschaftlich-durchschnittliche (g.d.)] ist also etwas, was als solches, als etwas Besonderes nicht existiert. Gleich den Naturgesetzen, welche nur das Allgemeine aus den besonderen Erscheinungen hervorbringen, ohne als solche zu existieren, verkörpert die g.d. [gesellschaftlich-durchschnittliche] Arbeitsstunde, die in concreto kein Dasein führt, das Allgemeine aus der ungeheuren Verschiedenheit im gesellschaftlichen Stoffwechsel.“

Anmerkungen

1. Die Kategorie Gebrauchswert konstitueert die Wirtschaft überhaupt. Der Tauschwert gibt der Wirtschaft nur eine bestimmte historische Form. Gebrauchswerte-Güter gibt est in jeder Wirtschaft, der Tausch-Wert gilt nur für die kapitalistische Gesellschaft. Die Kategorie „Wert“ gilt nur für das Reich des Seins. Hier regelt sich das Austauschverhältnis der Waren nach der in ihnen enthaltenen gesellschaftlich-durchschnittlichen Arbeitszeit. Im Reich der Erscheinung ist das Tauschverhältnis in Preisen ausgedrückt, wie auch der Mehrwert in der Erscheinungsform als Profit und, unter dem Einfluss der Konkurrenz, als Durchschnittsprofit auftritt.

2. „Die jedesmalige Verteilung der Konsumtionsartikel ist nur Folge der Verteilung der Produktionsbedingungen selbst. Letztere Verteilung aber ist ein Karakter der Produktionsweise selbst. Letztere Verteilung aber ist ein Karakter der Produktionsweise selbst. Die kapitalistische Produktionsweise z.B. beruht darauf, dass die sachlichen Produktionsbedingungen Nichtarbeitern zugeteilt sind unter der Form von Kapitaleigentum und Grundeigentum, während die Masse nur Eigentümer der persöhnlichen Produktionsbedingungen, der Arbeitskraft ist. Sind die Elemente der Produktion derart verteilt, so ergibt sich von selbst die heutige Verteilung der Konsumptionsmittel.“ (K. Marx, Zur Kritik des sozialdemokratischen Parteiprogramms 1875, Randglossen, S. 27-28.)

3. Wenn sich Russland auch die u.s.s.r. nennt, so haben die Sowjets doch keine praktische Bedeutung mehr. Sie sind nunmehr in Russland das, was die „Demokratie“ in den alten kapitalistischen Staaten ist; Schein, nicht Wirklichkeit.

4. Von diesem Standpunkt aus können wir hier von der, in Verbindung mit der u.s.s.r. viel umstrittenen Frage nach der „Möglichkeit des Sozialismus in einem Lande“ völlig absehen.

5. Hat der Staatsapparat die Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel und damit über die Produkte, dann hat er auch zugleich die politische Gewalt, um seine Anordnüngen, wenn nörig gegen den Willen der Gesellschaft, durchzusetzen.

6. „Der lokale Warenaustausch hat sich zum Allrussische Austausch erweitert. Man musste die Industrie an diese Formen (des Austausches) anpassen, und der Inhalt dieser Formen war die Auferstehung der Geldwirtschaft, d.h. die völlige Negation derjenigen Prinzipien, nach denen wir die Industrie bis zu diesem Zeitpunkte (Einführung der n.e.p.. geleitet hatten). Vorher waren wir auf Vernichtung des Geldes ausgegangen, jetzt müssen wir uns der Geldwirtschaft anpassen.“ (Smilga, Der Wiederaufbauprozess, Moskau, 1927, S. 53).

7. K. Kautsky, Die proletarische Revolution und ihr Programm, Berlin, 1922, S. 32.

8. Es ist hier weder unsere Absicht noch Aufgabe, die diversen Planungs- und Sozialisierungstheorien, oder die russisch „staatskapitalistische“ Praxis zu analisieren. Wir senden diese unzureichenden Bemerkungen unseren Ausführungen nur voraus, um uns von vornherein von den bisher als „sozialistisch“ geltenden Wirtschaftsauffassungen zu distanzieren.

9. F. Borkenau, Der Übergang vom feudalen zum bürgerlichen Weltbild, Paris : Librairie Fëlix Alcan, 1934, S. 9-10.

10. O. Leichter, Die Wirtschaftsordnung in der sozialistischen Gesellschaft, Wien, 1923, S. 22-23.

11. „Die Gesellschaft kann einfach berechnen wieviel Arbeitsstunden in einer Dampfmaschine, einem Hectoliter Weizen der letzten Ernte usw. stecken. Es kann ihr also nicht einfallen, die in den Produkten niedergelegten Arbeitsquanten, die sie alsdann absolut und direkt kennt, noch fernerhin in einem nur relativen, schwankenden, unzulänglichen, früher als Notbehelf unvermeidlichen Mass, in einem dritten Produkt [Geld] auszudrücken, und nicht in ihrem natürlichen, angemessenen absoluten Mass der Zeit […] Die Gesellschaft schreibt also unter obiger Voraussetzung den Produkten auch keinen Wert zu. Allerdings wird auch dann die Gesellschaft wissen müssen, wieviel Arbeit jeder Gebrauchsgegenstand zu seiner Herstellung bedarf.“ (F. Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, Stuttgart, 1910, S. 335 [m.e.w., Bd. 20, S. 288].

12. K. Marx, Das Kapital, !. Band (Dritte Auflage), S. 48.

13. K. Marx, Randglossen, Internationaler Arbeitsverlag, 1930, S. 24-26.

14. Wir sehen in dieser flüchtigen Skizze davon ab, die Frage der Einbeziehung der noch rückständigen Landwirtschaft in die kommunistische Produktion und Verteilung in Betracht zu ziehen. Wir nehmen, trotz der Gewissheit dass es anders ist, hier an, dass sich die Landwirtschaft ohne Widerstand in die kommunistische Wirtschaft eingliedert und kein neues Problem ersteht. Die Vergesellschaftung der Landwirtschaft erblicken wir nicht nur in der fortschreitenden Industrialisierung derselben, sondern vielmehr in der sich immer mehr vollziehenden Spezialisierung ihrer Produktion. Die völlige Vergesellschaftung der Landwirtschaft ist letzten endes eine Machtfrage, die die Beherrschung der industriellen Produktion durch die Produzenten voraussetzt. Ist dies der Fall, dann ist auch die Durchführung der kommunistischen Wirtschaft in der Landwirtschaft gesichert.

15. So schreibt R. Hilferding nach der Betrachtung der Konzequenzen der kapitalistischen Konzentration, welche die ganze Wirtschaft, seiner Auffassung nach, in einem Riesentrust, dem „Generalkartel“, zusammenfasst folgendes: „Die ganze kapitalistische Produktion wird bewusst geregelt von einer Instanz, die das Ausmass der Produktion in allen Sphären best[?] […] Das Kartell verteilt das Produkt […] Von der Neuproduktion wird ein Teil auf die Arbeiterklasse und die Intellektuellen verteilt, der andere fällt dem Kartell zu, zu beliebiger Verwendung. Est ist die bewusst geregelte Gesellschaft in antagonistischer Form. Aber dieser Antagonismus ist Antagonismus der Verteilung. Die Verteilungt selbst ist bewusst geregelt und damit die Notwendigkeit des Geldes vorüber.“ (Das Finanzkapital, Ausgabe, 1927, S. 295, Wien).

16. John Gray und J.T. Bray.

17. „Die Lehre von der sozialistischen Wirtschaft kennt nur einen einzigen Wirtschafter, die Gesellschaft, welcher ohne Gewinn- und Verlustrechnung, ohne Zirkulation eines Geldes, sei es nun Metallgeld oder Arbeitsgeld auf Grund eines Wirtschaftsplanes, ohne Zugrundelegung einer Recheneinheid (!) die Produktion organisiert und die Lebenslagen nach sozialistischen Gründsätzen verteilt“ (O. Neurath, Wirtschaftsplan und Naturalrechnung, S. 84.

18. K. Kautsky, Die proletarische Revolution und ihr Program, S. 318.

19. Otto Leichter, Die Wirtschaftsrechnung in der sozialistischen Gesellschaft, Wien, 1923. Trotz der Arbeitszeitrechnung, zu der Leichter sich bekennt, hält er, wie Kautsky, Neurath, Hilferding etc., die Zentralissierung der Verfügungsgewalt über die Produkte für angebracht. Seine Arbeitszeitrechnung gilt allein für die Produktion, sie steht in keiner Beziehung zur Verteilung, da hier die Höheren Verwaltungsinstanzen die individuellen Konsumptionsanteile auf der Grundlage der Ernährungsphysiologie berechnen und verteilen.

20. Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung, Kollektivarbeit der Gruppe Internationaler Kommuniste (Holland), Neuer Arbeiter Verlag, Berlin.
Die uns auferlegte Raumbeschränkung erlaubt uns nicht, den Inhalt dieser so wichtigen Arbeit voll auszuschöpfen, oder sie kritisch zu analisieren.
Es ist nur unsere Absicht, die Aufmerksamkeit auf die in ihr festgelegten Gesichtspunkte zu lenken, die allen bisherigen gegenüber durch ihre konsequente Zuendeführung der Marxschen Forderung nach der Arbeitszeitrechnung, diesem Problem am besten gerecht werden.

21. Das Resultat dieser antagonischen Verteilung wird natürlich der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen sein. Est ist jedoch in den ersten Phasen der kommunistischen Gesellschaft vieleicht noch notwendig, die Verteilung der Verschiedenheit der Arbeit anzupassen. Wie dem auch sei, wir wollen hier nur sagen, dass die Arbeitszeitrechnung einer solchen Prozedur keine Schwierigheiten bieten würde.

22. K. Marx, Randglossen, S. 25.

23. K. Marx, Das Kapital, 2. Band, S. 331. So schreibt Marx weiterhin über das Owen’sche Arbeitsgeld: „est ist ebensowenig Geld wie eine Theatermarke. Das Arbeitszertivikat konstatiert nur den individuellen Anteil des Produzenten an der Gemeinarbeit und seinen individuellen Anspruch des zur Konsumption bestimmten Teils des Gesamtprodukts.“ (Kapital, Bd. I, Fussnote 50).

24. Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung, S. 66.

25. K. Marx, Randglossen, S. 27.

26. K. Marx, Das Kapital, 2. Band, S. 287-288 [m.e.w., Bd. 24, S. 316-317].

27. K. Marx, Das Kapital, 2. Band, S. 105.

28. Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung, S. 99.

29. Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung, S. 112.


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Compiled by Vico, 26 March 2020; latest additions 10 April 2020



















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