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Antonie Pannekoek Archives
 

Die „terroristische“ Tendenz: Karl Plättner (1893-1945) und Max Hölz (1889-1933)



Halle, 1919

Quelle: Nicht bekannt


de | Motto: Bürgerlicher und Proletarischer Terrorismus

 Es ist ein großer Unterschied zwischen dem realen Terrorismus der bürgerlichen Revolutionen, die geschlichtet wurde mit Axt, Stropp und Guillotine, begleitet von sehr „kriegerische“ und auch blutrünstige Rhetorik, und die angebliche Terrorismus während proletarischen Aufstände: Karl Plättner und Max Hölz beschlagnahmten im Notstand von der Reichen und verteilten unter den Armen, während nicht ein einzelnes Leben durch ihre Handlungen genommen wurde. Das Proletariat kann durch Mitgefühl und Solidarität, Scham und Empörung aufgefordert werden, aber nicht von Hass oder Rache.

„Ach! Meine besten Freunde, wenn Sie gut der Eitelkeit kennen würde und den Wahnsinn der Fehler die Sie unter dem Vorwand der Religion gelehrt werden, und wenn Sie damit vertraut wäre wie viel und wie sehr unwürdig Missbrauch gemacht wird von der Autorität die ihnen unrechtmäßig entnommen ist unter dem Vorwand Sie zu regieren, denn hatte Sie zweifellos nichts als Verachtung für alles was wir erwartet werden zu verehren und respektieren, und Sie würde nichts als Hass und Empörung kennen für all diejenigen, die Missbrauch von Sie machen und Sie so schlecht regieren und Sie in solche unwürdigen Art und Weise behandeln. Diesbezüglich erinnere ich mich an einen Wunsch, die eines Tages geäußert wurde von einem Mann, der weder Wissenschaft noch Studium kannte, die aber, offenbar, verfügte über eine angemessene Einsicht um alle diese schrecklichen Missbrauchen und all diese schrecklichen Tyranneien, die ich hier bloßstelle, in einer vernünftige Art und Weise zu beurteilen. Von seinem Wunsch, und die Art und Weise in der er sich ausdrückte, stellte es hinaus, er hatte eine ziemlich breiten Blick und dass er weit durchdrungen war in dieser abscheulichen Geheimnis der großen Ungerechtigkeit, die ich bereits nannte, da er sehr zu Recht die Verantwortlichen und die Anstifter gewahr werde. Er wünschte, dass alle Großen der Erde und alle Adligen gehängt oder erwürgt werden mit den Eingeweiden der Priester. Dieser Ausdruck scheint sehr rau, kurs und verletzend, dennoch muss man zugeben, dass es einfach ist und ungeniert. Es ist kurz, dennoch ist es aufschlussreich, da es klar und in wenigen Worten zum Ausdruck bringt, was diese Art von Leute schließlich verdienen würde.“
Mémoire ; Extraits  / Curé Jean Meslier  [1664-1729]. – Paris : Exils, 2000. – p. 42-43

„Und lass uns mit das letzten Pfaffen Darm
Der letzte König erdrosseln.“
(Denis Diderot, Dithyrambe sur la Fête des Rois, ca. 1780)

Aufruf!
Diktatur des Proletariats!
Wir haben mit unseren roten Truppen den Ort besetzt und verhängen hiermit das proletarische Standrecht, das heißt, das
jeder Bürger erschossen wird,
der sich nicht den Anordnungen der militärischen Oberleitung fügt.
Im selben Augenblick, wo uns gemeldet wird, das Sipo oder Reichswehr in Anmarche ist, werden wir sofort
die ganze Stadt anzünden und die Bourgeoisie abschlachten,
ohne Unterschied des Geschlechtes und Alters (*). Solange keine Sipo oder Reichwehr anrücken, werden wir das Leben der Bürger und ihre Häuser schonen.
Alle Waffen, Hieb- und Stichwaffen, Schießwaffen aller Art, müssen sofort an die militärische Oberleitung abgegeben werden. Bei wem durch Haussuchung noch Waffen gefunden werden, wird auf der Stelle erschossen. Alle Autos, Personen- und Lastwagen, müssen sofort zur militärischen Oberleitung gebracht werden. Geschieht dies nicht, so werden die Betreffenden erschossen.
Militarische Oberleitung
Max Hölz“
Transkription 21. Februar 2017
=====
*. Eine Verweisung nach die Repression am Ende der Kommune von Paris von 1871: „Um ein Seitenstück zu finden für das Benehmen des Thiers und seiner Bluthunde, müssen wir zurückgehn zu den Zeiten des Sulla und der beiden römischen Triumvirate. Dieselbe massenweise Schlächterei bei kaltem Blut; dieselbe Mißachtung, beim Morden, von Alter und Geschlecht; dasselbe System, Gefangne zu martern; dieselben Ächtungen, aber diesmal gegen eine ganze Klasse; dieselbe wilde Jagd nach den versteckten Führern, damit auch nicht einer entkomme; dieselbe Angeberei gegen politische und Privatfeinde; dieselbe Gleichgültigkeit bei der Niedermetzlung von dem Kampf ganz fremden Leuten. Nur der eine Unterschied ist da, daß die Römer noch keine Mitrailleusen hatten, um die Geächteten schockweise abzutun, und daß sie nicht „in ihren Händen das Gesetz“ trugen, noch auf ihren Lippen den Ruf der „Zivilisation“.“ (Der Bürgerkrieg in Frankreich / Karl Marx, IV, 1871).

en | Motto: Bourgeois and Proletarian Terrorism

 There is a huge contrast between the real terrorism of the bourgeois revolutions which were concluded by axe, rope and guillotine, accompanied by very “bellingerent” and also bloodthursty retoric, and the alleged terrorism during proletarian insurrections: Karl Plättner and Max Hölz confiscated from the rich during an emergency and distributed among the poor while not a single life was taken by their actions. The proletariat might be urged by compassion and solidarity, shame and indignation, but not by hate or revenge.

The “fine morals” of the Enlightment and the bourgeois revolution in relation to nobles and priests
“Ah! my best Friends, if You would be well acquainted with the Vanity and the Madness of the Mistakes which are taught to You under the pretext of Religion, and if You would be acquainted with how much Injustice and how unworthily Abuse is being made of the Authority which is an unlawful Usurpation under the Pretext of Governing You, You would certainly have nothing but Contempt for everything one makes You Adorn and Respect, and You would have nothing but Hate and Indignation for all those which make Abuse of You and whom Govern You so badly en treat You in such an unworthy manner. Appropriately, I remember a Wish which was one day expressed by a Man, who knew neither Science nor Study, but who, apparently, disposed of a reasonable Insight to Judge all these horrible Abuses and all these terrible Tyrannies which I blame here, in a sensible manner. From his Wish, and the manner in which he expressed himself, it appeared that he had a quite broad View and that he permeated far into this abominable Secret of the great Injustice which I already mentioned, as he descried very justly those Responsible and the Instigators. He wished, that all the Great of the Earth and all Nobles would be Hanged or Strangled with the Bowels of the Priests. This Expression might seem very rough, course and grieving, yet one would have to admit that it is Straightforward and Uninhibited. It is short, yet it is revealing as it expresses clearly and in few words what this kind of folk finally would merit.”
Mémoire ; Extraits  / Curé Jean Meslier  [1664-1729]. – Paris : Exils, 2000. – p. 42-43

“And with the bowels of the last priest
Let us strangle the last king.”
(Denis Diderot, Dithyrambe sur la Fête des Rois, ca. 1780)

Appeal!
Dictatorship of the Proletariat!

We have occupied the surroundings with our red Troops and establish hereby the proletarian summary, that is to say that
every bourgeois will be shot,
which do not abide to the orders of the Supreme Military Authority.
Wenn we are informed that the Security Police or Imperial Army approach, we will immediately
set alight the whole city and slaughter the bourgeoisie,
without distinction of age or sex (**). As long as no Security Police or Imperial Armee approach, we will spare the lifes of the bourgeois and their houses.
All weapons, melee or stabbing weapons, firearms of all sorts, must immediately be rendered to the Supreme Military Authority. With whom by domiciliary visit weapons will be encountered will be shot on site. All cars, passenger en freight wagons, must immediately be brought to the Supreme Military Authority. If this does not happen, those concerned will be shot.
The Supreme military Authority
Max Hölz”
=====
**. A reference to the repression at the end of the Paris’ Commune of 1871: “To find a parallel for the conduct of Thiers and his bloodhounds we must go back to the times of Sulla and the two Triumvirates of Rome. The same wholesale slaughter in cold blood; the same disregard, in massacre, of age and sex, the same system of torturing prisoners; the same proscriptions, but this time of a whole class; the same savage hunt after concealed leaders, lest one might escape; the same denunciations of political and private enemies; the same indifference for the butchery of entire strangers to the feud. There is but this difference: that the Romans had no mitrailleuses for the despatch, in the lump, of the proscribed, and that they had not “the law in their hands,” nor on their lips the cry of “civilization.”” (The Civil War in France / Karl Marx, The Third Adress, 1871)

fr | Motto: Le terrorisme bourgeois et prolétarien

 Il y a un contraste énorme entre le véritable terrorisme des révolutions bourgeoises qui se concluait pas la hache, la corde et la guillotine, accompagnés d’une rhétorique tout à fait « martiale » et sanguinaire, et le prétendu terrorisme au cours des soulèvements prolétariens : Karl Plättner et Max Hölz confisquaient les biens des riches et les distribuaient aux pauvres alors qu’aucune vie humaine n’était mis en cause dans leurs actions. Le proletariat pourrait être animé par la compassion, la solidarité, la honte et l’indignation, mais pas par la haine ou la vengeance.

Les « bonnes mœurs » du Siècle des Lumières et de la révolution bourgeoise face aux nobles et aux prêtres
« Ah ! mes chers amis, si vous connaissiez bien la vanité et la folie des erreurs dont on vous entretient sous prétexte de religion, et si vous connaissiez combien injustement et combien indignement on abuse de l’autorité que l’on a usurpée sur vous sous prétexte de vous gouverner, vous n’auriez certainement que du mépris pour tout ce que l’on vous fait adorer et respecter, et vous n’auriez que de la haine et de l’indignation pour tous ceux qui vous abusent et qui vous gouvernent si mal et qui vous traitent si indignement. Il me souvient à ce sujet d’un souhait que faisait autrefois un homme, qui n’avait ni science ni étude mais qui, selon les apparences, ne manquait pas de bon sens pour juger sainement de tous ces détestables abus et de toutes les détestables tyrannies que je blâme ici. Il paraît par son souhait et par sa manière d’exprimer sa pensée qu’il voyait assez loin et qu’il pénétrait assez avant dans ce détestable mystère d’iniquité dont je viens de parler, puisqu’il en reconnaissait si bien les auteurs et les fauteurs. Il souhaitait que tous les grands de la Terre et que tous les nobles fussent pendus et étranglés avec les boyaux des prêtres. Cette expression ne doit pas manquer de paraître rude, grossière et choquante, mais il faut avouer qu’elle est franche et naïve. Elle est courte, mais elle est expressive puisqu’elle exprime assez en peu de mots tout ce que ces sortes de gens-là mériteraient. »
Mémoire ; Extraits  / Curé Jean Meslier  [1664-1729]. – Paris : Exils, 2000. – p. 42-43

« Et des boyaux du dernier prêtre
Serrons le cou du dernier roi. »
(Denis Diderot, Dithyrambe sur la Fête des Rois, ca. 1780)

« Appel!
Dictature du prolétariat!

Nous avons occupé les environs avec nos Troupes rouges et avons institué la présente loi martiale prolétarienne, ce qui implique que
sera abattu tout bourgeois,
qui ne respecte pas les ordres de l’Autorité Militaire Suprême.
Dès que nous seront informés du fait que la Police de Sécurité ou l’Armée impériale se rapprochent
nous incendierons sans délai toute la ville et abattrons la bourgeoisie,
sans distinction du sexe ou de l’âge (). Tant que la Police de Sécurité ou l’Armée impériale ne se rapprochent pas, nous épargnerons la vie des bourgeois ainsi que leurs maisons.
Toutes les armes, armes de corps à corps ou armes blanches, armes à feu de toutes sortes, doivent immédiatement être remises à l’Autorité Militaire Suprême. Seront abattus sur place, tous ceux chez qui l'on découvrira, lors d'une perquisition, des armes. Toutes les voitures, véhicules pour transport de personnes ou de marchandises, doivent immédiatement être transférées à l’Autorité Militaire Suprême. Si cela n’est pas fait, les personnes concernées seront abattues.
L’Autorité Militaire Suprême
Max Holz »
=====
†. Un renvoi à la répression à la fin de la Commune de Paris de 1871: « Pour trouver un parallèle à la conduite de Thiers et de ses chiens, il nous faut remonter aux temps de Sylla et des deux triumvirats de Rome. Même carnage en masse, exécuté de sang-froid, même insouciance dans le massacre, de l’âge et du sexe; même système de torturer les prisonniers mêmes proscriptions, mais cette fois d’une classe entière même chasse sauvage aux chefs qui se cachent, de peur qu'un seul puisse échapper; mêmes dénonciations d’ennemis politiques et privés; même indifférence envers le carnage de gens entièrement étrangers à la lutte. Il n’y a que cette seule différence : les Romains n’avaient pas encore de mitrailleuses pour expédier en bloc les proscrits, et ils n’avaient pas « la loi à la main », ni, sur les lèvres, le mot d'ordre de « civilisation ».» (La guerre civile en France / Karl Marx, 4, 1871)

nl | Motto: Burgerlijk en proletarisch terrorisme

 Er bestaat een zeer groot contrast tussen het daadwerkelijke terrorisme van de burgerlijke revoluties die beslecht werden met bijl, strop en guillotine, vergezeld van heel “krijgshaftige” en ook bloeddorstige retoriek, en het veronderstelde terrorisme tijdens proletarische opstanden: Karl Plättner en Max Hölz namen in beslag bij de rijken tijdens een noodtoestand en verdeelden het onder de armen terwijl er bij hun acties geen enkele dode viel. Het proletariaat kan worden geleid door medeleven, solidariteit, schaamte en verontwaardiging, maar niet door haat of wraak.

De “goede zeden” van de Verlichting en de burgerlijke revolutie ten opzichte van edelen en priesters
“Ach!, mijn beste vrienden, als U de ijdelheid en de waanzin zoudt kennen van de misvattingen die U onder het voorwendsel van religie worden voorgehouden, en als U zoudt weten hoeveel en hoezeer er onwaardig misbruik wordt gemaakt van de autoriteit die wederrechtelijk van U in bezit is genomen onder het voorwendsel van U te regeren, dan zoudt U ongetwijfeld niets dan misprijzen hebben voor alles wat we geacht worden te aanbidden en te eerbiedigen, en U zoudt niets dan haat en verontwaardiging kennen voor al degenen die misbruik van U maken en die U zo slecht regeren en U zo onwaardig behandelen. Desbetreffend herinner ik me een wens die ooit werd geuit door een man, die noch wetenschap noch studie kende, maar die, klaarblijkelijk, beschikte over redelijk inzicht om al deze afschuwelijke misbruiken en al de afschuwelijke tiranniën die ik hier blameer op een verstandige wijze te beoordelen. Er bleek uit zijn wens, en de manier waarop hij zich uitdrukte, dat hij tamelijk breed zag en dat hij ver doordrong in dit afschuwelijke geheim van het grote onrecht waarover ik al sprak, want hij ontwaardde heel juist de verantwoordelijken en de aanstichters. Hij wenste dat alle groten der Aarde en alle edelen zouden worden opgehangen en gewurgt met de darmen van de priesters. Deze uitdrukking zal ongetwijfeld erg ruw lijken, grof en kwetsend, maar er moet worden toegegeven dat zij openhartig en onbevangen is. Zij is kort, maar zij is veelzeggend omdat zij duidelijk en in weinig woorden tot uitdrukking brengt wat dat soort van lui eigenlijk zou verdienen.”
Mémoire ; Extraits  / Curé Jean Meslier  [1664-1729]. – Paris : Exils, 2000. – p. 42-43

“En laten we met de darmen van de laatste priester
De laatste koning wurgen.”
(Denis Diderot, Dithyrambe sur la Fête des Rois, ca. 1780)

Oproep!
Dictatuur van het proletariaat!

We hebben met onze rode troepen de omgeving bezet en stellen bij deze het proletarische standrecht in werking, dat wil zeggen dat
iedere burger wordt neergeschoten,
die zich niet houdt aan de bevelen van het Militaire Hoofdgezag.
Wanneer ons gemeld wordt dat de Veiligheidspolitie of het Rijksleger in aantocht is, dan zullen we onmiddelijk
de hele stad in brand steken en de bourgeoisie afslachten,
zonder onderscheid van geslacht of leeftijd (). Zolang er geen Veiligheidspolitie of Rijksleger aanrukt, sparen we het leven van de burgers en hun huizen.
Alle wapens, slag- en steekwapens, vuurwapens van alle soort, dienen onmiddellijk bij het Militaire Hoofdgezag te worden ingeleverd. Bij wie door huiszoeking nog wapens worden aangetoffen zal ter plekke worden neergeschoten. Alle auto’s, personen- en lastwagens, dienen onmiddellijk naar het Militaire Hoofdgezag te worden overgebracht. Gebeurt dit niet, dan worden de in aanmerking komenden neergeschoten.
Het Militaire Hoofdgezag
Max Hölz”
=====
‡. Een verwijzing naar de repressie aan het einde van de Commune van Parijs de 1871: “Om een tegenhanger voor het gedrag van Thiers en zijn bloedhonden te vinden, moeten wij teruggaan tot de tijden van Sulla en van de twee Romeinse driemanschappen. Dezelfde massaslachting in koelen bloede; bij het moorden dezelfde minachting voor leeftijd en geslacht; hetzelfde systeem van marteling van de gevangenen; dezelfde vogelvrijverklaringen, maar thans tegen een gehele klasse; dezelfde woeste jacht naar de verborgen gehouden leiders, omdat [opdat] er ook niet één zou ontkomen; dezelfde denunciaties [verklikkerijen] tegen politieke en persoonlijke vijanden; dezelfde onverschilligheid bij het neersabelen van volkomen buiten de strijd staande mensen. Slechts dit ene onderscheid is er, dat de Romeinen nog geen mitrailleurs hadden om de vogelvrij verklaarden bij hopen te gelijk neer te leggen, en dat zij niet “in hun handen de wet” droegen, noch op hun lippen de kreet van de “beschaving”.” (De burgeroorlog in Frankrijk / Karl Marx, IV, 1871)

Übersicht / Overview / Aperçu / Overzicht


de | Einleitung

Obgleich die k.a.p.d. sich sehr bald politisch von Beiden distanzierte, ohne sie jedoch jemals zu denunzieren, und sie ihnen gar wo möglich Unterstützung leistete, werden Karl Plättner und Max Hölz im Allgemeinen der deutschen Linken zugerechnet. Beide wurden zur Legende. Dagegen versuchte die k.p.d. später ihren Ruf schamlos auszunutzen, nachdem sie sie in der Aktion verraten und öffentlich denunziert hatte, als sie Hals und Kragen riskierten.

Karl Plättner war im April 1920 ein Gründungsmitglied der k.a.p.d. in Magdeburg; er nahm jedoch an keinem ihrer Kongresse Teil und ging seinen eigenen Weg.

Max Hölz blieb bis zum März 1921 Mitglied der k.p.d., als er wegen „Mangel an Disziplin“ ausgeschlossen wurde; nachher suchte er im Gefängnis einige Monate lang Trost bei der k.a.p.d.; Ende 1921 oder Anfang 1922 kehrte er in die k.p.d. zurück, indem er sich bei ihrer eher legalen als politischen „Roten Hilfe“ anschloß.

Während der März-Aktionen von 1921 handelten beide immer mehr aus eigenen Stücken auf rein militärischem Gebiet, unabhängig von jeder Partei.

Zu ihrem Verdienst enteigneten sie die Enteigner um an den Armen verteilen; sie unternahmen jedoch nicht mal den Versuch die Produktionsverhältnisse zu ändern, und nahmen also die Frage wie „Reichtum“ zur Befriedigung der Bedürfnisse eines Jeden zu produzieren nicht in Angriff.

Keiner von Beiden oder einer ihrer Anhänger (die meistens im Dunkeln blieben) ist jemals Wegen eines begangenen Mordes verurteilt worden, doch die Arbeiter wurden zu Tausenden von den Freikorps, der Sipo (Sicherheitspolizei) und der Armee ermordet – wer waren also die „Terroristen“?

1928 wurden sie mit der Generalamnestie für politische Gefangene aus dem Gefängnis entlassen.

Noch im Gefängnis trat Karl Plättner wieder in die k.p.d. ein, wahrscheinlich 1923, stellte sich jedoch gegen den Stalinismus. Er wurde 1936 aufs Neue verhaftet und überlebte eine Reihe von Nazi-Konzentrationslager. Krank und geschwächt starb er bald danach 1945.

Nachdem er einige Jahre im Gefängnis verbracht hatte, wurde Max Hölz 1929 von der k.p.d. in die u.d.s.s.r. geschickt, wo er 1933 von der g.p.u. ermordet wurde, was die Kommunistische Arbeiterzeitung (Berlin) schon 1928 vorhergesagt hatte (siehe unter).

Übersetzung und Korrektur von Jac. Johanson, 3. März 2017

en | Introduction

Although the k.a.p.d. distanced itself politically very soon from both, however without ever denouncing them, and supporting them whenever possible, Karl Plättner und Max Hölz (both became legendary) are generally classified within the German Left. By contrast, after having betrayed them in action and after having denounced them in public when they risked their necks, the k.p.d. tried shamelessly to make use of their reputations afterwards.

Karl plättner was a founding member of the k.a.p.d. in Magdeburg in April 1920; he participated however in none of its congresses, and he went his own way.

Max Hölz remained member of the k.p.d. until March 1921 when he was excluded for a “lack of disciplin”; afterwards and while in prison, he searched for some months for comfort with the k.a.p.d.; he returned end 1921 or early 1922 to the k.p.d. to seek quite illusionary legal rather than political support from the “Rote Hilfe”.

During the March-Actions of 1921, they both acted ever more on their own behalf, on a purely military terrain, independent of any party.

They expropriated the expropriators in order to distribute to the poor, all at their merit; they did not, however, even try to change production-relations, and thus did not resolve the question of how to produce “wealth” according to the needs of everybody.

Neither of the two, or their followers (allmost all remain in obscurity), has ever been convicted of actually having killed anyone; yet the workers were murdered by the thousands by the Freikorpsen, the Sipo (Sicherheitspolizei) and the army; so who were the „terrorists“?

Both were released from prison with the general amnestie for political prisoners of 1928.

Karl Plättner, while in prison, adhered back to the k.p.d., probably in 1923, opposed however Stalinism; after arrest in 1936, he survived a series of Nazi Konzentrationsanlager, yet weakened and sick, he died soon after in 1945.

Max Hölz, after years in prison, was sent by the k.p.d. to the u.s.s.r. in 1929, where he was subsequently murdered by the g.p.u. in 1933, as predicted in the k.a.z. (Berlin) in 1928 (see below).

28 February 2017

fr | Introduction

Bien que le k.a.p.d. ait pris très tôt ses distances politiques avec les deux, sans pourtant jamais les dénoncer et en les soutenant quand c’était possible, Karl Plättner et Max Hölz (tous deux devenus légendaires) sont généralement classé comme appartenant à la Gauche Allemande. À l’inverse, après les avoir trahis pratiquement et après les avoir dénoncés publiquement alors qu’ils risquaient leurs têtes, le k.p.d. a essayé sans vergogne d’utiliser leur réputation après coup.

Karl Plättner était membre fondateur du k.a.p.d. à Magdeburg en avril 1920 ; il n’a pourtant participé à aucun de ses congrès et il a suivi sa propre voie.

Max Hölz est resté membre du k.p.d. jusqu’en mars 1921, date où il a été exclu pour « manque de discipline » ; ensuite, alors qu’il était en prison, il a cherché pendant quelques mois à s’entendre avec le k.p.d. ; il est retourné fin 1921 ou début 1922 au k.p.d., et vers le légal plutôt que politique « Rote Hilfe » (Secours Rouge).

Pendant les Actions de Mars de 1921, ils ont agit plus encore en leurs propres noms, sur un terrain purement militaire, indépendant de tout parti.

Ils ont exproprié les expropriateurs afin de distribuer aux pauvres, tout à leur honneur ; ils n’ont cependant pas même essayé de changer les rapports de production, et n’ont donc pas résolu la question de comment produire des « richesses » en fonction des besoins de chacun.

Aucun des deux, ou de leurs partisans (presque tous restés dans l’ombre), n’a jamais été réellement reconnu coupable d’avoir tué quiconque ; alors que les ouvriers ont été assassinés par milliers par les Freikorpsen, le Sipo (Sicherheitspolizei) et l’armée ; qui étaient donc les « terroristes » ?

Ils ont tous deux été libérés de prison avec l’amnistie générale pour les prisonniers politiques de 1928.

Karl Plättner, alors en prison, a ré-adhéré au k.p.d., probablement en 1923, toujours opposé pourtant au stalinisme ; après avoir été arrêté en 1936, il a survécu à une série de Konzentrationsanlager nazis, pourtant, affaibli et malade, il mourrut peu après en 1945.

Max Hölz, après des années en prison, a été envoyé par le k.p.d. en u.r.s.s. en 1929, où il a été par la suite assassiné par le Guépéou en 1933, comme prévu dans le k.a.z. (Berlin) en 1928 (voir ci-dessous).

Traduit de l’anglais par Bernard, 8 mars 2017

nl | Inleiding

Hoewel de k.a.p.d. al snel politiek afstand nam van beiden, echter zonder ze ooit te veroordelen, en hen te steunen waar mogelijk, worden Karl Plättner en Max Hölz (beide werden legendarisch) in het algemeen ingedeeld bij de Duitse Linkerzijde. In tegenstelling daartoe, na hen in actie verraden te hebben en in het openbaar veroordeeld te hebben toen ze hun nek riskeerden, heeft de k.p.d. schaamteloos geprobeerd om zich achteraf van hun reputatie te bedienen.

Karl Plättner was in April 1920 een van de oprichters van de k.a.p.d. in Maagdenburg; hij nam echter aan geen van de congressen deel en ging zijn eigen weg.

Max Hölz bleef tot maart 1921 lid van de k.p.d., waar hij wegens “gebrek aan discipline” werd geroyeerd; daarna zocht hij in de gevangenis enkele maanden troost bij de k.a.p.d.; eind 1921 of begin 1922 keerde hij terug in de k.p.d., gebruikmakend van de eerder illusoir juridische dan politieke “Rote Hilfe” (Rode Hulp).

Tijdens de Maart-Acties van 1921 handelden beiden steeds meer op eigen rekening op zuiver militair gebied, onafhankelijk van enige partij.

Tot hun verdienste onteigenden ze de onteigenaars om de armen te bevoorraden, maar ze probeerden het niet eens om de productie-verhoudingen te veranderen, en bijgevolg losten ze het vraagstuk van hoe “rijkdom” voort te brengen voor de behoeften van ieder niet op.

Geen van beiden, of hun volgelingen (de meesten blijven in de schaduw), zijn ooit veroordeeld voor het daadwerkelijk doden van iemand, en toch werden de arbeiders met duizenden vermoord door de Freikorpsen, de Sipo (Sicherheitspolizei) en het leger; wie waren dus de “terroristen”?

Beiden werden ontslagen uit gevangenschap met de algemene amnestie voor politieke gevangenen van 1928.

Karl Plättner, in de gevangenis, trad weer toe tot de k.p.d., waarschijnlijk in 1923, verzette zich echter tegen het Stalinisme; na arrestatie in 1936 overleefde hij een reeks Nazi Konzentrationsanlager, maar verzwakt en ziek overleed hij snel daarna in 1945.

Max Hölz, na jaren gevangenschap, werd door de k.p.d. naar de u.s.s.r. gestuurd, waar hij vervolgens in 1933 werd vermoord door de g.p.o.e., zoals voorzien in de k.a.z. (Berlijn) in 1928 (zie hieronder).

Vertaald uit het Engels, 9 maart 2017


de | I. Karl Plättner


Umschlag

Karl Plättner (1893-1945)

Quelle: Bundesarchiv Lichterfelde , Berlin; Photogr. Atelier der k.g.l. Polizei Direktion; © Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (R 1507/2791)


de | Der Weg zur Räte-Diktatur / Karl Plättner, 1919

Der Weg zur Räte-Diktatur / Karl Plättner. – Halle (Saale) : Kommunistische Schriftenvertreib[un]g. Karl Schmidt, [1919]. – 64 S.– (Proletarisch-revolutionäre Flugschriften ; Nr. 1)


de | Das Fundament und die Organisierung der sozialen Revolution / Karl Plättner, 1919

Das Fundament und die Organisierung der sozialen Revolution ; Das historische, das Wesen und die Aufgaben revolutionärer-proletarischer Arbeiter- und Betriebsräte in der Phase der Konterrevolution ; Der Zweck der Straßen- Distrikt- und Orts-Vertrauensmänner-Organisation ; Der Aufbau und Ausbau der Betriebsorganisation im Sinne der Räte-Verfassung / Karl Plättner. – Sachsen-Anhalt : k.p.d.-Bezirkssekretariat [Karl Reimann , Magdeburg-Werder, Mittelstraße 50, Hof links IV], [1919]. – 38 S. – (Proletarisch-revolutionäre Flugschriften ; Nr. 2)

Reprint:  (S. 1-19)  (S. 20-38) Berlin : Karin Kramer Verlag, 1973

 Einleitung Karin Kramer Verlag, 1973

Quelle: a.a.a.p.


de | Das Todesurteil / Karl Plättner, 1920

Das Todesurteil ; Moskau über Spartakus ; Kronzeuge Radek als Verteidiger der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands / Karl Plättner. – Zwickau i[m]. Sa[chsen]. : Kommunistische Arbeiter-Partei Zwickau i. Sa., 1920. – 20 S. – (Proletarisch-revolutionäre Flugschriften ; 3)


de | Rühle im Dienste der Konterrevolution / Karl Plättner, 1920

Otto Rühle 1940

Quelle: Dr. Otto Rühle, portrait by Diego Rivera (Retrato del Dr. Otto Ruhle), 1940, Dallas Museum of Art, Texas

 Rühle im Dienste der Konterrevolution ; Das ostsächs[ische]. Sportkommunisten-Kartell oder Die revolutionäre Klassenkampf-Partei / [Karl] Plättner, [?] Grünthaler. – [Mansfeld] : Kommunistische Arbeiter-Partei Wirtschaftsgebiet Mansfeld [Karl Bötscher, Hettstedt (Südharz), Langestraße 11], [1921]. – 40 S. – (Proletarisch-revolutionäre Flugschriften ; Nr. 4)

Quelle: Stichting Bibliotheek en Documentatiedienst betreffende het Antimilitairisme (b.e.d.a.)., i.i.s.g. , Amsterdam

Note: Die Sektion Mansfeld der k.a.p.d. war gegründet nur in Februar 1921, siehe:  Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, [2. Jahrgang, 1921], Nr. 174 (besser lesbar in Nr. 175, links):

Aus der Partei
Die fortschreitende Revolutionierung der Masse im Bezirk Mansfeld

Durch die Wirren innerhalb der ehemaligen u.s.p.d., jetzt v.k.p.d., ist das eingetreten, was wir bei Beginn der „Vereinigung“ gesagt haben: daß nämlich die v.k.p.d. an ihren Wiederspruchen selbst zu Grunde geht. Viele Genossen im Mansfelder Bezirk haben denn auch den Einigungsrummel nicht mitgemacht. Nicht deshalb, weil sie nicht kommunisten werden wollten, sondern weil sie nicht in einer Organisation sein können, die nur dem Namen nach kommunistisch ist; sie blieben deshalb parteilos, weil unsere Agitation nog nicht weit genug vorgedrungen war. Durch die Tätigkeit der v.k.p.d., während der Mansfelder Aktion ist ihnen abermals der Beweis gebracht, daß eine revolutionäre Organisation während der Kämpfe andere Parolen in die Massen zu werfen habe als die v.k.p.d. es tut. Die geeigneten Maßnahmen erkannten viele Genossen in dem Verhalten der k.a.p.d.-Genossen und wünschten am 12. 2. [1921] eine öffentliche Volksversammlung mit dem Thema: „Die k.a.p.d. und a.a.u.[d.].“ in Farnstedt . 250-300 Personen fühlten den Saal, obwohl nur 1000 Einwohner dort sind. Der Gen[osse]. B. legte in seinem Referat das Wesen der ganzen Arbeiterbewegung bisher klar, um dann aus dem Versagen derselben zu folgern, daß in die proletarische Organisation ein anderer Geist getragen werden muß, als die Erziehung der Masse zu parlamentarischen Wahlen. Das ständige Interessieren der Masse für ihre Ziele, das Hinweisen auf die selbständig zu führenden Aktionen sei Aufgabe einer revolutionären Kampforganisation. Die Masse lauschte gespannt den Ausführungen, war sie doch [?]her nur immer benutzt worden, als Mittel, zur Starkkung von Organisationen sowie für die Abgabe von Stimmzetteln. Daß aus solchen kämpfen nicht die Selbständigkeit der Masse entspringen kann, die Masse in ihrer geistigen Entwicklung nicht zu unterstützen, sonder ihr klar zu machen, daß nicht sie, sondern die berufener Arbeitervertreter nur [?] die Masse in ihren kämpfen [?] können. In der Diskussion sprach ein Genosse, der früher schon in Leipzig in der extremen Arbeiterbewegung gestanden hat. Am Schluß fanden sich 30 Genossen und beschlossen, eine Ortsgruppe zu gründen. Ein Beweis, daß viele mit inderer Idee sympathisieren, es bedarf nur der Aufklärung. Es ist deshalb Pflicht der einzelnen Genossen dort, die Verbindung mit anderen Orten herzustellen, damit wir unere Anschauung bis in den entlegensten Flecken tragen. Der Bau der so kunstlich zusammengefügten v.k.p.[d.] kommt wie überall so auch im Bezirk Mansfeld immer mehr ins Banken!“

de | Der organisierte rote Schrecken! / Karl Plättner, 1921

 (S. 1-25)  (S. 26-47) Der organisierte rote Schrecken! Die kommunistischen Paradearmeen oder organisierter Bandenkampf im Bürgerkrieg / von Karl Plättner. – [Berlin] : Propaganda-Abteilung der Obersten Aktions-Rates [Druck der Hausdruckerei des Ministeriums für öffentliche Unsicherheit (Gustav Noske  Nachfolger, Inhaber Hörsing ) in Berlin], [1921]. – 47 S.

  • Aus tausend Wunden blutend... [Aus: Andreas Strug, Geschichte einer Bombe], S. 3
  • Vorwort [Oktober 1921, Die Herausgeber, J.A. Walter Bogel, Berlin], S. 4
  • I. Die politische Situation, S. 6
  • II. Die Haltung des Proletariats und seiner Partei, S. 10
  • III. Die bisherigen militärischen Kampforganisationen, S. 16
  • IV. Was lehrt uns die März-Aktion?, S. 24
    • a) Die Bandenkämpfe, S. 24
    • b) Das Leunawerk, S. 26
  • V. Die neue militärische Kampforganisation, S. 32
    • a) Ihre Voraussetzung, S. 32
    • b) Ihr Aufbau, S. 34
  • Richtlinien als historisches Dokument, S. 37
    • I. Arbeitsprogramm, S. 37
    • II. Organisationsplan, S. 37
    • [Nachwort], S. 45

Quelle: АРХИВ ИМЗЛ (Archiv Institut Marx-Engels-Lenin, Moskau, 1931-1954, jetzt, zeit 1991, Институт теории и истории социализма (ИТИС, Institut für Theorie und Geschichte des Sozialismus); Bundesarchiv Berlin Lichterfelde , vorher Instituts für Marxismus-Leninismus beim zk der sed


de | Die K.A.P.D. über der Prozeß gegen Karl Plättner und Genossen, 1923

Rundschau
Plättner und Genossen

In Halle stehen schon über eine Woche Karl Plättner und Genossen vor dem bürgerlichen Klassengericht. Die bürgerliche Justiz arbeitet mit allen Mitteln daran, die Handlungen Karl Plättners und seiner Genossen als gemeine Verbrechen zu denunzieren, und demgemäß die Täter als gewöhnliche Verbrecher abzuurteilen. Wir wissen im Augenblick nicht, ob das Gericht sich für „zuständig“ erklären wird, oder ob die Verhandlung an den Staatsgerichtshof überwiesen wird. Bei dem Charakter, gerade des deutschen Klassengerichts, kommt es auf eine mehr oder weniger herausfordernde Brutalität schon gar nicht mehr an.
Wozu wir uns zu äußern nötig halten, is die prinzipielle Seite der Angelegenheit. Wir gestehen offen: Wir verschmähen es, ähnlich wie de k.p.d., auf der einen Seite so weit als möglich abzurücken, und auf der andern Seite sich das billige Vergnügen zu leisten, dem bürgerlichen Klassengericht zu beweisen, daß dies ein politischer Prozeß ist. Wie verschmahen dies deswegen, weil wirklich revolutionäre Taten im einscheidenden Klassenkrieg natürlich im kapitalistischen Sinne ein Verbrechen sind. Und eine Partei, die aufhört eine Partei des Verbrechen am Kapital zu sein, hat aufgehört revolutionär zu sein. Plättner und Genossen haben hauptsächlich in ihrer Broschure „Der rote Schrecken“ ihren prinzipiellen Standpunkt niedergelegt. Ihre Meinung ist, daß die individuelle Expropriation der Expropriateure auch in Zeiten der Stagnation der Revolution und gerade in der Periode des Niederganges für die Arbeiterklasse anfeuernd wirken, und so die Revolution vorwärts treiben könne. Die k.a.p.d. teilt diesen Standpunkt nicht. Aber auch wir betonen: Im Kampfe gegen den Kapitalismus, wenn das Proletariat wirklich ganze Arbeit sich zu machen anschickt, wird man von der k.a.p.d. nicht verlangen dürfen, daß sie die Banken bewacht, damit nicht „geräubert“ wird, und nach der eventuellen Niederlage die Kapitalisten hübsch ihr Eigentum zurückerhalten. Die Arbeiterklasse muß sich in ihrem Kampf die Mittel hernehmen, wo sie sich befinden. Der Kampf des Proletariats wird selbstverständlich auf Kosten der besitzenden Klasse geführt. In diesem Sinne, daß, wenn es uns gelingt, das Proletariat zum Kampfe zu bewegen, stehen wir als Partei selbstverständlich auf dem Standpunkt der „Expropriation der Expropriateure“. Wir sind uns durchaus bewußt, daß dies im sozialdemokratischen und bürgerlichen Sinne ein ganz gewöhnliches Verbrechen ist, Was uns von Plättner trennt, ist nich die prinzipielle Seite an sich, sondern nur in sofern, daß wir auf dem Standpunkt stehen, daß eine revolutionäre Organisation nicht lediglich oder vorwiegend eine militärische sein kann. Wir wissen, daß trotz alledem die Befreiung der Proletariats das Werk des Proletariats selbst sein muß, und halten dem Versuch einer kleinen Gruppe, für das Proletariat den Kampf zu führen, für eine Utopie.“
Plättner und Genossen sind auf diesem Prozeß von der k.a.p.d. und ihrer Taktik abgerückt. Wir haben keine Veranlassung, uns darüber zu äußern. Ihre Tätigkeit brachte es mit sich, daß sie mit dem Mitgliedermassen nicht die Verbindung haben konnten, die nötig ist, um die Gesamtpartei über prinzipielle Fragen entscheiden zu lassen, auf diese Weise werden der Partei ganz von selbst lediglich zu Fragen von militärischen Führern, und die Mitglieder bleiben Objekt. Diese Konzequenzen zogen Plättner und Genossen und wollten den Kreis der Mitglieder auf die nur[?] in ihrem Sinne tätigen Genossen beschränkt wissen, was auf die Liquidierung der Partei zu Gunsten von kleinen Gruppen hinauslief.
Diese Unterschiede treten von dem bürgerlichen Gericht vollständig zurück. Wir wissen, daß es eine Gewohnheit der bürgerlichen Justiz ist, Proletarier, die für die Sache des Proletariats ihr Leben und ihre Existenz einsetzen, das Brandmal des gemeinen Verbrechens auf die Stirn zu drücken. Und das Proletriat, daß durch die bürgerliche Gesellschaft zum Tode verurteilt, wird jedoch als Klasse immer und immer wieder vor der Wahl stehen, entweder zum Verbrecher an dieser Ordnung zu werden, oder die Ordnungshüter setzen ihre Verbrechen am Proletariat fort bis zur Vernichtung desselben. Und die Proletarier, die als „gemeinen Verbrecher“ zur Strecke gebracht werden sollen, werden auch diese „Schande“ zu tragen wissen. Viele, viele sind ja bereits von kapitalistischen Bestien in und ohne Uniform im Rahmen der Menschheit niedergemacht worden wie Vie, trotzdem sie völlig wehrlos waren.
So viel ist sicher: Wenn die Proletariermassen einmal begreifen werden, daß sie nur deswegen langsam verhungern, weil sie als Klasse, vor der Expropriation des Expropriateure zurückschrecken, dann wird das Klassengericht des Bürgertums keine Zeit mehr haben, um zu wählen zwischen politischen und gemeinen Verbrechen. Dann werden einzelne Proletarier auch nicht mehr isoliert in den Zuchthäusern zu Grunde gerichtet werden können. Dann werden jene auf der Anklagebank sitzen, deren Rache noch nicht gekühlt ist durch Unschädlichmachung ihrer Klassengegner an sich, sondern die den Proletariern die ideale Gesinnung abzusprechen sich nicht entblöden, von deren lautersten Motiven sie selbst überzeugt waren.
Wie wir kurz nach Redaktionsschluß erfahren, ist der Prozeß Plättner an den Staatsgerichtshof überwiesen worden. Einen Bericht über die Verhandlungen werden wir in der nächsten Nummer bringen.“

Transkription 22. Februar 2017, Quelle:  Kommunistische Arbeiter-Zeitung , Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, 4. Jahrgang, 1923, Nr. 52


Karl Plättner und Genossen
II.
Nach der Beendigung der Vernehmung Plättners geht die Sache schneller vorwärts. Immerhin sprechen auch andere Angeklagte stundenlang. Zuerst werden Hölzel und Meißner vernommen. War schon Plättner schwer zu bewegen, etwas über die Taten selbst zu erzählen, so sind diese darüber noch schweigsamen. Sie verweisen stets auf die Darstellung Plättners. Meißner war 1921 an den Märzkämpfen beteiligt, hörte dann von Plättner und schloß sich ihm an. Verächtlich sprach er von den „verrotteten Linksparteien“, deren Führer nur nach Aemtern[?] geschielt hätten. In Plättner habe er einen Tatmenschen gefunden.
Die Ideologie Plättners ist den meisten dieser Gruppe gemeinsam. Marxist ist niemand von ihnen. Als Tatmensch ist Plättner Bakunist. Nur daß er glaubt durch die Taten seiner Organisation die objektiven und subjektiven Bedingungen für das Endziel der Arbeiterklasse zu forcieren. Als Endziel sieht er allerdings in erster Linie nur den Umsturz der Staatsordnung. Hierzu sieht er die Taten seiner Gruppe als Zweck an, nicht nur als Mittel. Die Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse durch Eingriffe der Arbeiterklasse scheinen ihm ein Weg zu diesem Ziel. Durch die Beunruhigung der Bourgeoisie, wie durch die kühnen Taten einer kleinen Vorhut, glaubt er die Arbeitermassen aus ihrer Lethargie wecken zu können. Obwohl fast alle Angeklagten auf die Klassengegensätze der jetzigen „Ordnung“ eingegehen, berührt keiner die Grundsätze des wissenschaftlichen Kommunismus, daß die Produktionsverhältnisse die Ursachen aller Gegensätze und Wiedersprüche sind. Demnach waren sie auch nicht darauf eingestellt, die Proletarier als Träger dieser Produktionsordnung zum Klassenbewußtsein zu wecken, daß sie, zur Erkenntnis ihrer Klassenlage gekommen, als Klasse die Produktion übernehmen, erst dadurch die Bezirksverhältnisse ändern und dadurch die Ideologie der Menschen zur Gemeinschaft, zum Kommunismus. Aus der unrichtigen Einschätzung der geschichtlichen Triebkräfte mögen die Angeklagten zu der Einstellung gekommen sein, daß sie als politische „Verbrecher“ besser fahren als „Kriminelle“. Obwohl sie wiederholt Max Hölz als Parallele heranziehen, scheinen sie nicht zu erkennen, daß der Kapitalismus und seine Justiz auch nur die „politischen Verbrecher“ aus den Klauen geben, wenn sie der Profitordnung nicht mehr gefährlich werden können.
Menzel (wie vordem auch andere) ergeht sich in die Darstellung der Strategie des Weltkrieges, um zu beweisen, daß die militärische Organisation auch als Anfangsfaktoren die proletarische Revolution fordern können. Für seine persönliche Eignung führt er seinen persönlichen Mut ins Feld, der schon 1915 mit dem Eisernen Kreuz dekoriert wurde.
Am Schlüß des vierten Verhandlungstages zwang man die Gruppe indirekt, der Vereidigung eines Sachverständigen stehend beizuwohnen. Im Interesse der drei noch auf freiem Fuß befindlichen Angeklagten ließen sie sich vom Verteitiger dazu überreden, da diese sonst in eine sofortige Haftstrafe genommen wären.
Der fünfte Verhandlungstag beginnt mit einer wilden Aufregung des „hohen“ Gerichtshofes. An die Tür des Gerichtsgebäudes hatte jemand geschrieben, daß das Gebäude samt dem Präsidenten der Verhandlung in die Luft gesprengt werde. Ferner mußte ein Zuhörer aus dem Saal geführt werden, bei dem Pistolenmunition gefunden wurde. Erst, nachdem Plättner die Herren durch die Zusage beruhigte, daß dies nicht von seiner Gruppe ausgehe, nahm die Verhandlung ihren Lauf.
Bis auf den Angeklagten Heß bekannten sich alle zu ihren Taten. Außer dem Autobesitzer Adolph, der bei seinen Fahrten wahrscheinlich nicht wußte, um was es ging. Heß war Vertrauensmann der k.p.d. und wurde von dieser mit einem besonderen Auftrag zu Plättner geschickt. Da ihm dessen Auftreten imponierte, besorgte er ihm ein Auto und nahm an zwei Fahrten teil. Heß wird vom Gericht als „eigentlich“ nicht zur Plättnergruppe gehörig betrachtet. Seinen Aussagen mißt das Gericht eine größere Bedeutung bei. An den Fahrten will er nur des Chauffeurs wegen teilgenommen haben. Was er in der Voruntersuchung aussagte, will er alles nicht so gemeint haben. Aber was er jetzt sagt, das meint er so. Er behauptet einmal zu Adolph gesagt zu haben: „Mensch, die Sache kommt mir kömisch vor; wir wollen lieber allein zurückfahren.“ Ein andermal: „Ich glaube, daß ich Verbrecher in die Hände gefallen bin.“ Zu Plättner will er gesagt haben: „Das ist keine Politik mehr, das is Raub!“ (Na also!) Jetzt aber verbessert er sich: „Raubtaten sind es ja, aber aus politischen Motiven.“ Wie im Zirkuskrawallprozeß in Berlin, kennt auch der Hallenser Verhandlungsleiter die Einstellung der k.p.d. sehr genau. Er hielt Heß vor, daß er sich damit von selbst aus der k.p.d. ausgeschlossen hätte! Und weiter, daß er ja in der Voruntersuchung die anderen Angeklagten schwer belastet habe.
Dem Maurer Paul Töpfer, „ein verbissener Revolutionär, der alles, was an Bürgertum erinnert, vernichtet sehen möchte“, wie sich ein Schreibkull ausdrückt, war eine Beteiligung an dem zur Verhandlung stehenden Brucksdorfer Fall bisher nicht nachgewiesen. Staatsanwalt und Untersuchungsrichter nahmen auch an, daß er unbeteiligt ist. Töpfer bekennt sich an jeder der Taten Plättners direkt un indirekt beteiligt. Er selbst gesteht, daß er in diesem sogar Urheber ist. Er habe auf der Grube Alwine, welcher der Besuch abgestattet wurde, zwei Jahre gearbeitet und Plättner für den Fall interessiert. Vor dem Auto sei er mit einem Motorrad gefahren. „Wir sind Terroristen, aber keine Räuber“, sagt er noch zum Gericht.
Der Autobesitzer Adolph weiß nicht, worum es ging. Frau Bielke sitzt auf der Anklagebank, weil sie Heß veranlaßte, Autos zu besorgen. Daß es sich um Überfälle handele, wußte sie nicht. Sie nahm an, daß die Autos politischen Flüchtlingen dienen sollen. Martha Ebert hätte schon in den Märzunruhen 1921 als Kurier gedient. Für Plättner hat sie ebenfalls Kurierdienste versehen.
Einzelheiten über den zur Anklage stehenden Bruckdorfer Fall werden nicht erörtert. Von dem großen Zeugenschwarm wird auch nicht einer vernommen. Der Staatsanwalt ist aus sich heraus, unbeeinflußt von dem Plädoyer Hegewischs zu der Überzeugung gekommen, daß es sich um politische Vergehen handele. Das Gericht beschließt demgemäß und erklärt sich als nicht zuständig. Der Prozeß kommt demnach vor den Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik. Man ging von der Erwägung aus, daß die Expropriationen dem Zweck dienen sollten, die Republik zu stürzen. Die bürgerliche Presse jubelt, daß sie dort „aus dem Regen unter die Traufe“ kommen.“

Transkription 22. Februar 2017, Quelle:  Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, 4. Jahrgang, 1923, Nr. 54


de | nl | II. Max Hölz


Quelle: Die Aktion, 1921, Holzschnitt von R. Thomasius [?]


de | „Parteimitglied“ Max Hölz

„Im Bericht eines Polizeispitzels über eine Besprechung von Vertretern der Aktionsausschüsse Anfang März 1921 im Mansfeldischen lesen wir: „Hölz 3. Auch ich möchte, um Missverständnissen vorzubeugen, vorausschicken, dass ich nicht die Absicht hege, mich irgendwelchen Zentralbeschlüssen zu unterwerfen, deren Tendenz ich auf Grund meines gesunden Menschenverstandes nicht billige oder deren Befolgung ich für schädlich halte für die Durchführung der Aktion. Gerade ich bin ja das Opfer derartiger Beschlüsse in sehr vielen Fällen geworden, und ich bin nicht so töricht, wiederum so unklug zu handeln, sich verkehrten Anweisungen aus Disziplin zu fügen und dadurch alles zu gefährden. Schliesslich wurde ich ja auch wegen meines Disziplinbruches zu Zeiten des Kapputsches aus der damaligen k.p.d. ausgeschlossen und fuhrende Genossen der Zentrale sprechen sogar in Berlin ganz im Sinne der bürgerlichen Justiz von … (fehlt am Rand - P[eter]. G[iersch].) Um auf des Pudeis Kern zu kommen, füge ich also nochmals bei, ich werde rnich keinen zentralen Parolen, die sehr oft vorbeihauen, fügen, auf die Gefahr hin, weiter als Disziplinverbrecher, Parteiloser usw. zu gelten. Jedoch habe ich ein hohes Interesse an der heutigen Besprechung. lch habe mich gehütet, offiziell der k.a.p.d. beizutreten, um nicht wieder gegen irgend welche Satzungen, Statuten oder Paragraphen zu verstossen. Nichtdestoweniger bin ich, wie ich ehrlich feststellen muss, von der Zentrale der k.a.p.d. auf das loyalste unterstützt und gehalten worden. Mir wäre meine unfreiwillige Verbannung wohl bedeutend schwerer gefallen, wenn mir nicht solche Unterstützung zuteil geworden wäre. Darüber hinaus kann ich sogar behaupten, dass weite Massen der k.a.p.d. und auch der v.k.p.d. hinter mir stehen, trotzdem ich ihrer Partei nicht beigetreten bin und mich auch keinen zentralen Anweisungen von dieser Seite fügen würde, und ich glaube sogar, diese Genossen halten gerade deshalb zu mir. Aus diesem Grund lege ich so grossen Wert auf die heutige Besprechung. Nicht etwa weil ich nun diese Genossen, deren es nicht wenige sind, zum Disziplinbruch verleiten möchte, sondern weil ich versuchen will, zwischen den Parteileitungen und den breiten Massen den fehlenden Kontakt herzustellen. Wenn diese Genossen hier in Mitteldeutschland meiner Kampfesweise Folge leisten und dieselbe von Erfolg gekrönt sein würde, so müsste dieser Kontakt entstehen. Weitere Bezirke würden dem Vorbilde Folge leisten und die Genossen in den Parteileitungen würden dazu kommen, diese Kampfführung für richtig zu beurteilen und dadurch würde die Aktion in allen Bezirken einheitlich und erfolgversprechend durch- und zuende, restlos zuende gefuhrt werden. Es würde mich freuen, wenn die heutige Besprechung eine geeignete Grundlage ergeben würde für eine derartige einheitliche Kampfführung.“ Institut für Marxismus-Leninismus… , St 12/115/1 (Polizeiakten), Bl. 15 ff“

Quelle: Max Hölz / Peter Giersich, Bernd Kramer, 2000, S. 18, Anmerkung 7


de | Hölz’ Anklagerede gegen die bürgerliche Gesellschaft, 1921

 Hölz’ Anklagerede gegen die bürgerliche Gesellschaft . – Osnabrück : Packpapier, ca. 1972?. – 36 S.

Quelle: Kollektion a.a.a.p.


de | Max Hölz in „Die Aktion“

Einem feigen Wicht als Antwort [Erklärung gegen einen Verleumder] / Max Hölz. – In: Die Aktion  / Herausgegeben von Franz Pfemfert. – Berlin : Verlag der Wochenschrift Die Aktion. – Jg. 11 (1921), S. 382-383

Einem feigen Wicht als Antwort
Wie mir mitgeteilt wird, haben Genossen (ohne OR oder F[ranz]. P[femfert]. erst zu benachrichtigen) folgendes Flugblattverbreitet:
Während Hölz, umgeben von der losgelassenen Justizmeute der Bourgeoisie, in heldenhafter Weise den Gedanken der proletarischen Revolution verficht, nutzt ein sich Genosse nennender Geschäftsmann Ludwig Bergmann diese historische Situation aus, um in schmutzigster Weise Profit für sich zu erchachern. Eine von ihm zusammengekleisterte Broschüre (die nach seiner eigenen schriftlichen Erklärung so farblos und unrevolutionär geschrieben ist, „daß selbst der ärgste Staatsanwalt nichts dagegen sagen kann“) enthält eine angebliche Aussage der schwer geprüften Frau Hölz, die ohne tatsächliche Kenntnis und ohne Nachprüfung der wahren Vorgänge gegen die Genossen Rühle und Pfemfert und die Frau des letzteren die ungeheuerlichsten Beschuldigungen erhebt, die jemals gegen ehrliche Revolutionionäre erhoben wurden. Hölz selbst, der unbeugsame Kämpfer für Wahrheit und proletarische Ehre, hat bereits öffentlich diese Broschüre als ein gemeines, verleumderisches Machwerk gebrandmarkt und seine Anwälte beauftragt, mit allen Mitteln vorzugehen. In der Gerichtshandlung am 22. juni erklärte Hölz laut Zeitungsberichten wörtlich:
„Von meiner Verteidigung erfahre ich, daß ein gewisser Ludwig Bergmann diesen Prozeß in schmutzigster Weise ausnutzt. Er hat eine Broschüre geschrieben, in der Dinge behauptet werden, die gar nicht vorgekommen sind, und die dem Ergebnis dieses Prozesses vorrreifen. Ich soll behauptet haben, daß die Genossen Rühle und Pfemfert Gelder unterschlagen habe. Das ist Wahnsinn. Ich erkäre Ludwig Bergmann für einen gemeinen Verleumder.“
Eine Erklärung von Max Hölz
ist der Presse zur Veröffentlichung übersandt worden. Diese Erklärung, die Max Hölz an dem Tage niederschrieb, da die Bourgeoisie das Todesurteil für ihn erhoffte, lautet:
Berlin, den 23. Juni 1921.
Herren justizrat Dr. Broh, Victor Fraenkl und Hegewisch.
Teilen Sie bitte der Presse mit, daß Ich der Broschüre des Herrn Ludwig Bergmann „Max Hölz“ völlig fernstehe. Wohl habe ich ihm (wie auch einem anderen Schriftsteller) vor mehr als einem halben jahr eine kurze schriftliche Darstellung meines Lebenslaufs gegeben. Diese schriftliche Darstellung aber ist in der obigen Broschüre mit von ihm erfundenen Zusätzen vermischt, die mich als einen theatralischen Phrasenmacher erscheinen lassen. Ebenso sind auch die weiteren Darstellungen in der Broschüre über meine Tätigkeit In Mitteldeutschland und endlich über meine Verhaftung völlig entstellt und teilweise gröblich unwahr. Vor allem ist es, wie ich ja schon vor vielen Wochen öffentlich habe erklären lassen, völlig unwahr, daß Franz Pfemfert und Otto Rühle, geschweige denn Frau Pfemlert mit der Unterschlagung revolutionärer Gelder oder mit meiner Verhaftung in Irgendeinem Zusammenhange stehen.
Max Hölz
Der Bericht vom Max-Hölz-Prozeß
der in dem Max-Hölz-Heft veröffentlicht werden wird, ist nicht so schnell aus dem Stenogramm zu übertragen möglich gewesen. Deshalb wird erst das nächste Heft (Nr. 29/30) unserem Genossen Hölz gewidmet sein. (Siehe Voranzeige auf Seite 2.)“

Aus meinen Leben / Max Hölz. – In: Die Aktion  / Herausgegeben von Franz Pfemfert. – Berlin : Verlag der Wochenschrift Die Aktion. – Jg. 11 (1921), S. 409-420

Bericht über den Prozess Hölz (Nach stenographischen Aufzeichnungen). – In: Die Aktion  / Herausgegeben von Franz Pfemfert. – Berlin : Verlag der Wochenschrift Die Aktion. – Jg. 11 (1921), S. 420-452


de | Max Hölz in der K.A.Z.

Ein Brief von Max Holz
In Nr. 6 der „Revolution“ (Organ der Einheitsorganisation) ist in Aufrufform folgender Brief abgedruckt:
Lieber Wilhelm! Ich bitte Dich dringend, bei Euch doch eine Sammelliste einzuleiten, damit die für die Wiederaufnahme meines Prozesses erforderlichen Gelder aufgebracht werden konnen. Sendet den Erfolg der Sammlung an meine Frau, Klara Hölz in Falkenstein im Vogtland, Amtsstr[aße]. 2. Sendet Ihr auch eine Abschrift der Sammelliste mit. Ich habe nämlich selbst am 16. 12. [19]22 den Antrag auf Wiederaufnahme meines Prozesses gestellt nachdem ich monatelang nach den Anwalten und von der Zentrale der k.a.p.d. am Narrenseil geführt worden bin. Genossen, tut Eure Pflicht, tue jeder nach seinen Kraften bei, damit ich meine Prozesse führen kann.
Genossen, wendet Euch für mich an Eure anderen Bezirke. Gebt sofort an meine Frau Nachricht, ob Ihr die Sammlung einleiten wollt.
Mit revolutionarem Gruß
Dein Max Holz.
Wir konnen im Augenblick nicht untersuchen, ob der Brief echt, oder ob die Verleumdung, daß die „Zentrale“ der k.a.p.d. Schindluder mit dem Namen und dem Leben eines Revolutionärs – wie dies tagtaglich geschieht – getrieben hätte nur eine Fahrlässigkeit oder ein Druckfehler ist. Wir konnen nur feststellen, das Genosse Max Holz schon vor länger als einem Jahre aus der k.a.p.d. ausgetreten, und, die juristische Vertretung ebenfalls in den Händen der k.p.d. resp. der „Roten Hilfe“ lag.
Die Motive, die Genossen Hölz bewogen, der k.a.p.d. sogar nahe zu legen prinzipielle Gesichtspunkte zurücktreten zu lassen und uns mit der k.p.d. zu vereinigen, kennen wir nicht. Wir haben deshalb unsere proletarische Pflicht nicht einen Augenblick versäumt, nicht nur gegenuber Max Holz, – es teilen noch eine ganze Reihe anderer Genossen sein Schicksal.
Soweit wir unterrichtet sind, führen die Rechtsanwalte schon eine geraume Zeit einen erbitterten Kampf gegen die demokratische Klassenjustiz, um das Wiederaufnahmeverfahren. Wenn es ihnen nicht gelang, auf diesen – infolge der Schlafmützigkeit des Proletariats – einzig möglichen Weg, so glauben wir trotzdem annehmen zu dürfen, das dies nicht eine Frage der mangelnden finanziellen Unterstützung ist. Ein anderer Kampf um das Wiederaufnahmeverfahren als der rein kapitalistisch-juristische ist nicht möglich, solange das Proletariat nicht selbst die Zuchthaustore öffnet.
Wenn man mit ansehen muß, wie die demokratische Justiz die Besten des Proletariats zu Tode quält, so ist dies für einen revolutionären Arbeiter ganz gewiß kein Vergnugen. Daß jemand, der wie Genosse Hölz schon sehr oft nahe zum Wahnsinn getrieben wurde, selbst den letzten Strohhalm als Rettungsmoglichkeit ergreift und in seiner furchtbaren Lage selbst gegen Genossen ungerecht werden kann, deren Treue keinem Zweifel unterliegt; das wird nur ein Spießburger nicht begreifen konnen. Im vorliegenden Falle jedoch handelt es sich, von seiten dieser „Einheitsorganisation“ um ein gewissenloses und skruppelloses Agitationsmanöver, das nicht scharf genug gebrandmarkt werden kann. Ehe man eine Organisation in der öffentlichkeit zu verleumden sucht, sollte man zum mindestens den Tatbestand auf den Grund gehen. Diese primitiven und elementarsten Selbstverstandlichkeiten haben wir selbst bei einem solch pazifistischen Heulmeierklub vorausgesetzt.
Wir unsererseits werden nie einen Zweifel daruber aufkommen lassen, was im Interesse der gefangenen Brüder notwendig ist. Die k.a.p.d. und a.a.u.[d.] werden wie immer, ihre Pflicht tun. Wenn wir Sammlungen, die von solcher Seite zur Finanzierung des Wiederaufnahmeverfahrens eingeleitet werden, skeptisch gegenüberstehen, so deswegen, weil dies eben keine Geldfrage allein ist. Die Gewissenlosigkeit, wie sie in der – man kann ruhig sagen absichtlichen – Verleumdung dokumentiert ist läßt befürchten, daß die Herrschaften auch in anderer Hinsicht ihr Geschaft zu machen verstehen. Uns werden solch Dummejungenstreiche keinen Augenblick hindern, für die Revolution und damit auch für die endgultige Befreiung aller Justizopfer zu arbeiten.“

Transkription 22. Februar 2017, Quelle:  Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, 4. p;Jahrgang, 1923, Nr. 13


Spitzenkandidat Max Hölz
„Ich kann von ihnen keine bürgerlichen Ehren verlangen. Sie können mir auch keine bürgerlich Ehre absprechen. Die bürgerliche Ehre, um die Sie sich streiten, habe ich nicht besessen. Bürgerliche Ehre heißt für mich die Kunst, von der Arbeit anderer zu leben. Sie bedeutet Monokel im Auge, voller Bauch und hohler Kopf. Für mich gebt es nur eine proletarische Ehre, und die wollen Sie mir und können Sie mir nicht absprechen.“
„Der staatsanwalt hat zu mir in der Voruntersuchung gesagt, wenn alle Arbeiter von Ihrer Idee durchdrungen sind, dann muß es doch ein Leichtes sein, daß sie auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes die Macht bekommen. Ich habe ihm erwidert und sage auch zu Ihnen: Sie ziehen nicht die Konzequenz aus den tatsächlichen Machtverhältnissen.“
Jener Proletarier, der 1921 seinen Klassenrichtern diese und ähnliche wuchtigen Worte entgegenschleuderte; jener Max Hölz, der von dem Moabiter Sondergericht ohne Zaudern zu den Taten und Kampfmaßnahmen der niedergeschagenen mitteldeutschen Arbeiter sich bekannte und in achttätiger Gerichtsverhandlung vor aller Welt die unversöhnliche Todfeindschaft zwischen Proletariat und Bourgeoisie dokumentierte; jener Revolutionär, der von sämtlichen parlamentarischen Führergarnituren zum Wirrkopf und gemeinen Verbrecher gestempelt wurde; – dieser Max Hölz ist von der k.p.d. im Wahlkreise Erzgebirge-Zwickau zum 4. Mai als Spitzenkandidat aufgestellt worden. Gleichzeitig beantragt der dortige Vertrauensmann des „kommunistischen Wahlvorstandes“ beim Reichspräsidenten: „die über M[ax]. H[ölz]. verhängte Strafe auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte soforrt aufzuheben und ihn sofort freizulassen, damit er vor seinen Wählern sprechen kann.“
Gewiß , die Kandidatur Hölz wird die meisten Proletarier in hellen Jubel versetzen, aber auch mancher wird erstaunt sein und den Widerspruch zwischen 1921 und 1924 sich nicht erklären können. Die revolutionären Arbeiter jedoch werden durch diese Wendung nicht überrascht, denn sie ist nur das Produkt der seit Jahren systematisch betriebenen Anstrengungen, den gefangenen Klassenkämpfer aus der bewußten Schar seiner Mitstreiter loszulösen. Diesem Zweck dient ja vor allem der moderne Strafvollzug. Durch ein ausgeklügeltes Foltersystem soll die geistige und physische Kraft des Eingekerkerten zermürbt und er dadurch für immer unschädlich gemacht werden. Nicht alle Opfer der Klassenjustiz bestehen diese ungeheure Belastungprobe; mancher verzweifelt unter den Schlägen seiner Henkersknechte und wendet sich von der proletarischen Sache ab, für die er sein Leben eingesetzt hatte. Auch bei Max Hölz hat die trockene Guillotine leider mit Erfolg gearbeitet, und in mangelnder Kenntnis der wirklichen Verhältnisse außerhalb seines Kerkers ist er der systematischen Bearbeitung einer skrupellosen Führerschaft erlegen und leiht heute seinen revolutionären Kredit der Partei der abgewirtschafteten Ehrenbrandlers zur Fortsetzung ihrer reformistischen Illusionspolitik. So ist die Wendung des Revolutionärs zum Reichstagskandidaten nu der nun allen sichtbare Ausdruck des Verleugnens der früheren Grundeinstellung, des Abschwenkens ins reformistische Lager. Dabei ist völlig bedeutungslos die solcherweise beabsichtigte Befreiung des politischen Zuchthäuslers, denn das Wesentliche liegt eben in Bekenntsnis zur klassenverräterischen bürgerlich-parlementarischen Politik und dem objektiv begangenen Verrat an seinen mit ihm schmachtenden Zuchthausgenossen, die nach wie vor zur Fahne stehen.
Die klassenbewußten Arbeiter, die nicht nur gefühlsmäßig die Dinge betrachten, werden sich durch solche Erscheinungen nicht beirren lassen, den aus Erkenntnis gewonnenen Weg des kompromißlosen Klassenkampfes fortzuschreiten. Ist doch Hölz nicht der erste, die wieder zurückkehrt in die Arme des Reformismus. Die proletarische Revolution verbraucht eben viele Kräfte, da sie nicht wie die bürgerliche ein kurzes glänzendes Feuerwerk ist, sonder vielmehr ein mit Schwächen und Unzulänglichkeiten verknüpfter langwieriger Prozeß. Sie ist nicht nur Anklägerin gegen die bürgerliche Gesellschaft, sondern auch unerbittliche Richterin über die eigenen proletarischen Kämpfer. Keine Halbheiten duldend, zwingt sie immer wieder jeden Proletarier – ungeachter seiner früheren Leistungen – offen Farbe zu bekennen. Und wer heute noch auf vorgeschobenem Posten steht und mit festem Griff und klarem Blick den stürmischen Wellengang meistert, kann morgen schon an den zahllosen Klippen erbarmungslos zerschellen, wenn er den revolutionären Kompaß mit dem trügerischen Irrlicht eines falschen Kurses vertauscht.
Deswegen sind die Erfolge, welche die k.p.d. unter dem Namen Hölz erringt, nur ein Pyrrussieg, denn auch noch soviel revolutionärer Kredit wird nicht ausreichen, um den wahren Charakter dieser Partei vor den des Proletariats zu verschleiern. Deshalb kann es für die revolutionäre Arbeiterschaft eine Gemeinschaft mit dem eingekerkerten Reichstagsanwärter ebensowenig geben, wie eine solche möglich war zwischen der Bourgeoisie und dem Revolutionär von 1921.“

Transkription 22. Februar 2017, Quelle:  Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, 5. Jahrgang, 1924, Nr. 31, April


Merseburg
Max Hölz und seine Peiniger

Unter diesem Thema hatte die k.p.d. in Merseburg eine öffentliche Versammlung einberufen. Als Referent war das frühere Zentral-Mitglied und jetziger Bürgermeisterkandidat Schumann erschienen. Da Merseburg im Mittelpunkt des früheren Aufstandsgebietes liegt und Max Hölz eine gute Tradition unter dem mitteldeutschen Proletariat hat, war die Versammlung gut besucht. Der Referent schilderte die verschiedensten Handlungen und Taten von Hölz, konnte es aber nicht unterlassen, dieselben als k.a.p.d.-Tendenzen zu bezeichnen. Als alter Parlamentarier, noch dazu als künftiger Bürgermeister ist es ihm auch unmöglich, derartig revolutionäre Methoden gutzuheißen, wue keicht könnte doch, im gegenzeitigen Falle, sein in Aussicht stehender Pensionsposten gefährdet werden. Trotzdem er die Taten Hölz ablehnte, hinderte ihn diese Auffassung nicht, die Tradition von Max Hölz, die eben nur als Resultat seiner früheren Handlungen sein kan, für die k.p.d. skrupelloser Manier auszubeuten. So korrpt wie dieses Geschäftsgebahren an und für sich schon ist, so weinig revolutionäre Schlüsse konnten aus den Ausführungen im Referat entnommen werden. Die einzige und dazu noch utopische Schluße war die Empfehlung einer Resolution an die Reichsregierung.
Als einziger Gegner dieser Narrenkomödie hatte sich ein k.a.p.[d.]-Genosse zu Wort gemeldet. Er zeigte den Arbeitern an Hand geschichtlicher Beispiele und der der kapitalistischen Gesellschaft innewohnenden Klassengegensätze die Notwendigkeit des Klassenkampfes zur Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft, ungeachtet dessen, daß vergangene Kämpfe ungeheure Opfer kosteten, und daß die Galiffets in diesen Kämpfen aus den eigenen Reihen erstanden sind. An verschiedenen Zitaten aus einer von Max Hölz herausgebrachten Publikation verstand es unser Genosse vortrefflich, die schändliche Heuchelei der k.p.d. zu entschleiern. Zitat Max Hölz. Heckerts und Brandlers Angst vor der revolutionären Aktion im Voigtland ging sogar so weit, daß sie in einer Konferenz erklärten, sie hätten nichts dagegen, wenn es der Polizei gelänge, Hölz zu fangen und zu beseitigen. Sie wären nur gegen eine bewaffnete Aktion der Regierung. Weiter zeigte unser Genosse an Hand des Abänderungs-Antrages zum Republik-Schutzgesetz, gestellt von den k.p.d. -Abgeordneten Meier und Könen anlaßlich des Rathenau-Mordes, daß die k.p.d. kein Recht hat, die Freilassung der Gefangenen zu forndern, denn dieser Gesetzes-Antrag verlangte die Bestrafung aller Vergehen gegen die Republik. Ebenso wurde durch die Unterzeichnung des Bielefelder Abkommens durch Höllein und Pie[c]k erneut die legale Handhabe, die Gefängnisse und Zuchthäuser der Deutschen Republik zu füllen. Unsere Genosse zeigte den Arbeitern, daß alle Opfer, die gebracht werden, um die politischen Gefangene zu befreien oder deren Los zu erleichtern, hinfällig sind, wenn die k.p.d. zu jeder Zeit bereit ist, sozialdemokratisch-bürgerliche Regierungen zu unterstützen – Sachsen, Mecklenburg.
Diese gleichen Verrätereien werden ebenfalls von der Komintern ausgefüht. Es vergeht kein Jahr, wo nicht in Italien sowie in der Türkei Hunderte von Kommunisten gefoltert und gehenkt werden. Die russische Ausenminister Tschitscherin erklärt aller Welt, daß er mit der angefühten Staaten in besten Freundschaftsverhältnis stehe. Im Frühjahr 1926 wurde Tschitscherin zu Ehren in Warschau vom polnischen Staatsministerium ein Bankett veranstaltet, im November des gleichen Jahres wurde der Kommunist Bily wegen Hochverrat in Warschau hingerichtet. Alles Tatsachen, die dem Proletariat zur Genüge beweisen, wie sehr die russisch-außenpolitischen Notwendigkeiten im Gegensetz zu den Interessen des Proletariats den Interessen der Revolution stehen. Und daß das Proletariat nicht eher imstande ist, die Waffe des Bürgerkrieges mit Erfolg zu benutzen, ehe sie nicht den Einfluß der russischen Kulakiregierung in Gestalt der dritten Internationale in den eigenen Reihen ausgemerzt hat, nicht mit der „Roten Hilfe“, wie sie die k.p.d. auffäßt, um mit den starken Argumenten der Schinken und Würste ehrliche Revolutionäre im Sinne der dritten Internationale zu korrumpieren.
Unser Genosse schloß seine Ausführungen mit dem Ruf. Erst wenn das Proletariat sich erhebt, werden die Zuchthausmauern der von der k.p.d. zu allen Zeiten geschützten Republik fallen.
Bernard Könen, ein Bruder des Zuchthaus-Antragstellers, versuchte mit schwachen Wiederlegungen den Eindruck, den die Ausführungen unseres Genossen unter den k.p.d.-Arbeitern hervorgerufen hatten, abzuschwächen, „einfluslose Sekte“, das war sein Hauptschlagwort, als wenn mit der augenblicklichen zahlenmäßigen Schwäche einer rev. Or. der Sektencharakter bewiesen wäre, immerhin, waren aber seine sonstigen Ausführungen sachlicher Natur, als die des großspurigen Referenten im Schlußwort. Selbiger versuchte mit den gemeinsten Mitteln der Verleumdung die k.a.p.[d.] zu verunglimpfen. Max Hölz sei in einem Berliner Kaffeehaus durch einen k.a.p.[d.]-Spitzel verraten worden. Ferner habe die k.a.p.[d.] die von ihr gesammelten Gelder für Max Hölz unterschlagen. Alles Behauptungen, für die er nicht den geringsten Nachweis liefern konnte und somit kläglich in sich zusammenfielen. Der Verlauf der Versammlung war für uns ein Erfolg, brachten doch viele einsichtige Arbeiter durch mannhaftes Auftreten die Ruhestörer bei den Ausführungen unseres Genossen zur Raison. Ein Beweis, daß der Gedanke der k.a.p.[d.] auch in Merseburg wieder Fuß gefaßt hat.“

Transkription 23. Februar 2017, Quelle:  Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, 8. Jahrgang, 1927, Nr. 1, Januar


Max Hölz und die k.p.d.
Die Amnestie

Von der Herrlichkeiten der neuesten Reichsregierung der Deutschen Republik, mit denen diese das Proletariat beschenkte, wird als Prunckstück die Amnestie gepriesen. In der Tat erhalten eine Reihe politischer proletarischer Gefangener die Freiheit, vom Zuchthaus in die inzwischen stark rationalisierten Betriebe zurückzukehren, sofern sie nicht erst als Arbeitslose monatelang den Fortschritt von dieser Seite zuerst kennen lernen. Sie verlassen die Zuchthäuser und Gefängnisse der Bourgeoisie – soweit nicht die nach Belieben dehnbaren Ausnahmebestimmungen dieser Amnestie ihnen von neuem zum Verhängnis werden – nicht durch die Kraft des Proletariats, sondern die Bourgeoisie entläßt sie, weil sie das Proletariat nicht fürchter; und erst recht nicht die politischen Gefangenen des Proletariats selbst, von denen sie annimmt, daß die jahrelange Qual des Zuchthauses nicht spurlos an ihnen vorübergegangen ist.
Die Sozialdemokratie hat sich diese „Wohltat“ sein säuberlich aufgespart. Einen „Schlager“ mußte man schon auf Lager haben, wenn man die Sessel der Regierung von neuem besteigt. Ansonsten sieht es nämlich arm aus, selbst um scheinbare Erfolge. Die „Senkung“ der Lohnsteuer läßt dem Arbeiter beileibe nicht so viel Pfennige mehr, als die Preise in einem einzigen Monat um Groschen geklettert sind. Diese nicht erwähnenswerten Bettelpfennige hat man aufgemacht, groß und breit, ja weil die Großbourgeoisie der Sozialdemokratie nicht das letzte Mittel aus der Hand schlagen möchte, die Arbeitermassen and die Politik des Burgfriedens zu fesseln. Dann sollen keine Todesurteile mehr vollstreckt werden, so lange das Proletariat sich ohne Murren der Schlichtungspeitsche und den Folgen der kapitalistische Krise willig fügt. Dann ist ja immer noch Zeit, die zu erschießen, die „weitergehen!“ Den lebenslänglich zur Arbeitslosigkeit Verurteilten hat man die „Krisenfürsorge“ auf 39 Wochen amtlich bescheinigt, was nachdem wird, ist dasselbe, als das, was vordem schon war. Aber, so mögen die Wohltäter denken über die Opfer einer Gesellschaftsordnung, die ihre arbeitswilligen Sklaven durch die Maschine massenweise verdrämgt: es verhunmgert sich auf längere Frist ein bißchen besser.
Eigentlich hatte man noch vor, den Geburtstag dieser staatlichen Grundlage, auf der alle diese Blütenträume reiften, als staatlichen Grundlage, als staatlichen Feiertag zu proklamieren. Nicht etwa den 9. November als den Tag, an dem die alte Monarchie zusammenbrach. Nein, die Schmach, das bringen selbst die Sozialdemokraten nicht übers Herz. Aber geboren wurden die Hindenburg-Republik, wenn auch gegen den Willen der „Völkerbefreiender“ am 9. November. Oetät vor der glorreichen Vergangenheit des Vaterlandes hinderte die Sozialdemokraten daran, ihre Brotgeber mit einem solch absurden Gedanken zu quälen. So hat man über den Tag der Taufe, den 11. August, diskutiert, an dem der Grabstein für die proletarische Revolution in Deutschland gesetzt wurde. Nun warten hunderttausende von Proletariern auf den feierlichen Entscheid des Rechtsausschusses des Reichstages darüber, ob sie den Tag festlich begehen dürfen, an dem die Herrschaft der Bourgeoisie über das Proletariat von neuem heilig gesprochen wurde, nachdem alle Widersprenstigen erledigt waren. Eine Witzbolde der „Linke“ wollten sogat den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag haben, was die „rechten“ Sozialdemokraten nutürlich entrüstet ablehnten. Den 1. Mai sagte allen Ernstes ihr redner im Reichstag, soll nicht dadurch entheiligt werden, daß ihm das Bürgertum durch Proklamierung zu einem Nationalfeiertag seinen Kampfcharakter nimmt. Man sieht, daß die Sozialdemokratie sich auch in scheinbar ausweglosen Situationen zurechtfindet, eund sei es auch nur, indem sie versucht, die Gallerie durch einen plumpen Witz zu verblüffen.
Übrig blieb also die Amnestie – die schon vom alten Reichstag zumindest in genau demselben Umfange zu haben [?]ewesen wäre. Man hat sich damals die Ausrede zurechtgemacht, daß man die Mörder Rathenaus, Erzbergers usw. nicht einbeziehen könne, selbst um den Preis nicht, daß die proletarische Gefangenen auch drin bleiben. Das wird nun zwar durch diese Amnestie auch nicht verhüter werden. Aber darauf kommt es ja auch nicht, sondern darauf, daß die Sozialdemokratie nicht miet leeren Händen dasteht, wenn der Reichstag in die Sommerferien geht. Irgendwie mußte man doch sehen, wie man zu Erfolgen kommt, und hier lag eine Frage offen, worüber es fast keine Gegensetze mit den kapitalistischen Parteien mehr gab.
Das deutsche Kapital hat die Herrschaftsgewalt über das Proletariat auf allen Gebieten und in allen Einzelheiten gesetzlich geordnet. Das Proletariat is gewöhnt an das laufende Band, ist gewöhnt an die Schlichtungspeitsche, ist gewöhnt and das fortwährende Sinken des Reallohnes. Es ist wieder in die Gewerkschaften gesperrt und befindet sich in der alten Abhängigkeit, geistig und organisatorisch, als zu der Zeit, als es als einige Masse zur Schlachtbank gefüht wurde. Es ist zahm geworden, und die Herren lockern ein wenig die Fesseln. Es ist ja eine kleinigkeit, die Verließe der deutschen Republik ein bißchen zu öffnen, wo man morgen schon die doppelte Zahl festsetzen kann, wenn der Riese Miene machen sollte, widersprnstig zu werden.
Das ist die wichtigste Frage, die nicht vergessen werden darf. Im Kampf des Proletariats gegen seinen historischen Feind gibt es keine Amnestie: es gibt nur Sieg oder Niederlage. Die Partei, die sich ebenfalls „kommunistisch“ nennt, und die dem Proletariat einredet, daß der „Druck der Massen“ die Kerkertore geöffnet habe, verschweigt dem Proletariat, daß die weiße Justiz sofort anfängt zu wuten, wenn der Druck des Proletariats einsetzt.
Ihr aufgezogener Jahrmarktsrummel soll die Tatsache verschleiern, daß sie selbst auch in dieser Frage eine Epoche liquidieren will, in der der Putschismus als Gegenpol des Parlamentarismus den bürokratischen Spießern des „revolutionären Parlamentarismus“ manches unruhige Stündchen verschaffte. Die freundschatlichen Beziehungen des „Arbeiterstaates“ mit dem Kapital schließen in Zukunft auch jene Zweideutigkeit aus, die die Proletarier ins Zuchthaus, die Bonzen in die Bannmeile parlamentarischer Immunität wandern läßt. Noch mehr: Die Rebellen werden selbst zu einer Gefahr der mit der Entwicklung Rußlands notwendig verbundene Verbürgerlichung der III. Internationale. Und die revolutionären Arbeiter, die von der k.p.d.-Bürokratie und ihrer so hysterisch plärrenden „Roten Fahne“ so umjubelt werden, waren vielleicht längst in Sibirien – wenn sie in Rußland wären. Die k.p.d. will endgültig ihren Frieden machen mit der Bourgeoisie, das ist der Sinn ihrer Amnestiekampagne. Sie kennt, wie alle „wahren Kommunistenfresser“ nur noch eine Gefahr – „die linke Gefahr“.
Diese Komödie zu entlarven, ist genau so notwendig, wie darauf hinzuweisen, daß dem Proletariat neuer Kampf und neue Opfer nicht erspart bleiben. Es kann auch in Zukunft nicht vor dem Kampf zurückschrecken, der Opfer Wegen. Die Opfer bringt es auch ohne Kampf jeden Tag, und unerhört an Zahl. Millionen Arbeitsloser werden schon jetzt von der Wirtschaftskrise zermalmt, vernichtet. Millionen in einigen Jahren am laufenden Band erledigt. Und von neuem zeigen sich am politischen Horizont die Konturen der sich verschärfenden Wirtschaftskrise, wie die Ausweglosigkeit der Bourgeoisie auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens immer deutlicher, die drückende Last auf den Schultern des Proletariats immer drückender wird.
Den gordischen Knoten der sich immer mehr verschlingenden Anarchie vermag das Proletariats jedoch nich zu zerhauen mit Selbstäuschung, mit parlamentarischem Budenzauber, mit Selbstkasteiung, indem es sich an die gelben Gewerkschaften klammert, und so seine Hilflosigkeit demonstriert. Sondern nur, wenn es als Klasse erwacht, sich als Klasse in den Betrieben organisiert, aus den Betrieben heraus aufsteht mit dem Ziel der Expropriation der Expropriateure.“

Der Wiederstandene Liebknecht und der „Räuberhauptman“ Max Hölz
Max Hölz ist frei! Vier Tage ist es her, daß die „Rote Hilfe“ die bevorstehende Freilassung von Max Hölz auf Grund der klaren und eindeutigen Rechtslage bekanntgab. Wohl in ganz Deutschland atmeten die Arbeiter auf, als die hörten, daß nach sieben Jahren Zuchthausqual endlich die Stunde der Befreiung dür dieses tapfere Kämpferherz geschlagen hat.
Max Hölz – in welches Arbeiters Brust weckt nicht dieser Name Wiederhall? Erinnert Ihr Euch, wie er vor dem Ausnahmegericht stand, furchtlos und unerschrocken, mit glühender revolutionärer Leidenschaft, ein wiederstandener Karl Liebknecht, proletarischer Revolutionär, der nicht einen Augenblick daran dachte, daß die Bourgeoisie seinen Kopf forderte, sondern dem es nur darum ging, der bürgerlichen Gesellschaft und der bürgerlichen Klassenjustiz die Maske vom Gesicht zu reißen und sie anzuklagen.
Max Hölz, gehetzt durch ganz Deutschland, mit einem Riesenapparat von Kopfprämien, von gekauften Aussagen, von verleumderischen Zeugen, von rechtsbrechende Richtern und Staatsanwälten, nun vor das Ausnahmetribunal geschleppt. Max Hölz war kein Angeklagter, er war der Ankläger und auf der Anklagebank saß die Bourgeoisie, saß die bürgerliche Republik, saß die bürgerliche Gesellschaft!
Und dann: „sieben lange Jahre, in denen er ungebrochen, mit eiserner Energie seinen revolutionären Kampf als Zuchthäusler weiterführte. Keine Martern des kapitalistischen Strafvollzuges, der jahrelang sich mit besonderer Rohheit und Brutalität gegen ihn austobte, keine Enttäuschungen durch immer neuen Amnestieverrat der Sozialdemokratie vermochten seine Willenskraft, sein revolutionäres Kämpferherz zu erschüttern. Max Hölz blieb, was er als Kämpfer in den Jahren des Aufstandes und als Angeklagter vor dem Ausnahmegericht gewesen war: ein aufrichter Revolutionär der Arbeiterklasse, ein Kommunist!“ („Rote Fahne“ von 19. Juli 1928.)
Den proletarischen politischen Gefangenen wird von der k.p.d. ein Empfang bereitet, der an Feierlichkeit vielleicht nur durch den Empfang Amannullahs in Moskou übertroffen werde. Dieses innerlich verlogene Schauspiel verpflichtet das revolutionäre Proletariat, mit dem Willkommensgruß, den es von ganzem Herzen den Opfern der Klassenjustiz entgegenruft, das Verlangen an sie zu verbinden, sich zu überlegen, ob sie ihr revoutionäres Prestige für nicht wertvoller halten als es in den Dienst der konterrevolutionären Machinationen der Moskauer Drahtzieher und ihrer bezahlten Schauspieler stellen zu lassen. Denn die Partei der Granatengeschäfte miet der deutschen Reichswehr spekuliert mit ihrer ekelhaften Verhimmelung proletarischer Kämpfer wie in allen Fragen des proletarischen Klassenkampfes auf die Dummheit der Massen. Sie hat Max Hölz, als er um seinen Kopf kämpfte, wenn auch in einer außerordentlich raffinierten Weisen, so doch für jedermann deutlich genug als Räuberhauptmann denunziert und über ihn den Stab gebrochen mit dem salomonischen Urteil: Max Hölz ist nie Kommunist gewesen!
Die k.p.d. feiert nicht den Max Hölz, der feige, wie Heinrich Brandler, die Aktion des Proletariats und seine Prinzipien verriet mmit dem „kommunistischen“ Bekenntnis: „Was die k.a.p.[d.] tut, für die Diktatur des Proletariats zu kämpfen, das kann man uns (der k.p.d.) doch nicht in die Schuhe schieben, dafür kann die k.p.d. doch nicht verantwortlich gemacht werden.“ Die k.p.d. feiert in Max Hölz nicht den „Kommunisten“, der auf dem Boden der Thalheimer und Pieck „kämpft“ – auf diesem Boden gibt es nur die Phrase. Sie versucht, für ihren Amannulah- und Granatenkurs dem einst bespienen „Räuberhauptmann“ die „nie Kommunist war“ un der gerade deswegen „in jeder revolutionären Arbeiterbrust Widerhall weckt“, weil er himmelhoch emporragte über die „Kommunisten“, die gerade da von ihm abrückten, als er um seinen Kopf kämpfte, auszuschlachten.
Sie haben ihn fallen lassen in der „Roten Fahnen“, haben ihn fallen lassen, wo immer sie konnten, weil sie sich vor der Bourgeoisie nicht „komprimitieren“ wollten. Heute versuchen sie gerade das, wovor sie damals feige zitterten und was sie verleugneten, in den Mittelpunkt ihres Schauspiels zu stellen, am durch diese Verlogenheit ihren Parteikarren in Bewegung zu halten. Warum es der k.p.d. gelang, einen Max Hölz und viele andere auf ihre politische „Linie“ zu bringen, begreift jeder Mensch der sich hineindenkt in die Lage von Menschen, hinter denen sich die Zuchthaustore scheinbar für immer schließen. Sie greifen dann auch zu dem Strohhalm parlamentarischer Hilfe, und wir sind nicht borniert genug, über einen den Stab zu brechen, der solches tut, wenn er hoffnungslos hinter den Gittern der Bourgeoisie schmachtet. Doch kamen vor kurzem, und auch vordem schon einige wieder, die sich nicht beugten, und die auch über ein halbes Jahrzehnt dort waren, wo Hölz und Genossen herkamen. Sie sind auch prinzipeill die „Räuber“ geblieben und sind ohne großes Geschrei in die Reihen zurückgekehrt, von wo sie gingen, in die k.a.p.d., als deren Mitglied Hölz einst von der Häschern gefangen wurde.
Es sind der Jahre nicht wenige, die zwischen dem einst den ersten stürmischen Versuchen des revolutionären Proletariats, die kapitalistische Zwingburg zu erschütteren und niederzureißen, und dem Heute, den ideologischen und organisatorischen Folgen der Großen Niederlage liegen. Und ihnen, die da kommen, ist der Kopf so voll, die Begeisterung auch der k.p.d.-arbeiter ist echt, und die Bürokraten wissen die Feste zu feiern, wie sie Fallen. Dann treten aber die großen Fragen alle auch an sie heran. Die Revolution verlangt auch von ihnen Antwort. – und auch das revolutionäre Proletariat.
Vorerst jedoch begnügen wir uns,ein Urteil der k.p.d. über den „wiedererstandene Liebknecht“ um seine Kopf kämpfte, das mag für die Schauspieler nicht angenehm sein. – aber die Revolution ist ja wohl keine Angelegenheit von Schauspielern, sonder eine solche denkender Arbeiter.
Die „Internationale“ vom 1. Juni 1920, das Organ der Zentrale der k.p.d., brachte damals folgenden Artikel:
Hölz
Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit! – Mörder, Räuber! Mit diesen Worten war das Gesetz, unter meine Füße gerollt.
Karl Moor in Schillers „Rauber“.
Er nannte sich in dem Mandat, das er bei dieser Gelegenheit ausstreute, „einen Statthalter Michaels, des Erzengels, der Gekommen sei, un allen, die in dieser Streitfrage des Junckers Partei ergreifen würden, mit Feuer und Schwert die Arglist, in die die ganze Welt versunken sei, zu bestrafen.“ … Das Mandat war mit einer Art von Verzückung unterzeichnet: „Gegeben auf dem Sitz unserer provisorischen Weltregierung, dem Erzschlosse zu Lützen.“
Kleist: Michael Kohlhaas.
Wir wissen nicht, ob Max Hölz die Gefahr reizt, ob ihn das grause Spiel lockt, in dem nicht un Pfeffernüsse, sondern um Kopfe – um seinen Kopf – gespielt wird, wir wissen auch nicht, ob ihn ein fanatischer Sinn für das Recht treibt, der den Michael Kohlhaas getrieben hat. Und das alles ist auch gleichgultig für uns, die den Fall Hölz nicht psychologisch und nicht juristisch, sondern politisch zu behandeln haben. Denn politisch wirkt ja keiner als das, was er ist, sondern als das, was er zu sein scheint, das was gewollt oder ungewollt, bewußt oder unbewußt, er Freund oder Feind bedeutet. So müssen wir den Fall Max Hölz behandeln.
Es ist kein Zufall, daß es im Vogtlande war. Da sitzen seit Jahrhunderten die Weber: in kleinen Hütten, gebeugt über den Stuhl, in stickiger Luft, in Hunger und Not Saßen sie geschlechterlang. Und aus dem Surren der Spindel und aus dem Schlagen des Schiffchens hörten die vielen Geschlechter, die in Langem Reigen sich folgten, das Lied, daß auch ihr Blick nicht mehr gesenkt, sondern frei und offen sein werde. Auf das ewige Hin und Her des Schiffchens starrten die Augen: die ahesn[?] nach außen gewandt nur Elend und Not, sie sahen nach innen gerichtet den blühenden Garten Edens, der auch seine verstoßenen Kinder wieder aufnehme zu einem seligen Leben. Proletarierträume, „wiegenliedheimliches Singen“. Urgedanken, wie sie von altersher aufstiegen in der Brust der seit Jahrtausenden Ausgestoßenen.
Und drum herum rauschen die böhmischen Wälder. Der Wald, der großer Kinder funkelnde Phantasie gefüllt hat mit allen Spukgestaten, mit Zwergen und mit Riesen, mit Geistern und Gespenstern, mit unbekannten Schrecknissen, mit unbekannten Schrecknissen und unbekannten Gütigen. Und im Walde abusen die Räuber. Sie sind die Furcht des großen und reichen Kaufmanns, der mit gekauften Gütern, mit Sack und Pack durch die Wälder zieht und dem der große Räuber nimmt, was er, der Kaufmann, andern abgenommen. Den Armen aber ist der Räuber kein Schrecken. Ihm, dem ja nichts zu nehmen ist, ist der große Räuber der gütige Freund: dem armen Mütterlein, das die Last dürren Holzes auf dürren Schultern nach Hause schleppt, trägt er das Bündel; der bleichen Frau, die zu Hause das Kind in Krämpfen zu liegen hat, dem Tode nah, gibt er den Taler, von dem sie Artz und Medizin bezahlen kann; dem armen Kindlein, das auf der einsamen Straße weint, weil es den Pfennig verloren hat, schenkt er den güldenen Dukaten. Und spendet Trost un Hilfe und sein Segen all denen, die verstoßen zu sein von allen anderen zütigen Göttern. Ja, er ist das Korrektiv dieser schlechtesten aller Welten. Er, der selbst Verstoßene, sieht tiefer in die Herzen der armen kleinen Leute, er kennt ihre Not, ihr Leid und ihre Tränen. Er ist est, zu dem die kleinen Leute eher noch ihre Schmerzen tragen, als zum lieben Gott selber: denn a[u]ch: der thront ja so ferm, ist ja doch im Wesen mur ein Herrgott für die reichen Leute.
In ein solches Land, in eine solche Welt, in der vielleicht als[?] diese Sagen und Märchen und all den Kinderglauben nicht mehr auf den Lippen ist, in der aber doch die Großmutter sie noch auf den Enkeln auf den Knien erzählen und in der unter der Decke des Verstandes die Träume noch immer schlummern, die so viele Jahre und Jahrzehnte wach gewesen waren: in solch eine Welt tritt nun einer, der das Herz auf dem rechten Pleck hat. Der Mut und feste geradeaus geht, der in die Städte rückt mit einer kleiner Schar handfester Gesellen, und Bürgermeister mit samt dem Rat beschlagnahmt. Der auf die Märkte geht und den Wucherern die Eier un die Kartoffeln wegnimmt und sie zu billigen Preis den armen Leuten verteilen läßt. Der allen Verleumdungsmäulern der Preßbanditen draufhaut, daß ihnen die Sprache vergeht, indem er Setzkästen mit den Maschinen zum Teufel gehen läßt. Der sieben Gendarmen, die ihn fassen wollen, mit ruhigem Lächeln die Handgranate unter die Nase hält und sie einlädt, gemeinsam mit ihm die Reise ins große Unbekannte anzutreten. Kurzum: einer, der auf zwei Beinen steht, keiner von den Kerls, „die in Ohnmacht fallen, wenn sie einen Buben gemacht haben“ (um mit Schiller zu reden). Was Wunder, wenn da, wie die Quelle aus dem gespringten Felsen mit einemmal all die geheimen Gedanken, der Kinderglauben und die Großmütterträume wieder aufstiegen aus den Schluchten des Unterbewußtseins? Das ist kein Wunder und es ist auch kein Wunder, wenn in dem Manne selbst von Stunde an die Auffassung von Wert und Umfang seines Werkes wuchs. Wir wissen nicht, womit Max Hölz begonnen hat. Wir wissen nur das eine: daß er „wuchs mit seinen höheren Zwecken“. Der ursprünglich nur ein Mann gewesen war, in Reih und Glied mit dem Proletariat, ein Mann wie andere auch, der dann der Führer war einer kleinen kecken Schar, der ward, getragen von der Sympathie all der kleinen Leute, so etwas wie ein ungekrönter König des Vogtlandes. Ja noch mehr: es kam ihm ja nicht auf Ehren und Kronen an, es kam ihm darauf an, das Leid der vielen, die ihm anhingen zu lindern, „da zu nehmen, wo etwas ist, und es dahin zu tun, wo nichts ist.“ Er war drauf und dran, mit fünfzig oder hundert, oder wer weiß wieviel Mann den gesamten Bau der Welt zu ändern.
Die bourgeoisie hat solche Männer gern. Sie hat sie gern auf dem Theater und dem Film, da läßt die Bourgeoisie geruhig Phantasie und Moral sich austoben. Und in allen Mädchenpersionaten Mittel- unde Westeuropas würden die blondesten Mädchen zu schwärmen beginnen von solch einem „ganzen Kerl“. Im tätigen Leben aber ist die Bourgeoisie empfindlicher gegen solche Gestalten. Wo der Beutel anfängt, hört für sie die Gemütlichkeit auf. Hier bringt sie alle Versuche, sich an dem Portemonnaie der Besitzenden und an der Heiligkeit und Unverletzlichkeit des Besitzes zu vergreifen, unter die gemeinsame Formel: Räuber, Mörder!
Es ist natürlich ganz klar und bedarf keines Wortes, daß wir uns diese Gedanken zu eigen machen. Wir machen die Bedenken geltend von seiten des Proletariats. Denn wie wir schon sagten, der Fall Hölz wuchs aus zu einem Versuch, die sozialen Grundlagen dieser Welt zu "andern und mit einer kühnen Tat das zu vollbringen, worum seit Jahrhunderten schon die besten Völer sich gemüht hatten. Und arum war es keine revolutionäre Tat, als Hölz im Vogtlande versuchte, mit wenig braven Genossen der Heiland des Proletariats auf Erden sein zu wollen. Und darum war es auch nichts Revolutionäres, als die müden und gedrückten Proletarier des Vogtlandes leuchtenden Augen aufschauten zu dem Manne, der „nahm, wo etwas war und gab, wo nichts war“. Er war nichts Revolutionäres; denn es war nicht die klare Einsicht und der starke Wille, als Klasse die Welt neu aufbauen zu wollen; es waren ja nur die alten verschütteten Träume, der Kinderglauben vergangener Jahrhunderte, der noch einmal in diese Zeit hineinleuchtete.
Es ist ein Abschied, ein letzter Abschied an versunkenes Proletarierhoffen, das noch einmal hineinspielte in diese Zeit, die angefüllt ist nicht von Proletarierhoffen, sonder vom Proletarierwillen. Und Max Hölz mag wohl den Namen tragen dieser letzten proletarischen Utopien.
Wären wir ein Dichter, wir würden ein Drama schreiben über die „letzte Glut, verrauscht in Wunschgestalten“.
Wären wir ein junges Mädchen, wir würden ihn einschließen und ausschmücken mit allen Jungmädchenträumen.
Weil wir aber nicht Dichter sind und nicht ein junges Mädchen, weil wir Politiker sind, müssen wir sagen: ein Kommunist war Max Hölz nicht, und ein Rückfall in Utopien bedeutet für die Revolution keinen Fortschritt, sondern einen Schaden.“

Transkription 23. Februar 2017, Quelle:  Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, 9. Jahrgang, 1928, Nr. 45, Juli


Max Hölz und sein Weg
Wir haben an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen, daß die „Amnestie“ kein Ergebnis des „Druckes“ der Massen war. Wenn wir es wiederholen, so deswegen, weil die, die ihre Nervosität für Aktivität des Proletariats halten, fortfahren, dieses Lied zu singen, trotzdem jeder, der nicht mit Blindheit geschlagen ist, sieht, daß die Masse des Proletariats nie geduldiger die Schläge ihrer Klassenfeinde über sich ergehen ließ wie Heute. Er was kein „Druck“, der die Türen zu den Zuchthäusern aufriß; keine einzige Industrie, kein einziger Betrieb, auch keine Partei von jenen, die die „Amnestie“ für sich als Erfolg zu buchen versuchen, hat auch nur mit dem Gedanken gespielt, durch Mittel, die wirklich „drückend“ hätten werden können, das zu erzwingen, was man angeblich „erzwungen“ hat. – Von einem Streik, von dem Mittel der Arbeitsverweigerung was nirgends die Rede. Diese erste elementare Außerung proletarischer Kampfsolidarität stand nirgens auf der Tagesordnung. Und gerade deswegen, weil die Bourgeoisie sich stark genug fühlt, erlaubt sie sich diese Geste der „Gnade“. Sie glaubt das Proletariat nedergezwungen und wendet den Trick an, durch diese ihre „Gnade“ das Proletariat mit der kapitalistischen Republik auszusöhnen, ihm auf diesem Wege den „Vorteil“ der Koalitionspolitik zu beweisen. Die Peitsche der Arbeitslosigkeit und der Rationalisierung, die unentwegt auf das Proletariat niedersaust, wird etwas schmackhaft zu machen versucht, durch ein zwischendurch gereichtes Zuckerbrot. Die Bourgeoisie hat keine Veranlassung, den aus der verschärften Ausbeutung des Proletariats bedingten Haß desselben künstlich zu steigern. Sie nimmt ihm die Wirkung, wo immer eine Möglichkeit dafür gegeben ist, weil der Wirrwarr der kapitalistischen Anarchie schon so genügend Quellen für steigende Unruhe der niedergehaltenen Sklaven in sich birgt.
Und deswegen, weil die Amnestie nicht das Resultat einer proletarischen Aktion war, ist auch der Streit müßig, ob nun die s.p.d. oder die k.p.d. den größten „Anteil“ an dem Befreierwerk habe. Die Bourgeoisie war schon im alten Reichtag bereit das zu tun, was nun im neuen geschah. Angeblich hatte die s.p.d. den Akt der Befreiung verhindert. Wenn sie das konnte, kann der „Druck“ der Massen eingestandenmaßen nicht stark gewesen sein, denn er hatte nicht einmal genügt, die s.p.d. zu dem zu „zwingen“, wogegen die Bourgeoisie kein Bedenken mehr trug. So wurde die Amnestie zu einem parlamentarisch-diplomatischen Geschäft. Der Streit der beiden sozialdemokratischen Parlamentfraktionen tummelt sich in den Niederungen des parlamentarischen Kretinismus, der den Kampf der Massen durch radikale Parlamentarier „ersetzt“. An die Stelle der gesellschaftliche Kräfte des Kampfes der Klassen treten nach dieser Interpretation die „großen Führer“; eine Politik, die dort landen muß, wo die s.p.d. heute gelandet ist: daß die Klassengegensätze, die nicht einmal mehr scheinbar zu überbrücken sind, und die noch nicht einmal vorübergehend eine Koalition zulassen, gemeistert werden mit „Persönlichkeiten“, deren persönliche Geschicklichkeit und Fähigkeit in den Künsten der Diplomatie den Kampf der Klassen ersetzt. Diese vollkommen bürgerliche Auffassung, die ein Hohn auf alle revolutionären Grundsätze ist, ist der Sinn des ganzen „Kampf“-geschreis auch der k.p.d., miet der natürlichen Konzequenz, daß wir eines schönen Tages vielleicht durch den „Kampf“ der „großen Männer“, die nach Feierabend von den Massen, die anderntags wieder brav zur Arbeit gehen, hineingeführt werden in den „Sozialismus“, ohne daß den Massen eine andere Mission zufällt, als nach Feierabend „hoch“ und „nieder“ zu rufen.
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Wir wissen nicht, ob Max Hölz vielleicht selbst so stark von der Illusion beherrscht ist, daß er annimmt, daß die Kräfte, auf denen er schwimmt, und die ihm die Sinne etwas verwirrt haben mögen, die Kräfte sind, die ihn und die anderen befreit hätten. Wir wissen nicht, ob er den Sinn dieses Hosianna verseht, das ihn betäubt. Wir nehmen diese zu seinen Gunsten nicht an. Wir nehmen zu seinen Gunsten an, daß er nicht nur nicht die Kraft hat, sich als kritischer Revolutionär das eigene Urteil gegenüber dem äußerlich grandiosen Film, in dem er die Hauptrolle spielt, zu bewahren, geschweige denn die wirklich gewegenden Kräfte hinter den Kulissen zu erkennen. Wir sagen, wir nehmen das zu seinen Gunsten an, trotzdem wir uns über das damit ausgesprochene Urteil im klaren sind. Denn wüßte er, was er tut, dann wäre Hölz kein politisches Problem mehr; noch weniger, er wäre nicht einmal mehr ein psychologisches Problem.
Die Geschichte der proletarischen Revolution ist reich an Illystrationen für die marxistische Binsenwahrheit, daß eine revolutionäre Tradition allein kein sicheres Schiff ist, um mit Hilfe desselben die Probleme der Revolution zu umsegeln, ihnen auszuweichen. Das mußten vor Hölz schon andere, im dem Sinne noch „Größere“ erfahren. Wir erinnern an Trozky, den Mann, die auf dem III. Weltkongreß die Märzaktion als ein Verbrechen bezeichnete. Seine Tradition hat nicht genügt, um ihn der damals schon und lange nachdem noch die Zweiklassentheorie Lenins gegen den revolutionären Kommunismus, gegen die „Kinderkrankheit“ verteitigte, vor der Verbannung nach Sibirien zu retten, weil er nicht bedingungslos den Kurs steuern wollte, den die russische Regierungsbürokratie deswegen für notwendig hielt, weil die ökonomischen Kräfte jeder menschlichen Autorität spotten, die sich ihnen entgegenstellt. Da solches schon am grünen Holz möglich ist, die Urbahns usw. noch rascher von ihrem Sockel stürzten, auf dem sie, so lange sie alle Schwankungen der kapitalistischen Politik Rußlands bedingungslos mitmachten, so sicher standen. Es scheint, daß Max Hölz ahnt, was ihm bevorsteht, – anders ist seine völlig bedingungslose Kapitulation vor seiner eigenen Vergangenheit nicht zu begreifen.
Damit erwächst für das revolutionäre Proletariat auch hier die Pflicht des „Aussprechen, was ist“. Es hat schon viele kommen und gehen sehen in die Kerker der Bourgeoisie. Manche wurden physisch und geistig vernichtet. Viele kamen ungebrochen wieder und haben mit der größten Selbstverständlichkeit das fortgesetzt, was sie als kritische Revolutionäre für notwendig im Interesse der Revolution hielten. Und wenn unter ihnen Genossen sind, deren grundsätzliche Einstelling wir nicht teilen – die aber ihre Gesinnung nicht für äußerliche Herrlichkeiten verleugnen – wie z.B. Erich Mühsam – dann erzwingen sie sich ungeachtet dessen die Achtung des revolutionären Proletariats. Sie erzwingen sie deswegen, weil sie auf die Fragen des Kampfes ihrer Klasse, mit der sie sich verbunden fühlen, eine Antwort geben.
Sollte Max Hölz nicht bekannt sein, daß unter Beibehaltung der Lohnarbeit – wie in Rußland – und damit der Ausbeutung des Proletariats durch das Kapital kein „Sozialismus“ aufgebaut werden kann? Sollte ihm nicht bekannt sein, daß die besten der russischen Arbeiter in den russischen Gefängnissen sitzen, nur weil sie die Zweiklassentheorie Lenins ablehnen, die Arbeitsgemeinschaft mit der Bourgeoisie, den Burgfrieden mit der Bourgeoisie? Sollte ihm nicht bekannt sein, daß Rußland aus den außenpolitischen Beweggründen, die nur aus den kapitalistischen Bedürfnissen Rußlands selbst zu erklären sind, das chinesische Proletariat der Kuomintang opferte? Sollte ihm nicht bekannt sein, daß Kemal Pascha, der Despot der Türkei für Rußland wertvoller ist, als die Arbeiter, die es aufhängen läßt? Sollte ihm nicht bekannt sein, daß Amannullah in Rußland auf Rosen wandelte, behangen mit dem „Ehrensäbel“ der „Roten Armee“, den man dem Gründer der Roten Armee abnahm, und der in dem Eiswüsten sitzt, in die dauernd revolutionäre Arbeiter wandern, aus der eine faschistische Luftschiffbesatzung zu retten als das „proletarische Weltanschauung“ gefeiert wird? Sollte ihm nicht einleuchten, daß der Kurz der Sektionen Moskaus von den Kräften bestimmt wird, die diesen Wandel in Rußland bedingen, und daß der Marsch nach Amsterdam und die krampfhafte Verteitigung der gelben Gewerkschaften die notwendige Kenzequenz der „freundschaftlichen Beziehungen“ mit dem Weltkapital sind? Sollte er nicht sehen, daß „Disziplin“ um der Disziplin willen, „Kleinarbeit“ um die Kleinarbeit willen den Prinzipien eines Karl Liebknecht, wie er sie um Zuchthaus sowohl als nachdem verkündete und für die er starb, ins Gesicht schlägt? Sollte Hölz niet sehen, daß er „Kampf“, für den er „schwort“, nur ein Kampf ist für die Diskreditierung der revolutionären Grundsätze, und daß diese Diskreditierung nur der Sozialdemokratie zugute kommt? Es ist möglich, daß Max Hölz das nicht sieht. Es ist möglich, daß es für ihn überhaupt keine Probleme gibt. Für das Proletariat jedoch sind diese Fragen Fragen von weltgeschichtlicher und grundsätzlicher Bedeutung. Das Proletariat muß diese Fragen lösen, auch wenn jene, die einmal für das Proletariat kämpften und litten, blind vor diesen Dingen stehen. Oder Max Hölz sieht das alles – und weicht aus, weil er den Absturz fürchtet aus den Höhen des bolschewistischen Himmels, und er läßt sich um äußerlichen Tand[?] willen geistig und seelisch kastrieren, um auf dem Ruhebett vergangener Tradition die Rente seiner Lorbeeren zu verzehren – dann steht die Tat Joffes, der sich kurz entschlossen eine Kugel in den Kopf jagte, weil er nur so noch der korrumpierenden Verfaulung entrinnen konnte, himmelhoch über einen solchen „Ausweg“.
Die unerbitterlichkeit der geschichtlichen Dialektik weist auch all denen, die für ihre Klasse in den Zuchthäusern schmachteten, ihre Funktionen auf dem Schlachtfelde des Klassenkampfes zu. Das revolutionäre Proletariat muß mit seinem Gruß an sie zu gleicher Zeit seine Funtion als Dolmetscher der deutlich sprechenden Tatsachen erfüllen. Diese Pflicht zu versäumen, wäre eben so gefährlich für die Sache, für die es kämpft, als bei einer Feuerbrunst einen Müden nicht zu wecken, weil er notwendig den Schlaf gebraucht.“

Max Hölz und die k.p.d.
Die k.p.d. fährt fort, die widerlichste Propaganda mit Hölz zu entfalten. Sie druckt die gesamte Anklagerede von Max Hölz ab, und feiert in ihm den „wiedererstandenen Liebknecht“. Warum wohl? Weil sie glaubt, daß der „Rauberhauptmann“ sich bekehren läßt, und er eine zugkräftige Reklamefigur für Moskau werden wird. Wir drücken daher im folgenden einige Dokument ab, die diesen Schwindel in das richtige Licht rücken werden:
Klara Zetkin
„Max Hölz war ohne Zweifel ein aufrechter, revolutionärer Kämpfer, der sich selbstlos für die Befreiung der ausgebeuteten Massen eingesetzt hat. Wir „Kommunisten“ sind weit davon entfernt, die Auffassung von den Methoden und Mitteln seines Kampfes zu teilen und zu rechtfertigen. Wir erblicken in den individuellen Terrorakten kein Mittel des revolutionären Klassenkampfes. Individueller Terror kann den revolutionären Klassenkampf weder ersetzen noch ihn einleiten, auslösen, steigern oder irgendwie fördern. Umgekehrt. Er kann unter Umständen schädlich wirken.“ (Klara Zetkin in Reichtag.)
Trotzky
„Wir dürfen die Kritik der Märzaktion nicht phraseologisch verdecken und sind verpflichtet, der deutschen Arbeiterschaft klipp und kla zu sagen, daß wir diese Offensivphilosophie als die größte politische Verbrechen auffassen.“ (Trotzky auf dem III. Kongreß).
Heinrich Brandler
„Wir haben, nachdem die Besetzung (Mitteldeutschland) vorgenommen war, in den Aufrufen die Arbeiter Deutschlands zum Generalstreik aufgefordert um die Mobilisierung zu einem oberschlesischen Kriege eund zu einer kriegerischen Abwehr der Sanktionsmaßnahmen zu verhindern. Das ist der Sinn des Aufrufes zum Generalstreik. Nicht Sturz der Verfassung!
Wenn wir einmal die Macht an uns nehmen wollen, – das ist keine Verteitigungsfrage für mich –, so erst dann, wenn wir die ungeheuere Mehrheit des Proletariats hinter uns haben, und zwar gewählt durch Räte. Wir können doch keine Räteregierung errichten, ehe überhaupt Räte existieren. … Ob in Westeuropa zum Sieg des Proletariats unbedingt und unter allen Umständen die Räteregierung notwendig ist, das kann ich nicht beschwören.
Laßt euch nicht eher zum Abbruch des Kampfes verleiten, ehe ihr nicht die wichtigsten Forderungen der bekannten 8 Punkte durchgeführt habt!
Das ist das Ziel der Märzaktion gewesen, und das ist vom ersten Augenblick an, wo man es herausgegeben hat, als Ziel aufgestellt worden. Was die k.a.p.[d.] tut, die zum Kampf um die Diktatur des Proletariats aufruft, das kann uns doch nicht in die Schuhe geschoben werden, dafür kann ich doch nicht politisch und juristisch verantwortlich gemacht werden!
Dann sage ich Ihnen noch ein, meine Herren! und was ich Ihnen jetzt sage, sage ich nicht etwa, um mich juristisch zu verteitigen, sondern um diesen politisch unsinnigen Auffassungen eingegenzutreten, ehe Sie mir vielleicht, weil Sie ganz falsche Auffassungen vom Kommunismus haben. Jahre meines Lebens entziehen, so daß ich draußen nichts mehr sagen kann, deswegen will ich diese Gelegenheit benützen, um gegen dieses Ungeheuerliche, was man den Kommunisten unterschiebt, unter dem Fallbeil der Sondergerichte zu protestieren: ich sage: Diktatur des Proletariats ist möglich sogar bei Bestehen der Verfassung! Was bedeutet Diktatur des Proletariats? Diktatur des Proletariats bedeutet im Sinne der Kommunistische Internationale, daß die Macht der Arbeiterklasse zum ausschlaggebenden Faktor in der Gesellschaft und im Staate wird. Es kann sein, daß eine Arbeiterregierung vielleicht schon in 14 Tagen in Deutschland möglich ist, und zwar ohne Hochverrat! … Solange die Arbeiter nicht die ganze Staatsmacht haben, wäre das der Anfang der Diktatur, ohne dabei das Eigentumsrecht, das durch die Verfassung garantiert ist, ohne weiteres anzutasten.
Dadurch unterscheiden wir uns eben von den anderen. Wir reden, bei dieser Aktion nicht mal vom Sturz der Regierung, sondern wir machen die Forderungen der 8 Punkte zu den unsrigen, obgleich wir in den Parlamenten den Antrag gestellt und Demonstrationen gemacht haben – die Deutschnationalen auch! –, um diese Regierung zu stürzen. Das werden wir noch häufig tun gegen die bürgerlich-sozialistische Regierungen!“ (Brandler vor dem Ausnahmegericht 1921. – Der Hochverratsprozeß gegen Heinrich Brandler, Frankes Verlag, Berlin 1921.)
Dieser jämmerliche Verrat an der proletarische Sache hat Moskau so imponiert, daß Brandler auf dem s.Zt. tagenden 3. Internationale folgende Resolution angenommen wurde:
„Die Exekutive der Kommunistischen Internationale bekundet ihre uneingeschränkte Solidarität dem tapferen Führer der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands, Gen[osse]. Heinrich Brandler, den ein Ausnahmegericht der Ebert-Republik soeben zu fünf Jahren Festung verurteilt hat.“
Und in Würdigung dieser Verdienst des „tapferen Führers“ wurde dieser auf dem 3. Kongreß Ehrenvorsitzender der 3. Internationale!
Die k.p.d.-Presse über Max Hölz:
Über „Hölz-Delirien“, „Bandenführer“ – „unfruchtbar und klein“.
Wir haben schon in voriger Nummer der „k.a.z.“ das Urteil der k.p.d. über Hölz festgenagelt. Im nachfolgenden drucken wir einen Auszug aus einem Artikel aus dem „Kämpfer“, dem Organ der damaligen v.k.p.d. von Ende Juni 1921 ab, der zur Steuer der geschichtlichen Wahrheit für sich genügend sagt:
„Zum Fall Hölz“
„So wird er (Max Hölz) nicht zum revolutionären Massenführer, sondern zum Führer eines disziplinierten Stoßtrupps, den er um sich zu scharen vermag, wo er die Masse des Proletariats und wo die Masse des Proletariats ihn nicht versteht, so wird er zum Bandenführer, der auf eigene Faust Krieg führ gegen die bürgerliche Welt.
So ist Max Hölz für uns ein aufrechter Mann voll revolutionären Willens, den wir achten und der unsere ungeteilten Sympathien hat, wenn er der bürgerlichen Justizmeute gegenübersteht. So ist aber für uns keineswegs die Verkörperung der revolutionären Tat, die die Menschewisten in ihm hassen, die sie zu treffen wähnen, wenn sie heute in ekelerregenden Wutausbrüchen sich auf den Mann in der Zuchthauskleidung stürzen. Sie beweisen dammit nur, daß sie Wesen und Gesetze der revolutionären Tat genau so wenig oder noch weniger begriffen haben wie Hölz selber, daß für sie einfach alles revolutionäre Tat und hassenswert ist, was schießt und schlägt, und der vollkommenste Man der revolutionären Tat und damit der hassenswerteste der, der mehr schießt als die anderen. Esist das ein Kriterium des wahren Revolutionärs, das diese Leute teilen mögen mit der Polizei und Herrn Weißmann, dem Spitzelchef des bürgerlichen Staates, niemals aber mit Kommunisten.
Den wir vermögen ebensowenig einen Anlaß zu sehen, nunmehr in Hölz-Delirien zu verfallen, wie daß einige Genossen tun, wen zum Beispiel die Berliner k.a.p. in einem von inseren Genossen abgelehnten, aber von der „Roten Fahne“ versehentlich abgedruckten Entwurf zu einem Aufruf, der jetzt die Runde durch die sozialdemokratische Presse macht, die Stirn besitzt, Max Hölz den großen gemordeten Führern der proletarische Revolution, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, gleichzusetzen.
Nein, es war notwendig, wieder festzustellen, wie Hölz zur proletarische Revolution und wie daher der revolutionäre Arbeiter zu Hölz steht. Gegenüber seinen schimpfenden menschewistischen Verbrennern, wie gegenüber seinen Anbetern von heute und gestern sei klar gesagt: wir achten in Max Hölz seinen starken revolutionären Willen, seinen Mut und seine Tatkraft, die ihn hoch über das Gesindel stellt, das bei seiner Verurteilung mit Beschmutzungen und Verleumdungen dem Staatsanwalt der Bourgeoisie die Arbeit erleichterte, ein Kommunist jedoch und ein Vorbild für den proletarischen Kämpfer ist Max Hölz nicht, und das, was seiner Person die Tragik und damit einen Glanz von persönlicher Größe verleiht, läßt ihn in der Geschichte unfruchtbar und klein erscheinen.
Das ist das Urteil der k.p.d. und Moskaus über den „kleinen“ Hölz – und über die eigenen Hölz-Delirien, heute, um billige Parteigeschäfte zu machen.“

Transkription 24. Februar 2017, Quelle:  Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, 9. Jahrgang, 1928, Nr. 46


Die Verräter des mitteldeutschen Aufstandes
Wir haben in den letzten Nummern underen Lesern einen Teil des Materials unterbreitet, aus dem einwandsfrei hervorgeht, wie schamlos und gemein die k.p.d. Max Hölz und die mitteldeutschen Arbeiter verraten hat. Diese Schamlosigkeit wird nur übertroffen durch die Frechheit, aus den Taten Max Hölz für ihren weiteren Verrat and der Revolution Kapital zu schlagen. Den, den sie heute als „wiederstandenen Liebknecht“, ald den „großen Führer“ der Revolution feiert, hat sie während der Taten desselben als Räuberhauptmann verschrien. Nicht nur das. Sie hat ganz unverblümt den Schergen der weißen Konterrevolution Jagdscheine ausgestellt (in Gestalt von Passierscheinen durch die rote Front), hat den Namen von Max Hölz unter Aufrufe gesetzt, in denen sie die Kopfprämie die auf Hölz ausgesetzt war, als zurückgezogen erklärte, um so die Aktion abzuwürgen und Hölz zu isolieren versucht durch Verwirrung des Proletariats. Ihr Verdienst in der Aktion, in der Hölz die Rolle spielte, die sie heute in ungeheuer verlogener Weise feiert, war es, alles daran zu setzen, die auf den Kopf von Max Hölz ausgesetzte Prämie selbst zu verdienen! Es handelt sich hier auch nicht um einen „Fall Brandler“, sondern um die Gesamtpolitik der k.p.d., das bewiesen schon die Tatsache, daß Heckert und Konsorten die einflußreichsten Macher dieser Partei sind. Diese Tatsache soll durch die „Strafe“ and Brandler lediglich verschleiert werden. Im übrichen mögen nachfolgende Auszüge aus einem Artikel von Max Hölz selbst sprechen, den Hölz 1921 in der „Aktion“ veröffentlichte. Max Hölz schreibt dort in einem Artikel „Aus meinem Leben“ u.a. folgendes:
„Durch Genossen erfuhren wir, daß in der von Chemnitz eine Stunde entfernt liegenden Kaserne noch Unmengen von Waffen aller Art, Munition und andere Ausrüstungsgegenstände lagerten. Diese Dinge standen unter der Verwaltung der Reichswehr, die dort einen Hauptmann mit 50 Mann untergebracht hatte. Nach absolut sicheren Informationen, die uns gemacht wurden, waren diese Waffen des öfteren schon dem Chemnitzer Arbeiterrat bzw. Aktionsausschuß angeboten worden, ohne daß dieser indes die Waffen holte, und sie, wie es die Situation erheischte, an die Arbeiter verteilte. Bei uns macht sich mit der Zeit ein Mangel an Waffen fühlbar, und wir beschlossen, uns die Waffen in Frankenberg zu holen. Um nach Frankenberg zu gelangen, mußten wir unbedingt den Weg über Zwickau und Chemnitz machten. Ich wählte 30 Mann besonders zuverlässiger Leute, die sich ohne Gewehr und Revolver, nur jeder mit einer Hand granate in der Tasche, auf den Weg nach Frankenbergmachten.
Bei unseren Ausstiegen auf dem Chemnitzer Hauptbahnhof sahen wir uns plötzlich von ca. 600 Schutzleuten umringt, die sich wahrscheinlich die ausgesetzten 5000 bzw. 30 000 Silberlinge verdienen wollten. Ich war über diesen Empfang einfach sprachlos, weil der Chemnitzer Aktionsausschuß, der paritätisch aus Rechtssozialisten und Kommunisten zusammengesetzt war, die tatsächliche Macht besaß und in ihm geraden die Kommunisten Heckert und Brandler eine führende Rolle spielten. Ich konnte mir nicht ohne weiteres erklären, wie es unter diesen Umständen möglich war, daß die Chemnitzer Haltefeste es wagen konnten, uns einen solchen Empfang zu bereiten. Der Chemnitzer Polizei war von Zwickau aus gemeldet worden, daß sich der berüchtigte H[ölz]. mit 50 seiner Leute, aber unbewaffnet auf dem Wege nach Chemnitz befände, um wahrscheinlich mit diesen 50 Leuten die 150 000 Einwohner zählende Stadt Chemnitz zu stürmen.
Als sich der Kreis der Schutzleute um meine Leute immer enger schloß, gab ich das Kommando „Handgranaten heraus!“ Die Wirkung dieses Kommandos war unbescheiblich. Beim Anblick der plötzlich aus den Taschen herausgezogenen gefährlichen Dingen stoben die Tapferen in wilder Hast auseinander.
Wir glaubten nun freie Bahn zu haben, um ungehindert nach Frankenberg zu gelangen; sahen uns aber nach Verlassen des Bahnhofs wieder von einem neuen Schutzmannsaufgebot umringt. Ich frug einem vor mir stehenden baumlangen Oberwachtmeister, was er denn eigentlich hier wolle. Darauf legte er, entweder um mich zu beruhigen oder um mich im Namen des Gesetzes zu verhaften, seine Hand auf meine Schulter, was mich bewog, ihm eine derartig derbe Ohrfeige zu versetzen, daß er sich lang auf die Schienen hinlegte. Ich nahm ihm darauf seinen Revolver und trieb auch diese Aufgebot auseinander.
Wir marschierten nun ruhigen Schritts und zwar im Gänsemarsch auf dem Bahndamm von Chemnitz nach Frankenberg. Nachdem wir ungefähr eine Viertelstunde gewandert waren, setzte plötzlich eine wahnsinnige Schießerei hinter uns ein. Wir erblickten in einer Entfernung von einem Kilometer in einem großen Umkreis Hunderte von Schutzleuten und Angehörigen der Chemnitzer Bürgerwehr, die mit Karabinen bewaffnet uns nachzogen. Trotzdem sie bis and die Zähne bewaffnet waren, hatten sie scheinbar doch nicht den Mut, näher heranzukommen, sondern folgten uns immer nur in achtunggebietender Entfernung. Kurz vor Frankenberg empfingen wir auch von vorn Feuer; wie sich später herausstellte, hatten die Chemnitzer die umliegenden Ortschaften telegraphisch benachrichtigt und die dortigen Einwohner- bzw. Bürgerwehren alarmiert. Wir schlugen uns bis Frankenberg durch und wirden von den dortigen Arbeitern bzw. dem Aktionsausschuß auf das herzlichste begrüßt. Der Vorsitzende des Aktionsausschusses von Frankenberg, Zunfahrli, ging unverzüglich den anrückenden Chemnitzern ertgegen, erklärte ihnen, daß ich mit meinen Leuten unter dem Schutze der Frankenberger Arbeiterschaft stände, und wenn die Chemnitzer es wagen würden, weiter vorzodringen, würde sich die Frankenberger Arbeiterschaft geschlossen auf unsere Seite stellen. Über diese Eröffnung waren die rühmlichen Chemnitzer verblüfft und beschlossen ihren Ruckzug.
Eine Stunde später langte Brandler im Automobil in Frankenberg an und bat mich, mit nach Chemnitz zu kommen, um dort dem Aktionsausschuß den Zweck meines neuen Unternehmens zu erklären, da der Chemnitzer Aktionsausschuß glaube, ich hätte die in einem in der nähe befindlichen Lager internierten Russen befreien wollen. Ich fuhr mit nach Chemnitz und erlebte dort ein drastisches Beispiel von der revolutionären Energie des Chemnitzer Aktionsausschusses. Dieser hatte es nicht verhindern können, es auch gar nicht versucht, das Vorgehen der Chemnitzer Polizei zu unterbinden. Im gegenteil! Ihm wäre es recht und nützlich gewesen; wäre der Polizei der Fang geglückt, so hätten die Chemnitzer Heckert und Brandler mit ihrem s.p.d.-Kumpanen ihren Winterschlaf weiter halten können und wären nie mehr von dem revolutionären Tatendrang der vogtländischen Arbeiterschaft gestört worden.
Heckert und Brandler verlangten von mir, daß ich mich den tatsächlichen Verhältnissen anpasse und nicht Einzelaktiionen unternähme. Es sei nicht der Augenblick, um eine Rote Armee aufzustellen, es sei auch nicht der Augenblick, den Arbeitern Waffen zu geben und die notwendigen Gelder einzuziehen.
Dieses Ansinnen der Heckert und Brandler und Konsorten erschien mir als ein ungeheuer Verrat an der Revolution. Die Genossen, die aus dem Ruhrgebiet zu uns kamen und uns die Kämpfe der dortigen Arbeiterschaft mit der Reichswehr schilderten, standen mit ihren Berichten im Einklang mit den bürgerlichen Schmocks, die tägliche Situations- und Kampfberichte aus dem Ruhrgebiet veröffentlichten. Die Tatsache, daß Hunderttausende von Arbeitern für ihre Befreiung von Jahrzehnte und Jahrhunderte langen Fesseln kämpften, die wir ergriffen, um unsere Brüder im Westen zu unterstützen. Wir waren um diese Zeit und sind noch heute der Ansicht: Hätten nicht nur die vogtländischen Arbeiter ihre Pflicht erfüllt, sondern hätten Heckert-Brandler und Konsorten den in voller Fahrt befindlichen Revolutionswagen nicht andauernd gebremst, dann wäre es nicht möglich gewesen, daß erstens die Arbeiter in Leipzig und Halle und zweitens die Arbeiter im Ruhrgebiet niedergeschlagen wurden. Die Dinge in Sachsen lagen sehr günstig, viel günstiger als in irgendeinem andern Gebiet des Reiches. Aber die Heckert-Brandler begnügten sich nicht nur damit, die revolutionäre Initiative der Massen zu ersticken, sondern sie förderten sogar offenkundig die Pläne der Reaktion. Beweis: Brandler unterschrieb ein paar höheren Offizieren und Regierungsvertretern einen Ausweis, der sie berechtigte, ungehindert durch das Operationsgebiet der sächsichen Arbeiterschaft nach Bayern zu reisen, um von dort aus die Maßnahmen zur Niederknüppelung der Arbeiter einzuleiten!!
Heckerts und Brandlers Angst vor der revolutionären Aktion im Vogtlande ging sogar zo weit, daß sie in einer Kenferenz erklärten, sie hätten nichts dagegen, wenn es der Polizei gelänge, H[ölz]. zu fangen under zu beseitigen. Sie wären nur gegen eine bewaffnete Aktion der Regierung.
Als alles gütliche Zureden der Chemnitzer, die revolutionäre Arbeiterschaft des Vogtlandes von ihrem Vorgehen abzubringen, vergeblich war, groffen sie zu einem nog viel schamloseren Mittel, indem Brandler in der Konferenz in Plauen mich aufforderte, ich sollte spurlos über die Grenze verschwinden, und mir auch für diesen Zweck falsche Papiere anbot. Da ich dieses Ansinnen selbstverständlich ablehnen mußte, zerschnitten Heckert-Brandler die letzten Bande, die sie noch mit der vogtländischen Arbeiterschaft verknüpten: sie warfen mich auch der Partei heraus und verurteilten damit die revolutionären Handlungen des gesamten vogtländischen Proletariats.
In einer Konferenz im Schlosse zu f., bei der Heckert anwesend war, fälschte er meine Unterschrift, indem er meine Namen unter einen Aufruf setzte, der dazu bestimmt war, der sächsischen Arbeiterschaft Sand in die Augen zu streuen. In diesem Aufruf schrieb Heckert, daß die sächsische Regierung den ausgesetzten Kopfpreis von 30 000 M[ar]k. zuruckgenommen hätte. Dies war eine bewußte und deshalb um so gemeinere lüge, da die Regierung gar nicht daran dachte, solches zu tun. Durch dies Gaukelspiel, das die Chemnitzer „Führer“ von Anfang an bis zu Ende der Aktion spielten, wurde es der wiedererstarkten Reaktion leicht, den Kampfeswillen der Arbeiter zu brechten.
Wenn ein Levi in seinem Artikel in der „Internationale“ schreibt, ich hätte Lebensmittel, wie Eier und Heringe usw., requieriert und diese zum Friedenspreise an die Allgemeinheit verteilt, so beweist das nur, daß er bewußt schwindelt oder aber von seinen Auftraggeber Heckert-Brandler bewußt falsch informiert war. Die Chemnitzer wußten nur zu gut, daß wir keine Zeit hatten, uns um wirtschaftliche Dinge zu kümmern. Für uns war es viel wichtiger, die politische Macht, die uns der Kapp-Putsch in die Hand gegeben, auszubauen und zu befestigen. Das Geschreibsel Levi-Brandlers soll nur dazu dienen, die eigene Unfähigkeit und Feigheit zu verdecken. Wir vogtländischen Arbeiter erstrebten keine Sonderziele und waren auch nicht bestrebt, außsehalb der Reihe zu tanzen, sondern wir erfüllten lediglich unsere Pflicht, aber mit äußersten Konzequenz.
Wir haben in den Kapp-Tagen nicht in einem einzigen Fall verhandelt, sonder immer nur gehandelt und dies sicherlich im Interesse der Revolution. Wenn Levi und Brandler darüber winseln, daß ich die Parteidisziplin gebrochen hätte, so kann ich dazu erklären, daß mir die Disziplin gegenüber der Revolution höher steht als die Disziplin gegenüber der Partei. Es steht mir nicht zu, über die Ursachen der Unfähigkeit und Feigheit der Chemnitzer und Berliner Zentralleitung zu theoretisieren, um so weniger, da von andere berufener Seite, und zwar von russischen Genossen (vgl. Karl Radek) ihnen das Urteil gesprochen wurde.
Als die Bewegung im Ruhrgebiet durch die Reichswehr niedergeknüppelt war, was nur möglich sein konnte durch das passive Verhalten, die sogenannte „loyale Opposition“ Levis und Brandlers, ging man endlich daran, den letzten Revolutionskrater, das Vogtland, zu ersticken. Arm in Arm mit den Desdener Staatsanwalt erklärte Brandler, daß mir eine nennenswerte Macht niemals zur Verfügung gestanden hätte. Damit schlägt er der ganzen vogtländischen Arbeiterschaft und sich selbst ins Gesicht. Denn er weiß nur zu gut, daß nicht nur Hunderte geschlossen hinter mir standen, sondern das ganze Vogtland deckte meine Handlungen und mein Vorgehen und beteiligte sich spontan an allen Aktionen.
50 000 Mann, ausgerüstet mit allen modernen Großkampfmitteln, kreisten das Vogtland langsam ein. Wir haben nie auch nur die Absicht gehabt, uns in einen regelrechten Kampf mit der Reichswehrmeute, die in solcher Übermacht anrückte, einzulassen, nachdem es der eifrigen Agitation Heckert-Brandlers gelungen war, einen Keil zwischen die Arbeiterschaft zu treiben. Sie fürchteten für ihre Parteieinheit und opferten dafür die Einheit der Revolution. Noch ehe es den anrückenden Truppen gelang, mit uns in Fühlung zu kommen, verließen wir unsere Hochburg F. und zogen uns geschlossen in den Grenzort Klingenbach zurück, um hier zu warten, bis die Arbeiterschaft der andern Orte zu uns stoßen würde. Erwarteten wir doch, daß trotz der Denunziation der Chemnitzer die Arbeiterschaft geschlossen gegen den Einmarsch der Reichswehr aufstehen würde.
Um die Truppe in Klingenbach zu löhnen, waren wir gezwungen, eine Zwangsanleihe bei den Kapitalschiebern aufzunehmen. Wir forderten eine Million, die uns auch ohne igendwelche große Schwierigkeiten ausgehändigt wurde. Von diesem Geld zahlten wir den Angehörigen der Roten Armee je 500 bzw. 1000 M[ar]k. aus. Die in F. verbliebenen Gelder hatten wir dort an verschiedenen Plätzen deponiert und sie für die Unterhaltung der Familien bereitsgestellt.
Außer kleinen Plänkelreien und Vorpostengefechten kan es zu keinen nennenswerten Zusammenstoßen mit der Reichswehr. Wir sprengten einige Brücken, rissen Straßen auf, um so dem Gegner das Vordringen zu erschweren. Als der Kreis immer enger wurde, sammelte ich die Leute, zog mit ihnen aus Klingenbach heraus in die umliegenden Wälder und erklärte ihnen hier im Dunkel der Nacht unsere gegenwärtige Situation. Daß wir vollkommen eingekreist seien und uns nur noch zwei Auswege blieben. Entweder wir treten geschlossen mit unsern Waffen :uber die Grenze und lassen uns von der tschechischen Regierung internieren oder aber wir lösen uns hier an Ort und Stelle auf und jeder sieht zu, wie er am besten durch die Sperrkette der Reichswehr hindurchkommt. Die Genossen lehnten einmütig eine eventuelle Internierung in Böhmen ab und waren dafür, nachdem nun einmal die Situation sich so gestaltet hatte und an einem weiteren Widerstand nich zu denken war, daß man sich hier auflöse, um die Reichswehr die Möglichkeit und den Anlaß zu einem Blutbade zu nehmen.“
Daß Max Hölz sich heute von seimen eigenen Verrätern feiern läßt und selbst auf diese Verräterpartei, die den konterrevolutionären Kurs heute noch konsequenter steurt als 1920 und 1921, schwört, ändert nichts an der geschichtlichen Wahrheit. Den Arbeitern der k.p.d. steht es ja frei, sich durch eine Anfrage in der „Roten Fahne“ an Hölz selbst sich von der Wahrheit zu überzeugen.“

Transkription 24. Februar 2017,  Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, 9. Jahrgang, 1928, Nr. 47


Hölz „revolutioniert“ die k.p.d.
Der „Volkswille“  meldet:
Die Welt am Abend  hat mit dem guten revolutionären Namen von Max Hölz eine widerliche Reklame getrieben. In seiner Unkenntnis, mit was für einem Organ er es zu tun hatte, überließ Genosse Hölz diesem Blatt seine Erinnerungen an die Märzkämpfe 1921. Diese wurden von der Redaktion des „kommunistischen“ Abendblattes in einer Weise wiedergegeben, die die revolutionären Leistungen des mitteldeutschen Proletariats eher herabsetzten denn würdigten. Wir haben außerordentlich bedauert, daß Max Hölz hierzu seinen Namen hergab. Außer der Verschandelung seiner Arbeit versuchte dies Blatt auch noch, den Verfasser bei der Zumessung des Honorars zu übervorteilen. Während die Geschäftsleitung der Welt am Montag  für den wert- und zwecklosen Speech des Schülers Krantz , mit seinen Pubertätsschmerzen 5000 (fünftausend) Mark Honorär bezahlte, sollte Hölz für seine Denkwürdigkeiten mit einer im Verhältnis hierzu lächerliche Summe abgespeist werden. Das Riß Max Hölz der Geduldfaden. Er stellte den Geschäftsführer der Welt am Abend, den sauberen Hernn Schönbeck, in dieser Bureau zur Rede. Als dieser die Stirne hatte, Hölz frech zu kommen, kan er an die richtige Adresse. Jetzt war es mit der Geduld von Max Hölz entgültig vorbei. Es hagelte Ohrfeigen, Herr Schönbeck fand sich auf dem Fußboden wieder.
Die Memoiren fanden einen jähen Abbruch. Noch am Sonnabend wurde das „Schluß“kapitel veröffentlicht.“
Wir haben zu Max Hölz und seiner begingslosen Kapitulation vor der k.p.d., die ihn einst verriet, bereits Stellung genommen und brauchen an dieser Stelle nur hinzufügen, daß auch dei heutigen „Volkswillen“-Leute mit zu der Garde gehörten, die von dem „Räuberhauptmann“ abrückten. Zu obigen Fall, der typisch zu sein scheint für die heutige „politische“ Einstellung von Max Hölz, wäre jedoch zu bemerken, daß die Ohrfeigen, die er austeilt – und die er glaubt austeilen zu können, weil nach dem verlogenen Theater, daß die k.p.d. mit ihm machte, sie nicht ohne weiteres einen „Fall Hölz“ hochkommen lassen darf – eine grundsätzliche Stellung zu den Fragen des Klassenkampfes nicht ersetzen können, noch dazu, wo es doch auch hier lediglich um Geld, nicht um Prinzipien ging. Diese „Linie“ kann leicht dazu führen, daß die k.p.d. Max Hölz eines schönen Tages erledigt, ohne daß sie es nötig hat, politisch gegen ihn zu kämpfen. Wenn Hölz vor lauter Kraft die endgültige Katastrophe am Ende seines jetzigen Wegen nicht sieht – um so schlimmer. Es ist in der „Roten Fahne“ in letzter Zeit bedenklich ruhig geworden, und das Schweigen der „R.F.“ sowohl als auch eine Außerung zu obiger Episode von Hölz selbst, der sonst auf kleine Steinchen der sozialdemokratische Presse – durch die diese Notiz lief – mit ganz große Brocken antwortete, deutet darauf hin, daß die dickste Freundschaft wohl bereits vorbei sein dürfte. Der Moor [warscheinlich gemeint: Karl Moor in Schillers „Rauber“, oder auch Karl Marx] hat gegenüber der k.p.d. ja auch schon seine Schuldigkeit getan.“

Transkription 25. Februar 2017, Quelle:  Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, 9. Jahrgang, 1928, Nr. 48


nl | Max Hölz / J. Braak [Anton Pannekoek], 1921

 Max Hölz / J. Braak [Anton Pannekoek]. – In: De Nieuwe Tijd, 26e Jg., 1921, p. 464-467


de | Vom „Weissen Kreuz“ zur roten Fahne / Max Hölz, 1929

Max Hölz, 1928

Quelle: Deutsches Historisches Museum 

Vom „Weissen Kreuz“ zur roten Fahne  ; Jugend-, Kampf- und Zuchthauserlebnisse / Max Hölz. – Berlin : Malik-Verlag, [1929]. – 393 S. [Reprint: Frankfurt am Main : Verlag Neue Kritik, 1969. – 431 S.]


de | fr | III. Sekundärliteratur


fr | La terreur en Bavière / Ambroise Got, 1922

 La terreur en Bavière / Ambroise Got. – Paris : Librarie académique Perrin et Cie, 1922. – 306 p.

Quelle: Internet Archive 


de | Karl Plättner und sein Rundschreiben von 28. Februar 1919 an den Bezirk Nordwest der K.P.D. / Peter Kuckuk, 1985

 Karl Plättner und sein Rundschreiben von 28. Februar 1919 an den Bezirk Nordwest der k.p.d. ; Ein Beitrag zum Phänomen des Linksradikalismus / Von Peter Kuckuk. – In: Bremisches Jahrbuch ; In Verbindung mit der Historischen Gesellschaft Bremen herausgegeben vom Staatsarchiv Bremen. – Band 63 (1985). – S. 93-115

Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen 


de | Max Hoelz / Peter Giersich, Bernd Kramer, 2000

Max Hoelz ; Man nannte ihn: Brandstifter und Revolutionär, Robin Hood, Che Guevara, einen Anarchisten, den Roten General ; Sein Leben und sein Kampf / Peter Giersich, Bernd Kramer. – Berlin : Karin Kramer Verlag , 2000. – 173 S.


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Compiled by Vico, 20 February 2017, latest additions 18 April 2017