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Antonie Pannekoek Archives
 

K.A.P.D. / A.A.U. / K.A.U. Bemerkungen und Berichten


Übersicht

Quelle: pdf’s received from Ph.B. and from the editors of: Archiv Karl Roche  and: Barrikade  (their sources are indicated).


Protokoll der Sitzung der R.Z. und B.Z. auf Einladung der R.Z. am 20. XII 1919

 Protokoll der Sitzung der r.z. [Reichs-Zentrale] und b.z. [Berliner-Zentrale] auf Einladung der r.z. am 20. xii 1919. – 17 S. [Verhandlungen zwischen der Reichszentrale und die Berliner Richtung nach der Heidelberger Parteitag]

Anwesend sind die Mitglieder der b.z., von der r.z. Gen[osse]. Pieck, Gen[osse]. Meyer, Gen[osse]. Friesland; ausserdem zwei Vetreter der Informationsstelle der Opposition aus Bremen [Maurice Disch und Wilhelm Dantz].
Auf Ersuchen der r.z. übernimmt Gen[osse]. König den Vorsitz.
Sprecher: Wilhelm Pieck, ein Bremer Genosse [Maurice Disch oder Wilhelm Dantz], [Ernst] Meyer, [Joseph] Miller [s.e.p.], Karl Schröder, Fritz Rasch, Emil Sach,  Friesland [Deckname von Ernst Reuter], [?] Riedel, [?] Heinen, Thyssen [Deckname von Johannes Graudenz]

Quelle: s.a.p.m.o.  (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der d.d.r. im Bundesarchiv), Berlin; Bundesarchiv Berlin Lichterfelde , vorher Instituts für Marxismus-Leninismus beim z.k. der s.e.d.


Offenes Schreiben an die Mitglieder der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands / Das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale, 1920

 Offenes Schreiben an die Mitglieder der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands / Das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale, Moskau-Petersburg, den 2. Juni 1920

Quelle: Internet Archive 


Bericht der nach Moskau entsandten Delegation / [Jan Appel und Franz Jung], 1920

 Bericht der nach Moskau entsandten Delegation. – In : Kommunistische Arbeiter-Zeitung, Organ der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands, [1. Jahrgang, Juli 1920], Nr. 113 [Sonder-Nummer] + 2 S. Beilage

Quelle Tekst: marxists.org, Jonas Holmgren, 15. Mai 2011; ursprünglich kurasje.org.


Die Argumente der K.A.P.D., 1921

 Die Argumente der k.a.p.d. (Zentralleitung) gegen die vorge[?] Aktion der v.k.p.d. [?] (Sitzung von 8. Januar und [9?] Januar [1921]. – 5 S.

Anwesende: [Mikhail] Borodin, [Fritz] Rasch, [Arthur] Goldstein, [Emil] Sach, [Adolf] Det[h]mann, [Alexander] Schwab (nur in der ersten Sitzung) [Karl] Schröder (nur in der zweiten Sitzung).
Einige Mitglieder der Zentralleitung, der Delegierte nach Moskau [Arthur Goldstein] und der Berliner Redaktner[?] [Adam Scharrer oder August Wülfrath] der k.a.p.d. ergreifen das Wort und führen etwa folgendes aus: […]

Quelle: АРХНВ КОМИНТЕРН (Komintern Archive), Moskau; Kopie Bundesarchiv Berlin Lichterfelde , vorher Institut für Marxismus-Leninismus beim z.k. der s.e.d.


Schreiben der K.A.P.D. an die Komintern, 1921

 Schreiben [Nr. 2] von der Geschäftsführende Haupt-Ausschuss [der k.a.p.d. an das Exekutivkomitee der iii. Internationale; an der Vertreter der k.a.p.d. in Berlin; an der Vertrauensmann des e.k. der iii. Internationale in Berlin. – 5 S.

Nr. 2. Berlin, den 4. Februar 1921, 5 S.

  • An der Exekutivkomitee der iii. Internationale (1)
  • An der Vertreter der k.a.p.d. beim e.k. der iii. Internationale in Berlin
  • An den Vertrauensmann der e.k. der iii. Internationale in Berlin

Wir berichteten am 29. Januar 1921 (Nr. 1) und werden von jetzt ab die Nummerung laufend durchführen.
Von unserm Vertreter in Moskau haben wir bis jetzt noch keine Nachricht bekommen.
1.) Entwicklung der allgemeinen politischen Verhältnisse.
Die beiden Mittelpunkte des Geschehens sind: Die Durchführung des Versailler Vertrage und dan Fortschreiten der wirtschaftlichen und politischen Konterrevolution.
Die Frage der Durchführung des Versailler Vertrage hat in den letzten Tagen zu den bekannten Pariser Beschlüssen und infolge davon zu einem erneuten Ansteigen der nationalen Well in Deutschland geführt. Unsere Auffassung, ausführlich dargelegt in der „Kommunistischen Montagszeitung“ von 31 Januar und besonders in der „Kommunistischen Arbeiter-Zeitung“ Nr. 168 is die, dass die Pariser Beschlüsse von keiner der beteiligten Mächte vollkommen ernst gemeint werden, sondern überwiegend innerpolitischen Rücksichten entsprungen sind. Die Wirtschaftliche Unmöglichkeit ihrer Durchführung ist nicht nur begründet in dem Widerspruch zwischen deutscher Exportsteigerung, die zur Erfüllung nötig wäre, und der natürlichen Abwehr des Ententekapitale gegen deutsche Unterbietungskonkurrenz, sonder auch in dem andern Wiedersruch, der darin liegt, dass hier kaufmännische Abmachungen zwischen Regierungen versucht werden, die auf keine staatssozialistisch oder kommunistisch zusammengefasste Wirtschaft sich stützen können.
Abmachungen, wie sie zur Durchführung des Versailler Vertrage nötig wären, sind unmöglich, solange in den beteiligten Staaten die Heiligkeit des Privateigentums unangetastet bleibt. Die entscheidenden Verhandlungen und Abmachungen wirtschaftlicher Art, die auch auf die politischen Verhältnisse ausschlaggebend einwirken werden, werden nach unserer Überzeugung nicht auf diesem Wege stattfinden, sondern in privatkapitalistischer Form unter Teilnahme der Rohstoffbesitzer, die heute überall und am meisten in Deutschland, die wirtschaftliche Macht in ihren Händen konzentrieren. Die Anwesenheit von Stinnes in Paris während der letzten Tage, zeigt den Anfang dieser Verhandlungen. Ihr Resultat und ihre Auswirkung gegen das Proletariat sind heute noch nicht im einzelnen zu übersehen. Die Gesamttendenz einer ungeheuren Verschärfung des Drucke versteht sich von selbst. Das vom Grosskapital geschürte Anschwellen der nationalen Stimmung (Hergt im Reichstag: „Lieber ein Ende mit Schrecken, als die Schrecken ohne Ende“. Überschriften der „Deutschen Zeitung“: „Auf Jena folgte Sedan“. „Lieber tot als Sklav“.) dient einmal als Verschleierung der Annäherungsversuche der internationalen Kapitalistengruppen, zugleich aber auch als Pressionmittel des deutschen Kapitals zur Erlangung günstiger Bedingungen. Die dritte Aufgabe dieser Hetze ist die Erzeugung einer kriegerischen Stimmung, der man im geeigneten Augenblick die Richtung gegen Sowjetrussland geben wird (Deutschland: Ein Baltikum im großen).
Den bevorstehenden preußischen Wahlen messen wir keine entscheidenden Bedeutung bei. Sie werden aber deutlich zeigen, dass die ganzen Massen des sogenannten Mittelstandes trotz ihrer wirtschaftlichen Proletarisierung ideologisch bei der Bourgeoisie stehen. Wir beziehen uns die diesem Punkt auf die beigefügte Flugschrift „Wahlkampf oder Klassenkampf“.
2.) Die Verhältnisse innerhalb des Proletariats.
Der Rückgang des politischen Interesses, der bis vor etwa 3 Wochen zu beobachten war, hat sich inzwischen behoben. Die Versammlungen werden wieder besucht. Der revolutionäre Teil der Arbeiterschaft ist wieder kampfbereiter als vorher.
Allerdings haben die wirtschaftlichen Teilkämpfe der letzten Zeit durchweg mit Niederlagen geendet. Die Eisenbahnenbewegung ist zu einem offenen Kampf nicht gelangt, weil die verzögernde Haltung der Gewerkschaftsbürokratie es der Regierung ermöglichte, durch abgestufte Zugeständnisse die unteren Beamten und die Arbeiter auseinanderzubringen. Die vkpd., deren Einfluss unter den Eisenbahnern recht erheblich ist, hat auch hier wieder versäumt, rechtzeitig die Situation bis zum offenen Kampf zu treiben und hat so die Abwürgungsaktion der Gewerkschaftsbürokratie erst ermöglicht. Die errungenen Teilerfolge werden eine Zeitlang das trügerische Gefühl einer materiellen Besserung erzeugen und dadurch die Stellung der Gewerkschaftsbürokratie stärken. In den Thyssen-Werken in Hamborn streiken zeit Ende Dezember rund 15 000 Mann. Hier war in der Arbeiterschaft der Wille zu einer selbständlicher Ausdehnung des Streiks vorhanden, sogar eine Konferenz der bürgerlichen Betriebsräte ergab diese Tatsache. In letzter Stunde gelang es aber einigen Mitgliedern der Betriebsrätezentrale Berlin Malzahn und Wolff von der vkpd. an die Stelle solidarischen Handelns eine papierne Resolution zu setzen. Wegen der Einzelheiten beziehen wir uns auf den „Kampfruf“ Nr. 41 ähnliche Niederlagen, die alle auf Solidaritätsbruch durch die vkpd. zurückzuführen sind, ergaben sich bei einer Reihe von Berliner Kämpfen (Löwe, Neuköllner Notstandsarbeiter, Aga).
Die gesamte Taktik der vkpd. bei allen diesen Anlässen zeigt eine einheitliche Linie: Man hilft solange die Kampfbereitschaft der vom Kapital provozierten Arbeiter anfachen, bei der gefährliche Punkt erreicht ist, wo größere, eventuelle folgenschwere Aktionen eintreten müssten. Dann wird abgeblasen, und man versucht, die vorhandene Erregung abzuleiten in den Kampf der vkpd., um die Posten in der Gewerkschaftsbürokratie. Dies ist ein ganz gewöhnlicher Missbrauch der proletarischen Massen zu Führerzwecken, dessen Erfolg nur sein kann, dass die im Stich gelassenen kämpfenden Gruppen verwirrt und entmutigt werden, dass zwischen diesen und den übrigen zur praktischen Solidarität aufgerufenen Gruppen eine noch schärfere Zerreißung eintritt, und dass unter den revolutionär gestimmten Gewerkschaftsmitglieder ein vollkommene Chaos angerichtet wird. Zu denselben Resultaten führt der sogenannte „Kampf“ um den „Offenen Brief“ der vkpd., dessen Charakter als Wahlmache wir ja in unserer offiziellen Antwort genügend gewürdigt haben.
Durch diese ganzen Vorgänge sind uns nur neue Argumente dafür geliefert worden, dass die Theorie der Revolutionierung der Gewerkschaften durch kommunistische Zellen wenigstens in Deutschland keine – oder höchstens einen die revolutionäre Kraft zerstörenden Erfolg – haben kann, und dass sowohl für den Kampf gegen die Gewerkschaftsbürokratie als auch für die positive Vorbereitung der Übernahme der Produktion hier bei uns das einzig mögliche Gebilde die Allgemeine Arbeiter-Union auf der Grundlage der Betriebsorganisationen ist.
3.) Wir erhielten vor einigen Tagen die Nachricht, dass ein Vertreter des e.k. uns zu sprechen wünscht. Diese Rücksprache fand heute statt und zwar war der betreffende Genosse, wie sich herausstellte ein Vertreter der „Roten Gewerkschaftsinternationale“. Diese Unterhaltung berührte uns höchst eigentümlich. Nachdem uns zuerst vorgeworfen worden war, dass unser Kampf gegen die Gewerkschaftsrevolutionierung von innen, den usp-Leuten Argumente in die Hand gäbe – ein Vorwurf, gegen den bekanntlich niemand geschützt ist, es wurden ja bekanntlich auch Zitate aus Schriften des Genossen Lenin von der deutschen antibolschewistischen Liga zu Plakaten benutzt – fragte uns der Genosse, ob wir beabsichtigten, unsere Politik in der Gewerkschaftsfrage für oder gegen Moskau einzurichten. Wir erwiederten natürlich mit dem Hinweis auf unser Programm und auf unsere ganze beim e.k. genau gekannte Haltung. Dabei erklärten wir unter anderm, wir seien überzeugt, dass die Thesen des 2. Kongresses für Deutschland eine opportunistische Auswirkung haben müssten, und dass wir sie daher bekämpfen. Diesen Satz griff der Genosse heraus und erklärte ihn für so Wichtig, dass er ihn nach Moskau telegraphieren werde, und dass wir dann nicht länger sympathisierender Organisation der iii. Internationale sein könnten.
Da wir nicht annehmen können dass hier nach einem vorbedachten Plan längst bekannte und selbstverständliche Einzelheiten unsere Programme entgegen den Beschlüsse des e.k. zum durchsichtigen Vorwand für eine Änderung der Haltung des e.k. dienen sollen, können wir nur die Hoffnung aussprechen, dass wir künftig nicht mehr veranlasst werden, unsere kostbare Zeit in Gesprächen mit russischen Genossen zu verlieren, die so vollkommen unorientiert und so wenig bereit sind, sich besser informieren zu lassen.
[Unterzeichnet] Geschäftsführendes Haupt-Ausschusses, F[rit]z Rasch, Erdmann [Emil Sach], [Alexander] Schwab, Aug[ust]. Merges.

Transkription 3. Oktober 2016

Quelle: АРХНВ КОМИНТЕРН (Komintern Archive), Moskau; Kopie Bundesarchiv Berlin Lichterfelde , vorher Institut für Marxismus-Leninismus beim z.k. der s.e.d.


Bericht der K.A.P.D., 1921

  Bericht der k.a.p.d. – 1921. – 18 S.

  • I. Die Entstehung der Opposition in der k.p.d. (Spartakusbund)
  • II. Die Tätigkeit der k.a.p.d. bis zur Märzaktion
  • III. Die Märzaktion 1921
  • IV. Die Verhältnisse innerhalb der Partei
    • [Anhang] An Brochuren hat die Partei bisher herausgegeben:
      • Programm der kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands
      • Vom Werden der neuen Gesellschaft / Karl Schröder
      • Wesen und Ziele der revolutionäre Betriebsorganisation / Friedrich Wendel
      • Die Revolutionäre Betriebsorganisation
      • Die Allgemeine Arbeiter-Union / Karl Schröder und Friedrich Wendel
      • Nation und Internationale / Arthur Goldstein
      • Wahlen oder Nicht Wahlen
      • Der Steuerabzug vom Lohn / Seemann [Bernard Reichenbach]
      • Der k.a.p.d. und die Kommunistische Internationale
      • Der Weg des Dr. Levi ; Der Weg der v.k.p.d.
      • Offener Brief an den Genosse Lenin / Herman Gorter
      • Die Klassenkampforganisation des Proletariats
    • An periodischen Zeitungen und Zeitschriften erschienen bisher folgende:
      • Kommunistische Arbeiterzeitung, Berlin
      • Kommunistische Arbeiterzeitung, Hamburg
      • Kommunistische Arbeiterzeitung, Westsachsen
      • Der Kommunist, Dresden
      • Kommunistische Sturmglocke, Magdeburg
      • Kommunistische Montagszeitung, Berlin
      • Der Geist (Monatsschrift), Berlin
      • Proletarier (Monatsschrift), Berlin
      • Infolge des Abstossens von Wolffheim-Laufenberg und Rühle stellten die „Kommunistische Arbeiterzeitung“ Hamburg und „Der Kommunist“ Dresden ihr Erscheinen ein. Bei der vollständigen Auspowerung unserer in vielen Fällen arbeitslosen Mitglieder fehlten die finanziellen Mittel, um die übrigen Zeitungen erscheinen zu lasse. Die Partei beschränkt sich augenblicklich auf die Herausgabe der „Kommunistische Arbeiterzeitung“ Berlins und der Zeitschrift „Proletarier“.
  • V. Die k.a.p. und die Kommunistische Internationale
  • VI. Die Jugendbewegung der k.a.p.d. [Fehlt letzter Teil]

Quelle: s.a.p.m.o.  (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der d.d.r. im Bundesarchiv), Berlin; Bundesarchiv Berlin Lichterfelde , vorher Instituts für Marxismus-Leninismus beim z.k. der s.e.d.


Verteitigungsrede / Franz Utzelmann, 1921

 Verteitigungsrede vor dem ausserordentlichen Gericht in Halle, an 28. Juni 1921 / Franz Utzelmann. – Typoscript, 1921. – 14 S.

Quelle: s.a.p.m.o.  (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der d.d.r. im Bundesarchiv), Berlin; Bundesarchiv Berlin Lichterfelde , vorher Instituts für Marxismus-Leninismus beim z.k. der s.e.d.


Das Kernproblem der deutsche Revolution / Adolf Dethmann, 1921

 Das Kernproblem der deutsche Revolution / Adolf Dethmann. – Berlin, 1921. – 12 S.

Das Kernproblem der deutschen Revolution [12. 1921, Dethmann]
I.
Das Ziel ist die nach dem Prinzip des Gemeineigentums und der gegenzeitige Hilfe wirtschaft-
liche klassenlose Menschheitsgesellschaft. Das Mittel ist die Aufhebung des Privateigentums, den
Weg der Klassenkampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie.
Die erste Etappe auf diesem Wege ist die Eroberung der politischen Macht durch das Pro-
letariat
, m.a.W. [mit anderen Worten] die Zetrummerung der kapitalistischen Staates als das Machtshebels zur
Aufrechtverhaltung des Privateigentums und seine Erzersetsung durch den proletarischen Staat.
im Gestalt der Arbeiteräte als den Machtsmmittel zur Aufhebung des Privateigentums.
Die verwirklichung dieses geschichtllichen Aktes erfordert Vorausetzungen zweierlei
Art
: die Krise der ökonomischen Verhältnisse und den Willen des Proletariats, diesen
entscheidenden Schritt zu tun.
Ein erstere (objektive) Bedingung für die Diktatur des Proletariats, die Reife der
ökonomische Verhältnisse
, ist in Deutschland bereits und auch heute gegeben in der
durch den Krieg verursachten Krise des deutschen Kapitals und ihren Reifheit der Folge-
erscheinungen.
Die zweite (subjektive) bedingung, das Wille des Proletariat zur Eroberung des poli-
tischen Macht
, ist in Deutschland noch nicht vorhanden. Ihr Fehlen ist die Ursache
für das Scheitern alle bisherigen Erhebungen der revolutionären deutschen Arbeiter.

[Rest zu transkribieren]

Quelle: АРХИВ ИККИ (Исполнительный комитет, (Archiv Exekutivkomitee der Kommunistische Internationale); Kopie Bundesarchiv Berlin Lichterfelde, vorher Institut für Marxismus-Leninismus beim z.k. der s.e.d.


Anschrift der Polizei-Präsident, 1927

 Anschrift [über die k.a.p.d.] / Der Polizei-Präsident, Nr. IA 988. – Berlin, 11 Februar 1927. – 3 S.

Anschrift
Die k.a.p.d. ist seit dem Jahre 1921 immer meht zurückgegangen. Nach der Absplitterung der Opposition (1921), die sich dann als a.a.u.e. (Allgemeine Arb. Union-Einheitsorganisation) selbständig machte, spalteten sich die k.a.p.d. und die ihr unterstellte a.a.u.. Allgemeine Arb. Union (die wirtschaftliche Organisation der Partei) in die Essener- und die Berliner-, sp:ater noch in die Peipziger-Richtung. Der Anlass zu diesem Spaltungen waren Führerstreitigkeiten. Seit 1924 wurde die Essener-Richtung bedeutungslos und verschwand 1925 völlig. Auch die Berliner Richtung ging zahlenmässig immer mehr zurück. Die von beiden richtungen abfallenden Mitglieder gingen in der Mehrzahl zur a.a.u.e..
Nach dem offenen Bruch der linken k.p.d.-Opposition mit der Zentrale der k.p.d. bewarben sich k.a.p.d. und a.a.u.e. gleicherweise um die oppositionellen Mitglieder der k.p.d., nachdem die Anregung der a.a.u.e. bei der k.a.p.d., ein gemeinsames Kampfkartell zu bilden, an der Forderung der Führer der k.a.p.d., dass die k.a.p.d. als Partei erhalten bleiben sollte, gescheitert war. Die a.a.u.e. trat zu Katz in engere Verbindung und bildete mit der Katz-Gruppe das „Spartakuskartell“, aus welchem neuerdings in Göttingen der Organisatorische Zusammenschluss von a.a.u.e. und Katz-Gruppe zum „Spartakusbund, wirtschafts-politische Einheitsorganisation“ erwachsen ist. Der k.a.p.d. gelang es, nachdem sich die Gruppe Korsch-Schwarz („Entschiedene Linke“) gespalten hatte, zu Schwarz und seiner Anhängerschaft in ein vorläufig sympathisierenden Verhältnis zu treten, während Korsch und seine Anhänger in Fühlungnahme mit dem neuen „Spartakusbund“ stehen.
Organisatorisch hat sich diese letzte Entwicklung wie folgt abgespielt: Schwarz bekämpfte wohl die Zentrale der k.p.d. und ihren rechten Flügel; nicht aber die parteimässige Organisation als solche. Korsch dagegen wollte alle Gruppen der linken Opposition ausserhalb einer parteimässigen Bindung zusammen fassen. Diese Differenzen wurden immer schärfer und führten schliesslich zur Spaltung der Gruppe „Entschiedene Linke“. Schwarz trat am 12. November an die Zentrale der k.a.p.d. heran, zwecks Abhaltung einer gemeinsamen Besprechung. Diese fand am 15. November statt. Dort sprachen Schwarz, Schönert und Strauch für die Gruppe Schwarz und Scharrer, Löwenstein und Farnholt für die k.a.p.d. Es wurde beschlossen, zunächst in ein enges symathisierendes Verhältnis zueinender zu treten, um zu sehen, ob sich die beiderseitigen Auffassungen miteinander vertragen. Ferner wird bis auf weiteres in der k.a.p.d.-Druckerei Iszdonat, Berlin ein Diskussionsblatt der Schwarz-Gruppe gedruckt. Es ist nach dem Verlauf der bisherigen Besprechungen als wahtscheinlich zu betrachten, dass es in nicht sehr ferner Zeit zu einem organisatorischen Zusammenschluss der Schwarz-Gruppe und der k.a.p.d. kommen wird.
Die k.a.p.d. hat zur Zeit nur in einigen Bezirken des Reiches einen festen Mitgliederbestand. Zahlenmässig umfasst sie zur Zeit in ganz Deutschland etwa 1500-2000 Mann. Durch Verschmelzung mit der Schwarz-Gruppe würde sich der Mitgliederbestand auf 5-6000 erhöhen. Die k.a.p.d. ist ferner bestrebt, auch die Gruppe Fischer-Maslow zu sich herüber zu ziehen.
Zur Zeit lässt sich also die Lage links von der k.p.d. wie folgt darstellen:
OrganisationMitgliederzahl ca.
k.a.p.d. und a.a.u.2000
Schwarz-Gruppe4000
Spartakusbund [Katz]6000
Korsch-Gruppe3000
Fischer-Maslow6-7000
Urbahns-Gruppe5000
Wedding-Opposition3000
Alle übrigen Opponenten3-4000
Die angegebenen Zahlen geben nur den ungefähren Mitgliederbestand wieder. Aber bei einer zahlenmässigen Zusammenfassung alle dieser Gruppen können immerhin 30-35000 Mitglieder der links von der k.p.d. stehenden Richtungen zusammenkommen.

Transkiption 25. November 2016

Quelle: s.a.p.m.o.  (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der d.d.r. im Bundesarchiv), Berlin; Bundesarchiv Berlin Lichterfelde , vorher Instituts für Marxismus-Leninismus beim z.k. der s.e.d.


Briefe der K.A.P.D.-A.A.U.D. Essener Richtung zum K.P.D.-Parteitag, 1927

 Briefe der k.a.p.d.-a.a.u.d. Essener Richtung zum k.p.d.-Parteitag, 1927.

Quelle: i.i.s.g. , Amsterdam, Otto Landsberg Collection, Inv. nr. 230.


Briefe K.A.P.D.-A.A.U.D.-Essen an K.A.P.D.-A.A.U.D.-Berlin, November 1927

 Brief der Allgemeine Arbeiter Union und Kommunistische Arbeiter Partei angeschlossen der Kommunistische Arbeiter-Internationale, an alle Genossen der k.a.p.d. und a.a.u. Berliner Richtung, Essen, November 1927

Quelle: i.i.s.g. , Amsterdam, Otto Landsberg Collection, Inv. nr. 230a.


Zur Geschichte der K(ommunistischen) A(rbeiter)-P(artei) D(eutschlands) / Bernard Reichenbach, 1928

 Zur Geschichte der K(ommunistischen) A(rbeiter)-P(artei) D(eutschlands) / Bernard Reichenbach. – In: Grünberg Archiv, XIII (1928)

Quelle: www.left-dis.nl , hier bearbeitet von die Herausgeber von: Archiv Karl Roche  und: Barrikade 


Zum Programentwurf der A.A.U., G.I.K., 1931

 Die Gruppe Internationaler Kommunisten Hollands zum Programentwurf der a.a.u., 19. Dezember 1931

  • I. Doppeltorganisation und Fraktionsbildung in der Unionsbewegung [Mehrheit]
  • II. Zur Frage der Doppeltorganisation [Mehrheit]
  • III. Zur Frage der Doppeltorganisation [Minderheit]

Kopenhager Resolution, 1935

 Resolution / [Alfred Weiland]. – Brüssel [=Kopenhagen], 8.-11. Juni 1935


Aufriss zu meiner politischen Einstelling während der Märztage [19]21 / Franz Utzelmann - Kempin, 1946

 Aufriss zu meiner politischen Einstelling während der Märztage [19]21 / Franz Utzelmann -Kempin .– Typoscript, 1946. – 11 S.

Quelle: s.a.p.m.o.  (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der d.d.r. im Bundesarchiv), Berlin; Bundesarchiv Berlin Lichterfelde , vorher Instituts für Marxismus-Leninismus beim z.k. der s.e.d.


Politisches Lebensbild von August Merges / Alfred Merges, 1958

 Politisches Lebensbild von August Merges / Alfred Merges. – Typoskript, 25. 9.  1958. – 5 S.

Quelle: s.a.p.m.o.  (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der d.d.r. im Bundesarchiv), Berlin; Bundesarchiv Berlin Lichterfelde , vorher Instituts für Marxismus-Leninismus beim z.k. der s.e.d.


Bernard Reichenbach – Begegnung mit Lenin [1921], 1970

Nach einem halben Jahrhundert sowjetischer Gewaltherrschaft werden sehr viele kaum verstehen, welches Ansehen die Führer der bolschewistischen Revolution – insbesondere Lenin – damals auch in weiten Kreisen der internationalen Sozialdemokratie genossen. Als einzige Partei der II. Internationale hatte die bolschewistische Partei von Anfang an die Unterstützung des Krieges nicht mitgemacht. Zudem, als sie im Oktober 1917 die Macht ergriff, da erklärte sie, nun ernst zu machen mit der Forderung des Kommunistischen Manifestes von 1848, die „klassenlose Gesellschaft“ zu errichten. In Deutschland hatte der Krieg bald zu Differenzen in der Sozialdemokratie geführt, die sich 1917 spaltete, so daß nach Kriegsende fünf Parteien sich auf Marx beriefen und jede den andern diesen Anspruch bestritt. Von der im Dezember 1918 gegründeten k.p.d. hatte sich 1920 die k.a.p.d. – die Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands – abgespalten, da sie die Leninsche Parteikonzeption einer autoritär auftretenden kleinen Gruppe von Berufsrevolutionären ablehnte, die als Führer diktatorisch über die Parteimitgliedschaft herrscht und die diese Führung sehr deutlich auch in der 1919 gegründeten III. Internationale beanspruchte.

Dem entsprach auch die „Infrastruktur“ dieser Organisation – ihr Domizil war Moskau, sie wurde von den Russen finanziert; Rußland wurde zum Hort für viele aus ihren Heimatländern geflohene Revolutionäre – das galt auch für manche Mitglieder des Exekutivkomitees der Komintern (e.k.k.i.), wie z.B. den Ungarn Bela Kun und den Finnen Kuusinen. Aber man muß doch sagen – damals wurden innerhalb dieser Organisation Meinungsverschiedenheiten und Kritik nicht unterdrückt; dennoch war es so, daß jeder, der auf einer von den Russen abweichenden Meinung beharrte, isoliert wurde. Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Russischen Sektion wurden hinter den Kulissen ausgetragen und so entschieden, wie Lenin es wollte, dessen überragende Persönlichkeit von seinen Genossen als etwas Selbstverständliches betrachtet wurde.

Die k.a.p.d. protestierte auch gegen die 21 Thesen, die auf dem II. Kominternkongreß beschlossen wurden – sie schrieben den angeschlossenen Parteien vor, sich an Parlamentswahlen zu beteiligen und auch innerhalb der Gewerkschaften zu arbeiten, um diese zu revolutionieren. Die k.a.p.d. lehnte beides ab, da sie die Organe der bürgerlichen Gesellschaft als unzureichende Organisationen zur Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft betrachtete. Sie propagierte das politische Rätesystem statt der Parlamente und forderte an Stelle der Gewerkschaften Betriebsräte, basierend auf den Arbeitsstellen und im Reichsmaßstab zusammengeschlossen zu einer Arbeiter-Union. Mittels beider Institutionen sollten die Entscheidungen auf der unmittelbaren Mitwirkung der beteiligten Massen basieren, und es sollte etwas geschaffen werden, was man heute als industrielle Demokratie bezeichnet.

Trotzdem aber nahm die k.a.p.d. 1920 die Aufforderung an, der Komintern als sympathisierendes Mitglied beizutreten, mit Sitz in der Exekutive in beratender Eigenschaft – ohne Stimmrecht. Sie wollte – bei aller Skepsis über einen Erfolg – doch versuchen, durch Beteiligung Einfluß zu gewinnen und auch innerhalb dieses Forums durch die sich ergebenden Kontakte mit den Vertretern der anderen angeschlossenen Parteien für ihre Ideen zu werben.

Ich wurde Anfang 1921 als Vertreter der k.a.p.d. in das Exekutivkomitee der Komintern entsandt. Ich wurde im Hotel „Lux“ untergebracht, wo die meisten der ausländischen Genossen wohnten. Nachdem ich mich beim Vorsitzenden des e.k.k.i., Sinowjew, gemeldet hatte, nahm ich regelmäßig an den etwa dreimal wöchentlich stattfindenden Sitzungen des e.k.k.i. teil, in dem, wie ich bald merkte, russische Mitglieder dominierten. Das galt insbesondere für das Spitzengremium, das sogenannte „Kleine Büro“ der Exekutive, das fünf Mitglieder hatte, von denen drei Russen waren: Sinowjew, Radek, Bucharin. Gelegentlich nahm auch Trotzkij an diesen Sitzungen teil, Lenin jedoch nie. Aber natürlich kam es mir darauf an, gerade ihm unseren Standpunkt zu begründen. Ich hatte wiederholt bei seinem Sekretariat um eine Aussprache nachgesucht, war aber immer wieder vertröstet worden. Ich vermutete bald, daß Lenink.p.d.-Delegierten meine Bemühungen, ihn zu sprechen, sabotierte. Ich schrieb ihm also einen Brief, in dem ich betonte, ich sei von meiner Partei nach Moskau geschickt worden, um ihm unsere Politik zu erklären. Wochenlang hätte ich jetzt gewartet; wenn ich ihn jetzt nicht sprechen könnte, würde ich nach Berlin zurückreisen. Mit diesem Brief ging ich zu Frau Lydia Fotjewa, die in Lenins Vorzimmer mit einem Stab von Mitarbeiterinnen sein Sekretariat leitete. Ich wußte, daß Lenin anwesend war und eine Konferenz stattfand. Ich erklärte Frau Fotjewa, sie solle meinen Brief Lenin bringen, ich würde hier in ihrem Zimmer so lange warten, bis Lenin mich empfangen würde. Auf ihre Einwände ließ ich mich nicht ein, und schließlich ging sie mit dem Brief in Lenins Zimmer. Ich wartete … Nach etwa einer halben Stunde kam Radek, der offenbar zu Lenin wollte. Erstaunt begrüßte er mich und fragte, was ich wollte. Er versprach, sofort mit Lenin darüber zu sprechen. Nun dauerte es nicht lange und eine Sekretärin brachte mir den hastig mit der Hand geschriebenen Brief Lenins (s[iehe]. das verkleinerte Faksimile auf S. 242):

Werter Genosse Reichenbach!
Soeben, 16/V, 1½ Uhr, habe ich Ihren Brief bekommen u[nd]. gelesen. Ich bedauere in höchstem Maße daß ich absolut keine Zeit gefunden, um mit Ihnen zu sprechen. Leider war ich während letzten Wochen so überarbeitet, daß ich fast Niemandem Zusammenkunft arrangieren konnte u[nd]. dringende Arbeit, selbst das Lesen der wichtigsten deutschen Dokumente, aufschieben mußte. Bitte mich zu entschuldigen: ich bin auch jetzt in solcher Lage, daß absolut nicht im Stande positiv zu versprechen. Zusammenkunft in nächsten Tagen. Wenn absolut dringend, warum nicht kurze Vorschläge schriftlich machen? Nochmals bitte um Entschuldigung u[nd]. zeichne mit komm[unistische]. Gruß
Lenin

Damit mußte ich zunächst einmal zufrieden sein. Ein paar Tage darauf erschien denn im Hotel „Lux“ ein Chauffeur – er habe den Auftrag, mich sofort in den Kreml zu fahren, Lenin erwarte mich. Bald saß ich ihm an seinem Schreibtisch gegenüber. Ein schlicht angezogener Mann, äußerlich keineswegs imponierend – auch in seiner ganz unpathetischen Sprechweise, keineswegs von oben herab, wohl aber in einem Tonfall, als ob alles, was er sagte, doch nur das Selbstverständlichste sei, jeder müßte das doch einsehen, – im übrigen aufgeschlossen, durchaus bereit, den andern anzuhören. Auch später, als ich ihn öfter in kleinerem Kreis sprechen hörte, merkte ich, wie diese Intonation geradezu faszinierend auch auf seine engsten Mitarbeiter wirkte – das galt auch für Trotskij, Radek, Sinowjew, Bucharin –, und ich habe niemals gehört, daß einer ihm widersprochen hätte. Aber, ich muß zugeben: seine Überlegenheit war nicht von einem g.p.u.-Apparat unterbaut, sondern der Ausfluß seiner Persönlichkeit. Unser Gespräch begann mit meiner Darstellung der innerdeutschen Verhältnisse, mit praktischen Beispielen über das Verhalten der Gewerkschaften, die zu Säulen der bestehenden Gesellschaft geworden sind, und über die politische Haltung der k.p.d., die ins reformistische Fahrwasser eingeschwenkt war. Lenin warf hier ein, eben deshalb sollte die k.a.p.d. sich wieder mit der k.p.d. zusammenschließen, entsprechend den 21 Thesen, die auf dem II. Weltkongreß für die Kommunisten beschlossen wurden. Man müsse eben in den Gewerkschaften arbeiten und das Parlament für die Vertretung der kommunistischen Ziele verwenden. Als ich dies für aussichtslos erklärte und das mit Beispielen aus der Erfahrung belegte, zögerte Lenin einen Augenblick, wandte sich dann mit einer hinweisenden Geste der großen Landkarte der Sowjetunion zu, die hinter seinem Schreibtisch an der Wand hing, und sagte:

„Ich muß mich mit so vielen Problemen befassen, daß ich selbst über manche Einzelheiten, die uns hier beschäftigen, nicht in allen Details Bescheid weiß. Das letzte Dokument, das ich über die deutsche Situation gelesen habe, war vor ein paar Monaten Radeks ‚Offener Brief an die deutsche Arbeiterschaft‘.“
Ich sagte: „Sie verlassen sich auf das, was Ihre Mitarbeiter sagen – Radek über Deutschland, Trotskij über Europa. Aber die Entschließungen, die daraufhin der Arbeiterschaft in diesen Ländern verkündet werden, erfolgen in Ihrem Namen, sind von Ihrer Autorität getragen.“
Lenin warf ein: „Haben Sie mit Trotskij über die Politik der k.a.p.d. gesprochen?“
Ich sagte: „Ja.“
Lenin: „Was sagte er?“
Ich: „Er hielt eine revolutionäre Entwicklung in den Gewerkschaften durchaus für möglich.“
Lenin: „Nun, Trotskij wird schon recht haben.“

Hier muß man einschalten, daß Lenin sich niemals – auch in späteren Gesprächen nicht – auf Stalin berief. Ebensowenig einer der anderen führenden Bolschewisten. Dabei wurde doch immer in solchen Gesprächen sofort zitiert. Etwa, was Lenin dort und bei welchem Anlaß gesagt hatte, oder daß schon Plechanow, ehe er 1914 zum Verräter geworden sei, in der Frage der Parteiorganisation gesagt hatte… Bucharin sei immer der Meinung gewesen, daß …“ „Trotskij etc. etc. Niemals wurde aber Stalin zitiert. Er wurde auch bei den Besprechungen im e.k.k.i. niemals erwähnt.

Was nun Trotskijs „permanente Revolution“ betrifft, so hatte er diese Theorie damals längst aufgegeben; er war, wie Lenin, der rücksichtslose Verfechter der „abgeschlossenen Revolution“ – soweit sie Rußland betraf. Er wurde auch völlig von Lenin gedeckt beim Niederwerfen der Arbeiteropposition, die den Kronstadter Aufstand ausgelöst hatte. Daran schloß sich dann das scharfe Vorgehen gegen jede Aktivität der Arbeiteropposition, zu der Alexandra Kollontai, Schlapnikow und Lutowinow gehörten, die zwar die Revolte verurteilten, aber den Anlaß – die Unterdrückung jeglicher Oppositionsargumentation – verurteilten; die Opposition wurde mundtot gemacht. Auch dazu erlebte ich eine für Lenin sehr bezeichnende Szene: Im Sommer 1921 wurde die „Profintern“ gegründet, die längst wieder liquidierte „Rote Gewerkschaftsinternationale“. Sie sollte überall die der Sowjetunion wohlgesinnten Gewerkschaftler erfassen, um ihre Organisationen zu Instrumenten der sowjetischen Politik zu machen, ein Prinzip, das die k.a.p.d. bald als eine der entscheidenden Aufgaben der Komintern erkannte und verurteilte. Zu dieser Profintern-Gründung waren auch Vertreter syndikalistischer Organisationen eingeladen, auf die die Russen vor allem in den Ländern Wert legten, in denen die Kommunistische Partei keine Fortschritte machte, wie in Spanien und den u.s.a.. In Moskau angekommen, hatten sie bald erfahren, daß ihre russischen Gesinnungsgenossen in den Gefängnissen saßen. Sie baten mich, eine Aussprache mit Lenin zu vermitteln. Das geschah, und Lenin hörte sich ihre Vorwürfe mit freundlichem Lächeln an. Dann sagte er in seinem Ton des Selbstverständlichen, als müsse eine so einfache Sache doch jedem einleuchten:

Jede Partei, die an die Macht kommt, hat noch immer Kompromisse machen müssen und sich dabei kompromittiert; die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre haben sich [bei der kurzlebigen Februarrevolution 1917] kompromittiert; jetzt die deutschen Sozialdemokraten. Unvermeidlich gilt das auch für uns. Nur die nicht an die Macht gekommenen vermeiden das, so hier die Anarchisten und die Syndikalisten – das macht sie so gefährlich, deshalb müssen wir ihre Tätigkeiten unterbinden.

Die Erfahrungen, die ich bei meinem halbjährigen Aufenthalt in Moskau als „sympathisierendes“ Mitglied des e.k.k.i. machte, bestätigten die Vermutung unserer Partei: Genau so zwangsläufig, wie Lenin die Unvermeidlichkeit des Kompromisses verteidigt hatte, wurde die der Weltrevolution dienende Komintern zum Instrument der russischen Staatsinteressen. Nachdem die Herren im Kreml erkannt hatten, daß die „permanente Revolution“ auch in den kapitalistischen Ländern ausgespielt hatte, arrangierte man sich mit den Regierungen dieser Staaten. Die kommunistischen Parlamentsfraktionen hatten die Aufgabe, als – wie man heute sagen würde – „Papier-Tiger“ zu wirken, als Propagandainstrumente für eine der Sowjetunion zugute kommende Politik. Wir lehnten auf dem III. Kominternkongreß 1921 die 21 Thesen ab, und die k.a.p.d. erklärte ihren Austritt aus der III. Internationale.

Heute auf diese nun ein halbes Jahrhundert zurückliegenden Ereignisse zurückblickend, erweist sich unsere Entscheidung als durchaus berechtigt. Vor allem ist ja unsere Erkenntnis über den gesellschaftspolitischen Charakter der Leninschen Konzeption von der Staatsführung durch eine kommunistische Partei von der Geschichte bestätigt worden: die durch keine demokratische Kritik und Kontrolle gehinderte Konzentration der Macht auf das oberste Gremium des Staatsapparates bedingt dessen Abschirmung durch einen rücksichtslos vorgehenden militärpolizeilichen Unterdrückungsapparat, um an der Macht zu bleiben. Wir hatten schon zu Lenins Zeiten erkannt: wenn etwas in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft „gesetzmäßig“ verläuft, so ist es diese Unterdrückung der Massen, der Gesinnungsäußerung, der Kritik durch ein diktatorisches Herrschaftssystem, in welcher Form es auch auftritt, mit welcher Phraseologie es sich schmückt – ob das Emblem Hammer und Sichel, ein Rutenbündel oder ein Hakenkreuz ist. Auch die andere Feststellung, die wir damals trafen und die unser Austreten aus der Komintern mitbestimmte, hat sich rückblickend bestätigt: Die Politik der Rußland-hörigen Kommunistischen Parteien wurde vom Kreml dirigiert, ausgerichtet auf die jeweiligen Staatsinteressen der Sowjetunion. Ein besonders deutliches, schon beinahe naives Beispiel dafür war das Verhalten des Volkskommissars für den russischen Außenhandel, Krassin, der 1921 in einem Interview in der Berliner „Roten Fahne“ die Arbeiter der deutschen Maschinenindustrie warnte – sie sollten nicht streiken, weil dann Maschinen, die die Sowjetunion dringend brauche, nicht geliefert werden könnten. Als wir das auf dem III. Kominternkongreß vorbrachten, haben die Bolschewistenführer nicht darauf reagiert, aber unter vier Augen bezeichnete Lenin dieses Interview als eine unvorsichtige Dummheit.

Diese Anpassung der Komintern an die Staatsinteressen der Sowjetunion ging ja auch bis zur letzten Konsequenz: Als die Sowjetunion im letzten Weltkrieg zum Verbündeten der Westmächte geworden war, wurde die Komintern aufgelöst. Ein weiteres Vierteljahrhundert später gab der Kreml ein besonders krasses Beispiel für seinen Anspruch darauf, daß sich kommunistische Staaten nach den jeweiligen Interessen der Sowjetregierung zu verhalten haben – sein Einbruch in die Tschechoslowakei.

Quelle: Osteuropa, 4/1970, S. 240-244.


Anmerkungen

1. Von Dezember 1920 bis August 1921 war die k.a.p.d. sympathisierender Organisation der Komintern; Arthur Goldstein war Delegierte der k.a.p.d. in Moskau von Januar bis Mars 1921.


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Compiled by Vico, 3 October 2016, latest additions 11 March 2017